UKE-Forschende klären Ursache von wichtiger Nierenkrankheit bei Kindern und Erwachsenen auf29. Mai 2024 PD. Dr. Nicola M. Tomas (l.) und Prof. Tobias Huber, Direktor der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik des UKE. (Fotos: © Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf) Forschenden der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) ist es mit einem interdisziplinären Team des UKE sowie internationalen Kooperationspartnern gelungen, Ursachen, Auslöser und Krankheitsmechanismus des Idiopathischen nephrotischen Syndroms aufzudecken. „Das nephrotische Syndrom ist eine wichtige Nierenerkrankung mit großem Eiweißverlust. Wir haben mit unserer Studie nachgewiesen, dass es sich in den weitaus meisten Fällen bei Kindern und bei einem erheblichen Teil bei Erwachsenen um eine Autoimmunerkrankung handelt, bei der vom Immunsystem Antikörper gegen die Filterstrukturen der Nierenzellen gebildet werden“, erläutert Prof. Tobias Huber, Direktor der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik. Die nun entschlüsselte Erkrankung wird künftig als Anti-Nephrin-Autoantikörper-Erkrankung bezeichnet werden. Der jetzt entdeckte Anti-Nephrin-Autoantikörper bindet direkt an die Filterkapillaren der Nieren. Damit verliert der Nierenfilter an Dichtigkeit und es kommt zu einem übermäßigen Eiweißverlust in den Urin (Proteinurie). Für die Betroffenen sind Ödeme, ein erhöhtes Thromboserisiko und eine höhere Infektanfälligkeit typische Folgen, längerfristig kann je nach Verlauf auch ein Verlust der Nierenfunktion drohen. Neues Testverfahren im UKE entwickelt Wie die Studie ergab, können bei 90 Prozent der Kinder mit nephrotischem Syndrom die Autoantikörper gegen Nephrin nachgewiesen werden, ebenso bei 69 Prozent der Erwachsenen mit der ähnlichen „Minimal Change Erkrankung“. Basis der Untersuchung waren Patientendaten aus Universitätskliniken in Deutschland, Italien und Frankreich. Die Studie zeigt des Weiteren, dass die Anzahl der Autoantikörper der untersuchten Patienten vergleichsweise niedrig war. Im Laufe der Studie wurde daher im UKE ein neues Testverfahren für niedrig-titrige Autoantikörper entwickelt. „Die Identifizierung von Anti-Nephrin-Autoantikörpern als zuverlässiger Biomarker erweitert unsere diagnostischen Möglichkeiten und eröffnet neue Wege für die genaue Überwachung des Krankheitsverlaufs bei Nierenerkrankungen mit nephrotischem Syndrom”, erklärt PD Dr. Nicola M. Tomas, Oberarzt der III. Medizinischen Klinik des UKE. „Die Ergebnisse unserer Untersuchungen haben maßgebliche Einblicke in die zugrundeliegenden Mechanismen des nephrotischen Syndroms gegeben und legen damit den Grundstein für eine personalisierte Therapie und Präzisionsmedizin bei diesem komplexen Krankheitsbild“, ergänzt Huber.
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