Tremor: Beidseitige Behandlung scheint vielversprechend13. Mai 2021 Foto: ©Alessandro Grandini – stock.adobe.com Chronisches Zittern schränkt die Lebensqualität von Tremor-Patienten massiv ein. Die Behandlung mit fokussiertem Ultraschall kann den Patienten Linderung verschaffen, bisher aber nur einseitig. Erste Erfahrungen zur beidseitigen Behandlung machen nun Hoffnung. Am Universitätsspital Zürich (USZ) kommt das Verfahren des fokussierten Ultraschalls bereits seit Jahren zum Einsatz. Damit kann man das Zittern sehr sicher, effektiv und langanhaltend behandeln. “Die Intervention ist aber bisher nur für die Behandlung einer einzelnen Körperseite untersucht und zugelassen”, sagt Neurochirurg PD Dr. Lennart Stieglitz. Die Behandlungsteams am Universitätsspital Zürich und des HM CINAC in Madrid haben nun ihre Erfahrungen mit der beidseitigen Behandlung aufgearbeitet. Die Resultate machen Hoffnung für Betroffene. Zweite Behandlung bringt weitere Verbesserungen In ihrer Publikation berichten die Forschenden über neun Patienten mit essentiellem Tremor, fünf Männer und vier Frauen, welche im Rahmen einer experimentellen Therapie beidseitig mit fokussiertem Ultraschall behandelt wurden. Zur Sicherheit wurden zwischen den Behandlungen rechts und links Zeitabstände von 18 bis 24 Monaten eingehalten. Die Veränderung des Zitterns wurde mittels Clinical Rating Scale for Tremor (CRST) gemessen, einer standardisierten Skala für die Erfassung des Zitterns bei Tremor-Krankheiten. Bei allen Patienten zeigte sich die erwartete Reduktion des Zitterns nach der ersten Behandlung, die Behandlung der zweiten Seite brachte aber noch einmal erhebliche Verbesserungen. Die Patienten zeigten bei der beidseitigen Behandlung die von der einseitigen Behandlung bekannten, in der Regel vorübergehenden Nebenwirkungen wie Gang- und Stabilitätsstörungen, leichte Sprech- oder Wahrnehmungsstörungen. Diese bildeten sich in allen Fällen in der üblichen Zeit von wenigen Wochen wieder, und meist komplett, zurück. Auch die neuropsychologischen Tests erbrachten nach der zweiten Behandlung keine Verschlechterung im Vergleich zu den Werten nach der ersten. Für die Patienten resultierte aus der beidseitigen Behandlung deshalb insgesamt eine deutliche Verbesserung des Tremors, mit unmittelbaren positiven Auswirkungen in ihrem Alltag und auf ihre Lebensqualität. Beidseitige Behandlung könnte Standard werden “Unsere Ergebnisse sind eine gute Nachricht für all jene Patienten, die an einem essentiellen Tremor leiden und weder mit Medikamenten noch mit einem Hirnschrittmacher behandelt werden möchten oder können”, erklärt Prof. Christian Baumann, Neurologe am USZ und Spezialist für neurodegenerative Erkrankungen. “Wir schließen mit dieser Beobachtung eine Lücke. Seit der einseitigen Zulassung sind die Ultraschallgeräte viel präziser geworden und die Bildgebung für die Vorbereitung und während des Eingriffs hat große Fortschritte gemacht. Deshalb wollten wir anhand der ersten beidseitig behandelten Patienten untersuchen, ob die damals zu Recht vorhandenen Bedenken zur beidseitigen Behandlung noch Bestand haben. Die Resultate zeigen, dass diese Bedenken wohl überholt sind.” Für die Zulassung der beidseitigen Tremor-Behandlung mit fokussiertem Ultraschall als Standardbehandlung sind weitere wissenschaftliche Untersuchungen am Universitätsspital Zürich in Kooperation mit dem Team in Madrid um Prof. José Obeso angedacht. Originalpublikation: Martínez-Fernández et al. Bilateral staged magnetic resonance-guided focused ultrasound thalamotomy for the treatment of essential tremor: a case series study. Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry, 2021.
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