Uniklinikum unterstützt Wohngruppe für junge Patienten mit Essstörungen21. November 2019 In Wohngruppen lernen junge Menschen mit Essstörungen, ihren Alltag zu bewältigen. (Foto: UKD/Stephan Wiegand) Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden setzt sich für eine übergreifende leitlinienbasierte Behandlung von Patienten mit Essstörungen ein. Dafür arbeitet das Klinikum über sein „Netzwerk Essstörungen Sachsen“ mit verschiedenen Einrichtungen in Sachsen zusammen. „Essstörungen und speziell die Anorexie sind schwere psychische Erkrankungen mit einer hohen Rückfall- und Chronifizierungsrate“, sagt Prof. Stefan Ehrlich, Leiter des Zentrums für Essstörungen der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -Psychotherapie und Leiter des eigenständigen Bereichs für Psychosoziale Medizin & Entwicklungsneurowissenschaften am Universitätsklinikum Dresden. Gerade deshalb sind die Therapie und die Betreuung dieser Patienten oft langwierig und intensiv. „Eine konsequente Umsetzung der Leitlinien in der Behandlung könnte uns helfen, die Therapie zu professionalisieren und erfolgreicher zu machen.“ Experten schätzen, dass ein Prozent der Bevölkerung zwischen 14 und 25 Jahren von einer Anorexia nervosa betroffen sind. „Eine Essstörung entwickelt sich meist im frühen Jugendalter. Wenn dann beim Erwachsenwerden Probleme in der Pubertät sowie neue Freiheiten, aber auch Pflichten der Volljährigkeit dazu kommen, sind die Patienten überfordert“, sagt Dr. Franziska Ritschel, Koordinatorin im „Netzwerk Essstörungen Sachsen“. Das Netzwerk wurde 2016 durch die Kliniken für Psychosomatik und Psychotherapie, für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie sowie die Psychosoziale Medizin und Entwicklungsneurowissenschaften des Uniklinikums Dresden gegründet. „Allein sollten die Betroffenen dann nicht sein. Doch auch die Rückkehr in das Elternhaus ist meist schwierig. Die Eltern fühlen sich meist ohnmächtig, wollen helfen und stoßen dabei an Grenzen“, sagt sie. Das Netzwerk arbeitet deshalb seit diesem Jahr mit der Produktionsschule Moritzburg zusammen, die eine Wohngruppe für 14 Bewohnerinnen und Bewohner im Alter ab 16 Jahre ohne Altersbegrenzung betreut. Die jungen Patienten lernen dort mit Unterstützung durch Sozialpädagogen und Ernährungsberater den Alltag mit und gegen die Essstörung zu bewältigen. Die Mediziner und Wissenschaftler aus dem Uniklinikum sind mit ihrer Expertise begleitend vor Ort, unterstützen bei den Fallbesprechungen und verfolgen die Entwicklung der Patientinnen und Patienten. Es ist bereits die zweite Wohngruppe, für die eine solche Kooperation besteht. Mindestens ein Jahr bleiben die Betroffenen in einer der Wohngruppen und lernen, den Alltag selbstständig zu bewältigen. Unbehandelt führen Essstörungen oft zu schweren körperlichen Folgen und zum Tod. In den meisten Fällen sterben Betroffene an Herzversagen, Lungenentzündung oder Nierenversagen. Bis dahin können sie aufgrund des Verzichts auf wichtige Nährstoffe, Vitamine und Kalorien an Organversagen, Osteoporose, Mangelerscheinungen, Herz-Rhythmuserkrankungen und Zahnschäden erkranken. Das „Netzwerk Essstörungen Sachsen“ setzt sich für eine Professionalisierung der Behandlung ein. Die Zusammenarbeit mit regionalen Trägern in den Wohngruppen hilft uns dabei, diese Ziele umzusetzen. „Gemeinsam können wir eine leitliniengerechte Versorgung von Patientinnen mit Essstörungen erreichen – das heißt die Therapie und Begleitung der Patientinnen und Patienten ist an den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen ausgerichtet“, ist Ehrlich überzeugt.
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