USA: Änderung der Hepatitis-B-Impfempfehlung könnte Infektionen bei Kindern deutlich steigern

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In den USA wird derzeit über eine Lockerung der allgemeinen Impfempfehlung gegen das Hepatitis-B-Virus (HBV) bei Neugeborenen diskutiert. Eine Modellierungsstudie warnt nun vor den Folgen: Ein Wechsel von der universellen Impfung direkt nach der Geburt hin zu einer partizipativen Entscheidungsfindung („shared decision making“) könnte die Zahl chronischer HBV-Infektionen im Kindesalter um mehr als 80 Prozent erhöhen.

Die allgemeine Hepatitis-B-Impfung unmittelbar nach der Geburt gilt als Grundpfeiler zur Verhinderung vertikaler Übertragungen von der Mutter auf das Kind sowie früher horizontaler Ansteckungen. In den USA sehen neue Empfehlungen jedoch vor, die universelle HBV-Impfung bei der Geburt durch eine partizipative Entscheidungsfindung für Säuglinge zu ersetzen, deren Mütter negativ auf das Hepatitis-B-Oberflächenantigen getestet wurden.

Simulationsmodell für 3,6 Millionen Neugeborene

Um die langfristigen Auswirkungen dieser Strategiewechsel zu prognostizieren, erstellte ein Forscherteam ein Markov-Kohortenmodell. Die Wissenschaftler simulierten den Verlauf über einen Zeitraum von 20 Jahren für einen US-Geburtsjahrgang von etwa 3,6 Millionen Säuglingen. In der Analyse wurden empirische Daten zur mütterlichen HBV-Prävalenz (0,4 %), zur Sensitivität des Mütter-Screenings (99,5 %) sowie zur Vollständigkeit der Impfserie unter verschiedenen Strategien berücksichtigt: Während bei der universellen Geburtsdosis 91,1 Prozent der Kinder die Impfserie abschließen, sinkt dieser Wert bei einer verzögerten Impfung auf 87,1 Prozent und fällt bei der partizipativen Entscheidungsfindung auf lediglich 50,0 Prozent.

Deutlicher Anstieg chronischer Infektionen

Die Modellergebnisse der Basisanalyse zeigen signifikante Unterschiede zwischen den Strategien. Unter dem bestehenden Regime der universellen Impfung direkt nach der Geburt treten im untersuchten Geburtsjahrgang voraussichtlich 255 chronische HBV-Infektionen im Kindesalter auf. Bei einer Verschiebung des Impfbeginns auf den zweiten Lebensmonat stiege diese Zahl um 19 Prozent auf 303 Fälle. Eine Aufweichung im Sinne einer individuellen Entscheidungsfindung würde hingegen zu 467 chronischen Infektionen führen – ein Anstieg um 83 Prozent.

Zudem würde sich der Anteil junger Erwachsener ohne Impfschutz drastisch erhöhen. Nach 20 Jahren wären bei der partizipativen Entscheidungsfindung rund 1,8 Millionen Heranwachsende empfänglich für eine HBV-Infektion, verglichen mit etwa 232.000 bei der universellen Geburtsdosis. Damit träten jährlich zwischen 50 und 70 Prozent der jungen Erwachsenen ohne Immunschutz ins Erwachsenenalter ein.

In Sensitivitätsanalysen mit höherer mütterlicher Prävalenz (0,72 %) fielen die Infektionszahlen mit 1700 (verzögerte Impfung) bzw. 2192 Fällen (partizipative Entscheidung) noch deutlich höher aus. Die Studienautoren betonen daher, dass eine Abkehr von der universellen Geburtsdosis epidemiologisch nicht zu rechtfertigen sei, und plädieren nachdrücklich für die Beibehaltung der Empfehlung einer Impfung direkt nach der Geburt. (ej/BIERMANN)