Urinproben: Durchflusszytometrie mit herkömmlicher Kultivierung verglichen

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Eine aktuelle Studie des Karolinska Institutet, Schweden, hat die automatisierte Durchflusszytometrie von Urinproben (UFC) mit der herkömmlichen Kultivierung verglichen.

Harnwegsentzündungen sind ein häufiges Problem im klinischen Alltag und bedürfen einer zuverlässigen Diagnostik, die mittels effizienter Methoden zügig unauffällige Proben aussortieren und positive Fälle robust identifizieren kann. Die bisherige Diagnostik sei vor allem auf das zeitaufwendige Kultivieren von Bakterien gestützt, so die Autoren einer neuen Studie.

Die Forschenden des Karolinska Institutet, Schweden, haben nun die automatisierte Durchflusszytometrie von Urinproben (UFC) mit der herkömmlichen Kultivierung verglichen und damit möglicherweise einen Weg gefunden, die Arbeitsabläufe in der Routinediagnostik zu vereinfachen und gleichzeitig eine diagnostische Genauigkeit und Patientensicherheit zu gewährleisten.

Insgesamt analysierten die Wissenschaftler 4005 Urinproben mittels UFC (Sysmex UF-5000) und verglichen die Ergebnisse mit denen aus den angefertigten Kulturen. Anhand von Analysen der ROC-Kurven wurde die Übereinstimmung der Methode in verschiedenen Patientengruppen bewertet. Die prädiktiven Werte wurden für die Gesamtpopulation und die zehn verschiedenen Untergruppen bei unterschiedlichen Cut-off-Werten berechnet. Übertragungen und Kreuzkontaminationen wurden ebenfalls untersucht. Auf Grundlage ihrer Daten schlagen die Wissenschaftler um Erstautorin Vicky Sender einen Algorithmus vor, der die Bakterienanzahl aus der UFC nutzt, um Entscheidungen zur Urinkultur zu treffen.

Frühzeitige Erkennung gramnegativer Bakterien

Wird ein Cut-off-Wert von <30 BACT-Zellen/µl zur Unterstützung des Ausschlusses negativer Proben (AUC 0,921) herangezogen, könnte das die Anzahl an Kulturen um bis zu 32 Prozent reduzieren. Aufgrund der verminderten diagnostischen Leistungsfähigkeit in Untergruppenanalysen wurden schwangere Frauen und Kinder aus der Rule-out-Strategie ausgeschlossen.

Umgekehrt zeigte die UFC ebenso eine hohe Sensitivität und Spezifität bei der Identifizierung von Proben, die wahrscheinlich ein positives Kulturergebnis hatten, und ein Grenzwert von >4000 BACT-Zellen/µl wurde vorgeschlagen, um eine klinisch relevante Bakteriurie anzuzeigen (AUC 0,917). Schwangere Frauen wurden aufgrund der begrenzten Unterscheidungskraft in dieser Untergruppe von diesem Rule-in-Ansatz ausgeschlossen. Darüber hinaus sagte das BACT-Info-Flag „Gram Neg?“ in 61 Prozent der kulturpositiven Proben gramnegative Bakterien mit einer Übereinstimmung von 96 Prozent voraus.

Das Team aus Schweden präsentiert mit UFC nach eigenen Angaben ein nützliches Screening-Tool, das dabei helfen könnte, negative Proben auszusortieren und potenziell positive Proben effizienter zu identifizieren. Das könnte auch die unnötige Kultivierung vieler Proben reduzieren. Zusätzlich ermögliche das Verfahren eine frühzeitige Erkennung gramnegativer Infektionen und somit eine zeitnahe und gezielte Antibiotikatherapie, betonen die Autoren abschließend.

(mk)