Studie zur Optimierung der Schlaganfallbehandlung startet15. Juli 2025 Die beiden Chefärzte Prof. Jan Liman (re.) und Dr. Markus Holtmannspötter wollen bei der Versorgung schwerer Schlaganfälle durch Umorganisation noch mehr Zeit gewinnen und so die Prognose verbessern. (Quelle: © Klinikum Nürnberg) Das Klinikum Nürnberg leitet in Kooperation mit dem Universitätsspital Basel, Schweiz, eine europaweite Studie, um die Akutversorgung von Schlaganfallpatienten zu verbessern. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt „GET-FAST“ prüft, ob sich Patienten von einem schweren Schlaganfall besser erholen, wenn sie nach dem schnelleren „One-Stop“-Prinzip behandelt werden. Inwiefern profitieren Patienten mit einem schweren Schlaganfall von einem innovativen Behandlungsablauf, bei dem die radiologische Bildgebung und die anschließende Therapie im selben Raum stattfinden? Diese Frage untersucht ab August 2025 die internationale Studie „One-Stop-Management für einen schnellen Behandlungsbeginn der endovaskulären Schlaganfalltherapie“ unter Leitung des Klinikums Nürnberg, der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) und des Universitätsspitals Basel. Die Initiatoren der Studie sind Prof. Jan Liman (Chefarzt Neurologie Klinikum Nürnberg), Prof. Marios Psychogios (Leiter Neuroradiologie Universitätsspital Basel) und Dr. Markus Holtmannspötter (Chefarzt Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie Klinikum Nürnberg). „Am Klinikum Nürnberg versorgen wir jährlich 2000 Schlaganfälle in einer der größten Stroke Units Deutschlands. Mit unserer großen Erfahrung in der Schlaganfallforschung wollen wir die Versorgung weiter verbessern“, erklärt Liman. „Unser Ziel ist es, die Zeit bis zum Behandlungsbeginn zu minimieren, ohne die diagnostische Sicherheit zu gefährden“, ergänzt Holtmannspötter. Durch weniger Schnittstellen Wege in der Klinik verkürzen Zeit ist entscheidend bei der Schlaganfallbehandlung. Je früher sie beginnt, desto größer die Chance, dass sich das geschädigte Hirngewebe erholt und die Patienten keine Behinderungen zurückbehalten. Beim ischämischen Schlaganfall soll das Zeitfenster vom Eintreffen in der Notaufnahme bis zur mechanischen Thrombektomie (Blutgerinnselentfernung mit Kathetertechnik) nicht mehr als 60 Minuten betragen („Door to groin“-Zeit). Das Problem: Für die Entscheidung zur Thrombektomie braucht es zunächst eine genaue Bildgebung des Gehirns per Computertomographie (CT). Damit lässt sich ein Gefäßverschluss bestimmen und eine Hirnblutung ausschließen, die etwa 20 Prozent aller Schlaganfälle verursacht. Üblicherweise wird der Patient nach der CT-Untersuchung in eine Angiographieanlage gebracht, wo Neuroradiologen in einem zweiten Schritt das verstopfte Gefäß öffnen. Moderne Angiographieanlagen versprechen hier Zeitgewinn: Sie ermöglichen auch die CT-Diagnostik vor Ort – eine separate CT-Untersuchung mit Transport und Umlagern entfällt also. Zielmarke: 400 Patienten aus drei Ländern „Am Klinikum Nürnberg haben wir alle technischen Voraussetzungen für diesen beschleunigten Ablauf. Auch unsere internen Prozesse haben wir gemeinsam mit den Anästhesie-Kollegen schon neu organisiert“, betont Holtmannspötter. „Wir erwarten, die ,Door to groin‘-Zeit um 20 bis 30 Minuten zu verkürzen. Das verbessert die Genesungsaussichten erheblich. Jede Verzögerung um 30 Minuten senkt die Wahrscheinlichkeit um zehn Prozent, dass der Patient nach dem Schlaganfall ohne Hilfe im Alltag zurechtkommen wird.“ Die Studie „GET-FAST“ erfasst den funktionellen Zustand der Teilnehmenden 90 Tage nach dem Schlaganfall. Einzelstudien hätten den positiven Effekt der Umorganisation bereits gezeigt, berichtet Psychogios. Der wissenschaftliche Beleg durch große randomisierte Studien an mehreren Zentren steht jedoch noch aus. Wesentlicher Partner bei „GET-FAST“ ist das Universitätsspital Basel. Acht Kliniken und Universitätskliniken in Deutschland, der Schweiz und Finnland nehmen teil. Sie wollen rund 400 Patienten einbinden. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert die Studie. Nach drei Jahren sollen Ergebnisse vorliegen. „Sollte sich das ,One-Stop‘-Management als überlegen erweisen, könnten die Studienergebnisse zukünftige Behandlungsprotokolle europaweit beeinflussen“, resümieren die Studienleiter.
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