Toxoplasmose: Experten fordern Anerkennung als vernachlässigte Tropenkrankheit20. August 2026 Toxoplasmose sollte von der WHO als vernachlässigte Tropenkrankheit anerkannt werden. Das fordern internationale Experten insbesondere wegen der schweren okulären Folgen der Infektion. Illustration: © Dr_Microbe – stock.adobe.com Eine internationale Gruppe von Experten fordert, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Toxoplasmose offiziell als vernachlässigte Tropenkrankheit anerkennt. In einem Positionspapier in PLOS Neglected Tropical Diseases kritisieren sie, dass die Erkrankung und insbesondere ihre Auswirkungen auf das Sehvermögen bislang zu wenig Beachtung fänden. Toxoplasmose zählt zu den häufigsten parasitären Infektionskrankheiten des Menschen und ist weltweit die häufigste intraokulare Infektion. Die okuläre Toxoplasmose manifestiert sich typischerweise als nekrotisierende Retinochoroiditis und kann durch chorioretinale Narbenbildung bis zum dauerhaften Visusverlust führen. WHO-Anerkennung könnte Prävention und Behandlung der Toxoplasmose voranbringen Eine der Autorinnen des Positionspapiers ist die Ophthalmologin Prof. Justine Smith von der Flinders University in Adelaide, Australien. In einer Pressemitteilung betont sie: „Toxoplasmose gehört weltweit zu den häufigsten Augeninfektionen und ist eine wichtige Ursache für Sehverlust. Dennoch findet die Erkrankung in globalen Gesundheitsstrategien bislang nur wenig Beachtung.“ Mit einer Anerkennung als vernachlässigte Tropenkrankheit durch die WHO erhoffen sich die Experten erhebliche Fortschritte bei der Prävention und Behandlung dieser Infektion. „Toxoplasmose wird oft als unvermeidbar angesehen. Die Übertragungswege sind jedoch gut charakterisiert, und die Erkrankung lässt sich verhindern und kontrollieren“, betont Erstautor und Augenarzt Prof. João Furtado von der Universität São Paulo, Brasilien. Sichere Lebensmittel und sauberes Wasser können vor Toxoplasmose schützen Verursacht wird die Toxoplasmose durch den einzelligen Parasiten Toxoplasma gondii (T. gondii). Menschen infizieren sich vor allem durch den Verzehr von rohem oder nicht ausreichend gegartem Fleisch, kontaminierten Lebensmitteln oder Wasser oder den Kontakt mit Katzenkot. Bei einer Primärinfektion während der Schwangerschaft kann T. gondii transplazentar auf den Fötus übertragen werden. Die kongenitale Toxoplasmose kann zu Fehlgeburten sowie zu lebenslangen neurologischen und visuellen Beeinträchtigungen führen. Die schwerwiegendsten Folgen, darunter Erblindung, betreffen nach Angaben der Expertengruppe überproportional Bevölkerungsgruppen mit eingeschränktem Zugang zu medizinischer Versorgung, sicherer Nahrung, sauberem Wasser und Schwangerschaftsvorsorge. „Diese Folgen könnten durch praktische Maßnahmen des öffentlichen Gesundheitsschutzes verringert werden, etwa durch eine höhere Lebensmittelsicherheit, sauberes Wasser, bessere sanitäre Bedingungen und einen besseren Zugang zur Schwangerschaftsvorsorge“, sagt Furtado. Bislang gibt es wenig Forschungsgelder für Toxoplasmose Bislang erhält die Toxoplasmose, gemessen an ihrer Krankheitslast, allerdings vergleichsweise wenig Forschungsgelder und gesundheitspolitische Aufmerksamkeit. Die Expertengruppe verweist darauf, dass die Einstufung als vernachlässigte Tropenkrankheit bei anderen Erkrankungen zu raschen Fortschritten geführt habe. Unter anderem sei die Entwicklung neuer Diagnostik- und Therapieansätze sowie koordinierter Versorgungsprogramme vorangebracht worden. „In einer Zeit, in der das Konzept der WHO zu vernachlässigten Tropenkrankheiten den Schwerpunkt auf gesundheitliche Chancengleichheit, Integration und sektorübergreifendes Handeln legt, stellt die Toxoplasmose eine klare und behebbare Lücke dar, die geschlossen werden sollte“, sagt Smith. (nec/BIERMANN)
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