Unspezifische Kreuzschmerzen: Was bewirken Placeboeffekte?

© LIGHTFIELD STUDIOS – stock.adobe.com (Symbolbild)

Es ist wenig darüber bekannt, welchen Beitrag Placeboeffekte und Veränderungen, die ohne Behandlung beobachtet werden, bei Interventionen gegen unspezifische Kreuzschmerzen (NSLBP) leisten. Ein Team von Wissenschaftlern aus Dänemark und den Niederlanden bewertete nun in einer systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse die Anteile des Gesamtbehandlungseffektes, die auf spezifische Behandlungseffekte, Placeboeffekte und ohne Behandlung beobachtete Veränderungen in randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) bei Patienten mit NSLBP zurückzuführen sein könnten.

Ihre im Fachmagazin „Pain“ publizierten Ergebnisse zeigen, dass etwa die Hälfte des gesamten Behandlungseffektes konservativer und hauptsächlich passiver Maßnahmen bei Patienten mit chronischen NSLBP auf Veränderungen zurückzuführen ist, die ohne Behandlung beobachtet wurden, und nicht auf spezifische oder Placeboeffekte der Behandlungen. Die Forscher schätzen die Beweissicherheit allerdings als „sehr gering bis gering“ ein und geben zu bedenken, dass sich die tatsächlichen Effekte deutlich von Effektgrößen unterscheiden könnten, die ihren Schätzungen zugrunde lagen.

In ihre Übersichtsarbeit inkludierten die Forscher um Erstautorin Julie Rønne Pedersen von der University of Southern Denmark in Odense insgesamt 16 RCTs mit jeweils 3 Armen. Darin wurden bei 1436 Erwachsenen mit chronischen NSLBP die Auswirkungen von experimentellen Interventionen (konvservative und hauptsächlich passive Maßnahmen) vs. Placebo-Kontrolle vs. keine Intervention in Bezug auf Schmerzintensität, körperliche Funktion und/oder gesundheitsbezogene Lebensqualität (HRQoL) verglichen. Pedersen et al. identifizierten geeignete Studien anhand eines systematischen Reviews (vor 2019 veröffentlichte Studien) sowie über eine systematische Suche in MEDLINE, Embase und Cochrane Central (Studien, die zwischen Januar 2019 und März 2023 veröffentlicht wurden).

Ihren Angaben zufolge konnten die Wissenschaftler bei der Schmerzintensität (16 Studien) 33%, 18% bzw. 49% des gesamten kurzfristigen Behandlungseffektes auf spezifische Behandlungseffekte, Placeboeffekte bzw. auf Veränderungen zurückführen, die ohne Behandlung beobachtet wurden. Bei der körperlichen Funktion (11 Studien) und der HRQoL (6 Studien) betrugen diese Anteile 34%, 13% und 53% bzw. 11%, 41% und 48%. (ah)

Autoren: Pedersen JR et al.
Korrespondenz: Julie Rønne Pedersen; [email protected]
Studie: Clinical improvements due to specific effects and placebo effects in conservative interventions and changes observed with no treatment in randomized controlled trials of patients with chronic nonspecific low back pain: a systematic review and meta-analysis
Quelle: Pain 2024;165(6):1217–1232.
Web: https://doi.org/10.1097/j.pain.0000000000003151