Vom Frühstücker zum späten Esser

Im Wachstumsverlauf verlagern Kinder und Jugendliche ihre Energieaufnahme vom Morgen in den Abend. (Foto: © Martinan – Fotolia.com)

Kinder verlagern im Wachstumsverlauf ihre Energieaufnahme vom Morgen in den Abend. Bei Jugendlichen begünstigt eine Präferenz für eine abendliche Energieaufnahme zudem eine höhere Tagesenergiezufuhr. Das zeigt eine Studie von Wissenschaftlern aus Paderborn und Bonn.

Die Zahl der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen steigt. Auf der Suche nach den Ursachen haben Ernährungswissenschaftler aus Bonn und Paderborn die Ernährungsgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen untersucht.

„Bekannt ist auf jeden Fall, dass die Frage, wieviel Energie wir zu uns nehmen, nicht ausreicht. Auch die Tageszeit, zu der wir essen, spielt eine Rolle“, sagte Tanja Diederichs, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Ernährung, Konsum und Gesundheit der Universität Paderborn, und ergänzte: „Viele Stoffwechselprozesse unterliegen einem 24-Stunden-Rhythmus und sind nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit gleich aktiv.“ Der tägliche Zeitpunkt des Neustarts des 24-Stunden-Rhythmus, das heißt der Chronotyp, sei zudem individuell verschieden und verschiebe sich im Laufe des Heranwachsens deutlich nach hinten.

Als Grundlage dienten die Daten von 262 Probanden der an der Universität Bonn durchgeführten DONALD-Studie, die in einer Kooperation zwischen den Universitäten Bonn und Paderborn ausgewertet wurden. Die Analyse von Wiegeprotokollen zeigt, dass Kinder im Wachstumsverlauf ihre Energieaufnahme vom Morgen in den Abend verlagern. Bei Jugendlichen (ab 11 bzw. 12 Jahren) – nicht aber Kindern – begünstige eine Präferenz für eine abendliche Energieaufnahme zudem eine höhere Tagesenergiezufuhr, berichtete Diederichs.

Ob eine ausgeprägte Präferenz für eine abendliche Energiezufuhr bei Jugendlichen auch zu einem höheren Körpergewicht führt, müssen weitere Studien zeigen. „Zur Vermeidung einer hohen Energiezufuhr am Abend ein reichhaltiges Frühstück zu empfehlen, kann jedoch aus den Ergebnissen nicht abgeleitet werden“ sagte Dr. Ute Alexy von der Universität Bonn.

Jugendliche seien mit dem Problem konfrontiert, dass die frühe Schulstartzeit nicht ihrem physiologisch späteren Chronotyp entspricht, so Alexy weiter. „Falls sich die Ergebnisse durch andere Studien bestätigen lassen, müssen wir eher über die Anpassung des Mahlzeitenangebotes in Schulen nachdenken, das den Jugendlichen auch Zeit für ein zweites beziehungsweise späteres Frühstück in einer Cafeteria oder Mensa einräumt“, schlussfolgerte die Initiatorin der Analyse Prof. Anette Buyken von der Universität Paderborn.

Originalpublikation:
Diederichs T et al.: In adolescence a higher ‘eveningness in energy intake’ is associated with higher total daily energy intake. Appetite, 26. Mai 2018