Waldaufenthalt reduziert Stress in nur 20 Minuten3. Juni 2025 Ein kurzer Aufenthalt im Wald ist eine für alle erschwingliche Maßnahme zur Stressreduktion. (Foto: © Juan – stock.adobe.com) Der Kontakt mit naturnahen Waldlandschaften wirkt sich nachweislich positiv auf die psychische Gesundheit und das Stressniveau aus – und das bereits nach kurzer Zeit. Schon 20 Minuten genügen, um messbare Entspannungseffekte zu erzielen. Das zeigt eine experimentelle Feldstudie der Medizinischen Universität Wien. In der Wiener Studie wurden 66 gesunde Erwachsene zufällig zwei Gruppen zugeteilt: Die eine Gruppe verbrachte 20 Minuten in einem Waldgebiet mit variierender Baumartenvielfalt im Wienerwald, die andere in einer städtischen Umgebung ohne Begrünung. Vor und nach dem Aufenthalt wurden Speichelproben zur Bestimmung des physiologischen Stressmarkers Cortisol entnommen. Parallel dazu erfolgte eine psychologische Erhebung mittels standardisierter, validierter psychometrischer Instrumente, darunter die Skala zur Erfassung von positivem und negativem Affekt. Die statistische Auswertung der erhobenen Daten zeigte, dass die Waldgruppe eine signifikante Reduktion des Cortisolspiegels von etwa 4 auf 2 ng/ml aufwies, während die Stadtgruppe keinen solchen Effekt zeigte. In der Waldgruppe blieb die positive Stimmung stabil, während sie in der Stadtgruppe um etwa 25 Prozent abnahm. Gleichzeitig sank der negative Affekt im Wald um etwa zwölf Prozent, was auf eine spürbare Entlastung von belastenden Emotionen hinweist. In der städtischen Gruppe blieb die Stimmung dagegen weitgehend unverändert. „Die Ergebnisse zeigen eindeutig, dass bereits ein kurzer Aufenthalt im Wald die Stimmung verbessert“, erklärt Daniela Haluza von der Abteilung für Umwelthygiene und Umweltmedizin am Zentrum für Public Health der MedUni Wien. „Unser Studie im Wienerwald bestätigt, dass naturnahe Waldlandschaften einen messbaren Beitrag zur Stressreduktion und zum psychischen Wohlbefinden leisten können.“ Impulse für Gesundheitswesen und Stadtentwicklung Angesichts zunehmender psychischer Belastungen, insbesondere in städtischen Räumen, könnten diese Erkenntnisse neue Impulse für Prävention und Gesundheitsvorsorge liefern – etwa durch die stärkere Integration naturbasierter Elemente in der Stadtplanung oder gezielte Empfehlungen für stressbelastete Bevölkerungsgruppen. „Wir plädieren dafür, das präventive Potenzial von Naturkontakten stärker in die öffentliche Gesundheitsversorgung einzubinden – sei es durch therapeutisch begleitete Waldaufenthalte oder durch gesundheitsbezogene Aufklärung“, betont Umweltmedizinerin Haluza. Zudem betont das Forschungsteam die Bedeutung von wohnortnahen, frei zugänglichen Erholungsräumen als Baustein für soziale Chancengerechtigkeit. Nicht alle Menschen haben die Möglichkeit zu regelmäßigen Ausflügen in die Berge oder aufwendigen Urlaubsreisen – aber ein kurzer Waldspaziergang ist für viele machbar. Dass bereits ein Kurzaufenthalt entspannt, ist eine wichtige Botschaft für Prävention und Gesundheitsförderung. Weitere Studien geplant In weiteren Studien soll untersucht werden, welche Effekte längere Aufenthalte, unterschiedliche Waldtypen und saisonale Veränderungen auf das psychische Wohlbefinden haben. Auch multisensorische Naturerfahrungen – etwa Walddüfte oder Vogelstimmen – rücken zunehmend in den Fokus. Die Studie wurde vom Österreichischen Klima- und Energiefonds sowie vom FWF – Wissenschaftsfonds Österreich unterstützt und von der Medizinischen Universität Wien in Kooperation mit Partnerinstitutionen durchgeführt.
Mehr erfahren zu: "Potenzial statt Defizit: die synergetische Verbindung von ADHS und Kreativität" Potenzial statt Defizit: die synergetische Verbindung von ADHS und Kreativität Wie kann ADHS gleichzeitig eine tägliche Herausforderung für Millionen von Menschen und ein gemeinsames Merkmal erfolgreicher Künstler und Innovatoren wie Justin Timberlake oder Simone Biles sein? Die gemeinsamen neurologischen Mechanismen […]
Mehr erfahren zu: "Wie sich das zentrale Nervennetzwerk im Hippocampus entwickelt" Wie sich das zentrale Nervennetzwerk im Hippocampus entwickelt Die neueste Studie der Gruppe rund um Prof. Peter Jonas am Institute of Science and Technology Austria (ISTA) zeigt, wie sich das zentrale Nervennetzwerk im Hippocampus nach der Geburt entwickelt.
Mehr erfahren zu: "Krankheit durch Übergewicht: Neues Modell sagt Risiko besser vorher als BMI" Krankheit durch Übergewicht: Neues Modell sagt Risiko besser vorher als BMI Ein internationales Forschungsteam hat ein Modell entwickelt, das auf der Basis von 20 Gesundheitswerten das Risiko für 18 verschiedene Komplikationen von Übergewicht und Adipositas vorhersagen kann – und zwar besser […]