„Über die gesamte Lebensspanne können wir Menschen eine Zukunft wiedergeben“

Susanne Krege. Foto: Kliniken Essen-Mitte / Udo Geisler

Nachhaltigkeit und Künstliche Intelligenz (KI) sind die zentralen Themen des 78. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) vom 16.–19.09.2026 im Congress Center Düsseldorf. Wo Präsidentin Prof. Susanne Krege die Chancen und Risiken der KI sieht und wie Nachhaltigkeit in der Urologie aussehen könnte, verriet sie im Interview mit KOMPAKT UROLOGIE.

„Ich glaube, die KI beinhaltet sehr viele Chancen. Wir können sie heute schon in diagnostischen Prozessen einsetzen, beispielsweise in der Bildgebung und bei der Beurteilung von Histologien. KI kann aber auch helfen, Prozesse zu strukturieren, beispielsweise die Patientenströme in der Ambulanz besser zu lenken“, erklärt Krege. Dass Menschen zu KI-Anwendungen imaginäre Beziehungen aufbauen, wie bereits in den Publikumsmedien berichtet, sieht sie jedoch kritisch. „Ich glaube schon, dass man sich in solchen Dingen verlieren könnte. Und da sind, glaube ich, die Grenzen, wo man aufpassen muss, dass man nicht über das Ziel hinausschießt.“

Nachhaltigkeit von vorne denken

Nachhaltigkeit in der Urologie muss man nach Überzeugung der DGU-Präsidentin „von ganz vorne denken“, etwa, wenn es um medizinische Einmalinstrumente geht. „Wenn man schon die richtigen Rohstoffe für die Herstellung der Instrumente auswählt und dann auch berücksichtigt, wie der Herstellungsprozess abläuft, die Lieferkette überdenkt, zum Beispiel eine Vorratsplanung einführt und die Instrumente recyceln kann, kann es durchaus sein, dass ein Einmalinstrument nachhaltiger ist als eines, das man mehrfach nutzt, bei dem wir aber auch die wiederholten Sterilisationen berücksichtigen müssen“, betont die Direktorin der Klinik für Urologie, Kinderurologie und Urologische Onkologie an den Evangelischen Kliniken Essen-Mitte.

Das Motto „Dem Leben eine Zukunft geben“ hat die DGU-Präsidentin gewählt, „weil ich finde, dass kein Fach so vielfältig ist wie die Urologie“ – von Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter über junge Paare, Menschen mit Geschlechtsinkongruenz und Senioren mit Inkontinenz bis zu Krebserkrankungen im fortgeschrittenen Alter. „Über die gesamte Lebensspanne können wir Menschen eine Zukunft wiedergeben, wenn sie ein urologisches Problem haben“, ist die Urologin überzeugt.

Die Behandlung von Menschen mit Geschlechtsinkongruenz hat sich nach Kreges Ansicht gut etabliert. „Aber ich glaube, das müssen wir auch verteidigen. Genauso bei den Patienten mit Varianten der Geschlechtsentwicklung, ehemals als Intersex-Patienten bezeichnet. Bei dieser Gruppe hat es sich so entwickelt, auch aufgrund unserer Leitlinie, dass Operationen im Kleinkindesalter nicht mehr erlaubt sind, solange die Betroffenen nicht selber entscheiden dürfen. Auch da müssen wir Flagge zeigen, uns für die Patienten einsetzen und für eine gute Versorgung stehen.“

Kinderurologie unter Druck

Gerade die Kinderurologie droht bei den aktuellen Reformen unter die Räder zu kommen. „Sollte sie den Kinderchirurgen ganz zugeordnet werden, mit dem Argument, die machen es ja allemal in ihrem Portfolio, oder bleibt sie auch in der Urologie?“, so die Fragestellung laut Krege. „Aber bei den Kinderchirurgen hört die Behandlung der Patienten spätestens mit dem 18. Lebensjahr auf, während wir sie über die gesamte Lebensspanne behandeln. Das heißt, bei uns können diese Kinder mit schwierigen Fehlbildungen dann weiter behandelt werden. Wir sehen es unter dem Aspekt, dass die Transition funktionieren muss, als extrem wichtig an, dass die Kinderurologie auch mit in der Urologie bleibt.“ Und: „Wenn die Behandlung im Kindesalter in der Urologie komplett wegfallen würde, dann würde auch kein Urologe mehr ausgebildet werden, um es weiterzuführen.“

Das vollständige Interview mit Prof. Susanne Krege lesen Sie in der Print/ePaper-Ausgabe 4/2026 von KOMPAKT UROLOGIE.

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