Venöse Thrombosen bei Kindern: Wirkstoff Rivaroxaban auch langfristig wirksam und sicher27. Mai 2025 Antikoagulation im Kindesalter erfolgte bis vor Kurzem meist off-label. (Foto: © Brett – stock.adobe.com; generiert mit KI) Venöse Thromboembolien (VTE) stellen bei Kindern mit schweren Grunderkrankungen wie Herzfehlern oder Krebs eine bedrohliche Komplikation dar. Eine aktuelle Studie bestätigt nun den langfristigen Nutzen einer gezielt auf Kinder abgestimmten Antikoagulation mit dem Wirkstoff Rivaroxaban. Die Langzeitdaten, die das Forschungsteam um Christoph Male von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der MedUni Wien, Österreich, erhoben hat, liefern erstmals eine verlässliche Grundlage für die Beurteilung von längerfristiger Antikoagulation im Kindesalter. Sie stammen aus der fortgesetzten Behandlung in einer Kohorte von rund 500 Kindern und Jugendlichen aus der EINSTEIN-Jr-Studie, deren Ergebnisse zur Akutphase bereits 2020 publiziert wurden. Diese ebenfalls unter MedUni Wien-Leitung veröffentlichte Studie hatte gezeigt, dass der gerinnungshemmende Wirkstoff Rivaroxaban bei Kindern mit venösen Thromboembolien eine zumindest gleich gute Wirkung und Sicherheit wie die bis dahin eingesetzten Standardtherapien hat und darüber hinaus eine Reihe von Vorteilen für die jungen Patienten bietet. Die positiven Ergebnisse ebneten den Weg für die weltweite Zulassung von Rivaroxaban für Kinder im Jahr 2021. Untersuchungen zur längerfristigen Antikoagulation bei Kindern mit VTE und speziell mit Rivaroxaban haben bisher gefehlt – eine Lücke, die die nun publizierte Langzeitstudie schließt: Wie die Forschungsarbeit zeigt, besteht auch bei einer Langzeitbehandlung von bis zu einem Jahr nur ein geringes Risiko für ein erneutes Auftreten von VTE und für schwerwiegende Blutungen. Gezielt auf Kinder abgestimmt Während VTE bei Erwachsenen gut erforscht sind, lagen für Kinder lange kaum solide Daten vor. Die Behandlung mit Antikoagulanzien beruhte deshalb bis vor Kurzem auf der Off-Label-Anwendung von Arzneimitteln, die ursprünglich nur für Erwachsene entwickelt worden waren, wie etwa Heparin oder Vitamin-K-Antagonisten. Diese Medikamente haben einige Nachteile, die für Kinder besonders problematisch sind: Die Verabreichung erfolgt beispielsweise durch Injektion und es sind regelmäßige Blutkontrollen notwendig. Direkte orale Antikoagulanzien wie Rivaroxaban, die in der praktischen Anwendung einige Vorteile haben, wurden ursprünglich ebenfalls für Erwachsene entwickelt. In den vergangenen Jahren wurden sie jedoch gezielt auf Kinder abgestimmt und in klinischen Studien geprüft. „Unsere EINSTEIN-Jr-Studie und die jetzt vorliegende Langzeituntersuchung zeigen, dass Rivaroxaban bei Kindern nicht nur im akuten Behandlungszeitraum, sondern auch langfristig eine wirksame und sichere Option zur Vorbeugung erneuter Thrombosen darstellt – und damit erstmals eine wissenschaftlich fundierte, altersgerechte Alternative zu bisherigen Standardtherapien bietet“, erklärt Studienleiter Male. Die Bedeutung des Wirkstoffs in der Antikoagulation im Kindesalter wird auch in einem begleitenden Editorial in „The Lancet Haematology“ hervorgehoben.
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