Urologen sehen Weiterbildung in Gefahr

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Zum 130. Deutschen Ärztetag in Hannover warnt der Berufsverband der Deutschen Urologie (BvDU) vor Vernachlässigung der fachärztlichen Weiterbildung. Das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz verschärfe die Bedrohung durch strukturelle Veränderungen noch zusätzlich.

Politische Weichenstellungen zur Ambulantisierung wie die Ausweitung des Katalogs für ambulante Operationen (AOP-Katalog; § 115b SGB V), die Einführung der Hybrid-DRG sowie die Auswirkungen der Krankenhausreformgesetze haben das Ziel, zunehmend urologische Leistungen in den ambulanten Bereich zu verlagern. Der BvDU weist darauf hin, dass hier zum jetzigen Zeitpunkt nur ein geringerer Anteil der Weiterbildung stattfinden. Der Verband moniert in einer aktuellen Mitteilung, dass durch das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz drastische Vergütungskürzungen in der ambulanten und stationären Versorgung anstünden. Weiterhin fehlten bislang tragfähige Konzepte zur kostendeckenden und unabhängigen Sicherung der ärztlichen Weiterbildung – stationär wie ambulant.

Veränderung der Weiterbildung durch Ambulantisierung

„Die Ambulantisierung verändert aktuell die urologische Versorgung tiefgreifend. Weiterbildung darf dabei nicht zum blinden Fleck der Gesundheitspolitik werden“, erklärt Mira Faßbach, Schriftführerin des BvDU. „Wer Leistungen aus den Kliniken verlagert, muss gleichzeitig sicherstellen, dass die Weiterbildungskapazitäten erhalten bleiben.“ Zum einen gingen stationäre Weiterbildungskapazitäten zunehmend verloren, da die Krankenhausreform führt Leistungsgruppenzuweisungen zu Zentrenbildung und Standortschließungen führe. Zum anderen sei die ambulante Weiterbildung chronisch unterfinanziert und strukturell eingeschränkt. Einige Fach- und damit Weiterbildungsinhalte könnten zukünftig im Krankenhaus gar nicht mehr stattfinden oder seien bereits heute überwiegend im ambulanten Bereich verankert, kritisiert der Urologenverband. Strukturiertes Weiterbildungscurriculum (WECU) in der Urologie: Blaupause für intersektorale Weiterbildung

Ambulante Rotationen und Kooperationen zwischen Klinik und Praxis sind aus Sicht des Berufsverbands unverzichtbar geworden. Das gemeinsam von der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU), dem BvDU und der Assistenzarztorganisation German Society of Residents in Urology entwickelte Weiterbildungscurriculum WECU zeige bereits heute, dass moderne sektorenübergreifende Weiterbildung fachlich geboten ist. „Die Urologie liefert mit dem WECU-Curriculum bereits eine funktionierende Blaupause für intersektorale Weiterbildung“, so der Vorstand des BvDU. „Was fehlt, sind verlässliche politische und finanzielle Rahmenbedingungen.“

Strukturelles Ungleichgewicht

Aus Sicht des BvDU entsteht aktuell ein gefährliches strukturelles Ungleichgewicht: Die stationäre Weiterbildung verliert kontinuierlich Inhalte und Kapazitäten, während die ambulante Weiterbildung weder finanziell noch strukturell ausreichend ausgebaut wird.
Kritisch bewertet der Verband insbesondere die aktuellen Förderbedingungen nach § 75a SGB V. Die Zahl geförderter fachärztlicher Weiterbildungsstellen sei deutlich zu gering. Eine strukturelle Koordination und regelmäßige Evaluation sei im fachärztlichen Bereich nicht rechtlich bindend verankert oder finanziert. Zudem würden spezialisierte ambulante Strukturen vielfach nicht als förderfähige Weiterbildungsstätten anerkannt – obwohl dort besonders häufig zentrale Inhalte wie medikamentöse Tumortherapie oder operative Basiseingriffe vermittelt werden.

Hinzu kämen erhebliche wirtschaftliche Belastungen weiterbildender Praxen, betont der BvDU. Umfragen des BvDU und der DGU belegten, dass fehlende Finanzierung das größte Hemmnis für die Beschäftigung von Ärzten in Weiterbildung darstelle. Gesetzliche Eingriffe wie die Kürzung extrabudgetärer Vergütungen verschärfen nach Auffassung des Berufsverbandes die Situation zusätzlich. Ein weiteres Problem stellten bürokratische Hürden bei den Weiterbildungsbefugnissen und dem Aufbau von Weiterbildungsverbundstrukturen sowie der Vertragsgestaltung dar.

Weniger Nachwuchs, mehr Arbeit

Die Konsequenzen sind aus Sicht des Berufsverbands erheblich. Für Urologen drohten zunehmender Nachwuchsmangel und steigende Arbeitsbelastung. Für niedergelassene Kollegen ergäben sich zudem absehbar Probleme bei der Praxisnachfolge. Für Patienten bedeute ein Fehlen fachärztlich ambulanten Nachwuchses in der Folge längere Wartezeiten und eklatante Engpässe bei wohnortnaher Versorgung.

Der BvDU fordert vom Gesetzgeber und der ärztlichen Selbstverwaltung grundlegende Reformen der fachärztlichen Weiterbildung. Dazu gehören ein deutlicher Ausbau der ambulanten Weiterbildungskapazität, eine sektorgleiche und unabhängige Weiterbildungsförderung, Bürokratieabbau bei Förderzusagen und der Befugniserlangung sowie strukturelle Unterstützung für den Ausbau regionaler Weiterbildungsverbünde zwischen Kliniken, Praxen und MVZ.
„Die urologische Versorgung findet längst sektorenübergreifend statt – die Weiterbildung muss dieser Realität endlich folgen“, erklärt der BvDU-Vorstand. „Ohne entschlossene politische Maßnahmen drohen erhebliche Versorgungsengpässe und ein nachhaltiger Qualitätsverlust in der fachärztlichen Versorgung. Ambulantisierung und Weiterbildung gehen nur miteinander.“

(ms/BIERMANN)

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