Telemedizin für psychisch kranke Menschen wird Praxis3. Juli 2018 Foto: © chinnarach – Fotolia.com Eine wegweisende Idee der Telemedizin bahnt sich derzeit einen Weg in die Zukunft: Das LWL-Forschungsinstitut für Seelische Gesundheit am LWL-Universitätsklinikum Bochum setzt sein Forschungsprojekt „TELL US!“ in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse und weiteren Projektpartnern um. „Nach einem stationären Aufenthalt in einem psychiatrischen Krankenhaus ist die ambulante Weiterbetreuung oftmals nicht sichergestellt, da es ganz allgemein an ambulanten Therapieplätzen mangelt“, erläutert Prof. Georg Juckel die Klinikrealität und damit den Forschungsauftrag. „Folge: Die Patienten werden nach kurzer Zeit wieder stationär eingewiesen. Die Quoten sind leider sehr hoch.“ Das für alle Kliniken geltende pauschalisierte Entgeltsystem Psychiatrie und Psychosomatik (PEPP) zielt gleichzeitig darauf ab, die Aufenthaltsdauer im stationären Bereich zu verkürzen. Der Bedarf an ambulanten Therapieplätzen ist demzufolge recht hoch und nimmt immer mehr zu. Das neue digitale Behandlungsangebot soll nun diesem Drehtüreffekt entgegenwirken. Seit Ende 2017 wird am LWL-Universitätsklinikum Bochum ein Konzept für die ambulante Versorgung von psychisch kranken Patienten über eine mobile App entwickelt. Dr. Barbara Emons, Leiterin des Forschungsprojekts „TELL US!“ im LWL-Forschungsinstitut für Seelische Gesundheit in Bochum, beschreibt die neue App: „Mit ihrer Hilfe kommunizieren Patientinnen, Patienten und Behandler über Messengerdienste, Chat und Videotelefonie miteinander. Termine können vereinbart, Rezepte und Bescheinigungen angefordert sowie Dokumentationen für die Therapie (z.B. Stimmungstagebücher) angelegt werden. Zudem wird der Zugang zu psychoedukativen Einheiten oder zu weiterem Informationsmaterial möglich gemacht.“ Darüber hinaus ist mittels der TELL US-App eine engmaschige Therapie geplant: Der Patient geht bei Bedarf niederschwellig auf den Behandler zu, und der Therapeut bietet kurzfristig Interventionsmöglichkeiten.
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