Synthetische Oligosaccharide in Milchpulver ohne nachgewiesenen Nutzen19. Oktober 2022 Die Zusammensetzung von Muttermilch ist einzigartig und lässt sich nicht imitieren. (Foto: © Alfonso Cerezo – Pixabay) Experten der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin haben eine Stellungnahme vorgelegt, die den Zusatz synthetischer Oligosaccharide zu Säuglingsnahrungen und deren Marketing untersucht. Sie halten fest, dass „die personalisierte Komplexität der Oligosaccharide in Frauenmilch derzeit nicht in Flaschennahrungen nachgeahmt werden kann“. Muttermilch enthält Oligosaccharide – diesen größtenteils unverdaulichen Kohlenhydraten werden in ihrer natürlichen Variante durchweg positive Eigenschaften zugeschrieben: Die Mehrfachzucker wirken antibakteriell, immunstärkend und beeinflussen positiv die Darmflora. Da ist es laut DGKJ nicht überraschend, wenn Hersteller von Säuglingsnahrungen ihre Produkte durch synthetisch produzierte „Humane Milch-Oligosaccharide“ oder „HMO“ verbessern wollen und damit suggerieren, so der Muttermilch zumindest näher zu kommen. „Der Zusatz einzelner synthetischer Oligosaccharide zu Säuglingsmilchen kann die komplexe Zusammensetzung der Muttermilch nicht imitieren. Die Bewerbung von Flaschennahrungen mit Begriffen wie `Humane Milch-Oligosaccharide´ oder ‚HMO‘ ist unseres Erachtens eine der bestehenden Gesetzgebung widersprechende Idealisierung“, kritisiert Prof. Berthold Koletzko, Leiter der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Koletzko und seine Kollegen der DGKJ-Kommission haben eine Stellungnahme vorgelegt, die den Zusatz synthetischer Oligosaccharide zu Säuglingsnahrungen und deren Marketing untersucht. Sie halten fest, dass „die personalisierte Komplexität der Oligosaccharide in Frauenmilch derzeit nicht in Flaschennahrungen nachgeahmt werden kann“. Zudem sei die Datenlage zu einem möglichen Nutzen von synthetischen Mehrfachzuckern in Säuglingsnahrungen zu dürftig, um allgemeine Empfehlungen zur Anwendung aussprechen zu können. Eine Gesundheitsbeeinträchtigung oder gar -gefährdung durch die bisher in Europa zugelassenen synthetischen Oligosaccharide in Säuglingsnahrungen sehen die Experten der Ernährungskommission jedoch nicht. Deutliche Kritik äußert die Ernährungskommission der Kinder- und Jugendmedizin an der derzeitigen, unakzeptablen Bewerbung von Säuglingsnahrungen. Koletzko: „Die Verordnungsgeber und die zuständigen Überwachungsbehörden müssen aktiv werden und die unseres Erachtens vorliegenden Verstöße gegen die europaweit erlassenen rechtlichen Beschränkungen zum Marketing von Säuglingsnahrungen unterbinden.“
Mehr erfahren zu: "Fette in Säuglingsnahrung können zu frühen Lebererkrankungen beitragen" Fette in Säuglingsnahrung können zu frühen Lebererkrankungen beitragen Bestimmte Fette, die in einigen Säuglingsnahrungen verwendet werden, können die sich entwickelnde Leber belasten und zu frühen Anzeichen einer steatotischen Lebererkrankung beitragen. Dies geht aus einer neuen Studie hervor, die […]
Mehr erfahren zu: "Angeborener Herzfehler: Fragebögen machen Belastungen im Alltag sichtbar" Angeborener Herzfehler: Fragebögen machen Belastungen im Alltag sichtbar Häufige Kontrolltermine, Unsicherheiten vor Eingriffen und Sorgen um Schule oder Entwicklung belasten viele Familien mit einem Kind mit angeborenem Herzfehler deutlich. Das zeigt eine aktuelle Studie des Universitätsklinikums Freiburg.
Mehr erfahren zu: "Kinder mit OSA: Erhöhtes Risiko für Grippe und COVID-19" Kinder mit OSA: Erhöhtes Risiko für Grippe und COVID-19 Unabhängig von Alter und Gewicht haben Kinder mit Obstruktiver Schlafapnoe (OSA) ein doppelt so hohes Risiko, an Grippe oder COVID-19 zu erkranken, wie gesunde Kinder – auch nach Adenotonsillektomie.