Wann Menschen mit Diabetes von Supplementen profitieren können

Nahrungsergänzungsmittel sind gefragt. Expertinnen des VDBD zufolge sind Supplements aber nur bei einem Nährstoffmangel sinnvoll. Symbolbild: Serhii/stock.adobe.com

Nahrungsergänzungsmittel sind gefragt – besonders im Internet und auf Social Media. Doch viele Präparate sind überflüssig, einige sogar riskant. Expertinnen des Verbands der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) erklären, wann Supplemente helfen können und worauf vor allem Menschen mit Diabetes achten sollten.

Da sie rechtlich als Lebensmittel gelten, werden Nahrungsergänzungsmittel (NEM) nicht wie Arzneimittel auf Wirksamkeit geprüft. „Viele nehmen Nahrungsergänzungsmittel in der Hoffnung, ihrem Körper etwas Gutes zu tun. Doch ohne nachgewiesenen Mangel sind viele Präparate überflüssig – und eine zu hohe Dosierung kann sogar manchmal schaden“, warnt Theresia Schoppe, stellvertretende Vorsitzende des VDBD.

Schwangere, Ältere, Menschen, die sich vegan ernähren, sowie Personen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus haben jedoch ein erhöhtes Risiko für einen möglichen Nährstoffmangel und sollten daher bewusst auf ihre Nährstoffversorgung achten. Für sie kann es sinnvoll sein, entsprechende Präparate einzunehmen.

Auch bestimmte Medikamente können die Aufnahme essenzieller Vitamine und Mineralstoffe durch die Nahrung beeinträchtigen. „Ein klassisches Beispiel ist Vitamin B12. Das häufig zur Behandlung von Typ-2-Diabetes eingesetzte Metformin kann dessen Aufnahme im Körper verringern. Ein langfristiger Mangel dieses Vitamins, aber auch eine Folsäure-Unterversorgung, können zu Nervenstörungen führen, die sich durch Kribbeln oder Taubheitsgefühle äußern“, erklärt Kathrin Boehm, Vorsitzende des VDBD. Besonders Menschen mit Diabetes, die Metformin einnehmen, sollten deshalb regelmäßig ihren Vitamin-B12-Spiegel überprüfen lassen.

Vitamin D, Magnesium & Co.: Nur bei Mangel notwendig

Studien zeigen, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes oft einen niedrigeren Vitamin-D-Spiegel haben. „Vitamin D ist wichtig für die Insulinproduktion und -sensitivität. Doch einfach zusätzlich Tabletten zu schlucken, bringt nichts, wenn kein tatsächlicher Mangel vorliegt“, sagt Schoppe. Es könne sogar schädlich sein: „Bei einem nicht wasserlöslichen Vitamin wie Vitamin D kann der Körper den Überschuss nicht abbauen – mit der Folge, dass es bei einer dauerhaften Überdosierung zu Entkalkung der Knochen sowie zu schädlichen Kalziumeinlagerungen in Gefäßen und Organen kommen kann.“

Ähnlich verhält es sich mit Magnesium: Es unterstützt die Insulinausschüttung und den Energiestoffwechsel, aber wer sich ausgewogen ernährt, ist in der Regel gut versorgt. Eine Überdosierung kann dagegen Durchfall verursachen. Auch Zink und Chrom sind an der Insulinwirkung beteiligt. Da sie aber in vielen Lebensmitteln vorkommen, ist ein Mangel selten.

Vitamin C & Omega-3-Fettsäuren: Gut für Herz und Gefäße

Vitamin C ist ein wichtiges antioxidatives Vitamin, das auch die Gefäße schützt – bei Diabetes besonders wichtig, da Gefäßschädigungen die Folge sein können. Allerdings konnten Studien einen schützenden Effekt noch nicht eindeutig belegen. Zudem ist ein Vitamin-C-Mangel in industrialisierten Ländern höchst selten und der Bedarf lässt sich einfach mit der Ernährung decken. Aber: die Supplementierung ist risikoarm. „Sollte Vitamin C in größerer Menge aufgenommen werden, kann der Überschuss über den Urin ausgeschieden werden“, erklärt Schoppe.

Omega-3-Fettsäuren wirken entzündungshemmend und können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken, das bei Menschen mit Diabetes besonders hoch ist. „Wer regelmäßig fettreichen Fisch isst, ist gut versorgt. Wer das nicht tut, kann auf hochwertige Omega-3-Präparate aus Fisch- oder Algenöl zurückgreifen – Menschen mit Diabetes profitieren hier besonders“, empfiehlt Schoppe.

Vorsicht bei Social Media und Selbsttests

Auf Social Media und im Internet werden zahlreiche NEM angepriesen, die angeblich den Stoffwechsel optimieren oder den Blutzucker regulieren – teils auch namentlich als „Blutzucker-Regulatoren“ beworben. Insbesondere Menschen mit Diabetes werden dabei gezielt mit vermeintlichen Gesundheitsprodukten angesprochen (wir berichteten), darunter auch NEM mit unrealistischen Heilversprechen. Hinter solchen Angeboten stehen häufig unseriöse Anbieter, die mit gefälschten Empfehlungen oder irreführender Werbung arbeiten.

„Die Wirksamkeit vieler dieser Präparate ist wissenschaftlich nicht belegt – und manche sind sogar in einzelnen Bestandteilen überdosiert oder enthalten problematische Zusatzstoffe“, warnt Boehm. Viele Produkte sind zudem hochpreisig und werden gezielt im Abo-Modell vertrieben – ein weiteres Warnsignal für unseriöse Angebote. Doch gerade Menschen mit chronischen Erkrankungen seien für solche Angebote besonders anfällig, ergänzt Schoppe. „Umso wichtiger ist es, Informationen kritisch zu prüfen und sich nicht von vermeintlich einfachen Lösungen täuschen zu lassen.“

Auch Selbsttests zur Nährstoffbestimmung seien mit Vorsicht zu genießen: „Ein einzelner Laborwert sagt wenig aus, wenn er nicht im Gesamtbild betrachtet wird. Eine fachkundige Beratung ist hier unerlässlich“, resümiert Boehm.

Ernährung und Bewegung bleiben der Schlüssel

Statt blind auf Nahrungsergänzungsmittel zu setzen, sollte jeder die Ernährung und Lebensweise in den Fokus rücken, vor allem Menschen mit Diabetes, rät Schoppe. „Eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und ein stabiles Gewicht bringen mehr für den Blutzucker und die Gesundheit als jede Pille“, so Schoppe.

Boehm ergänzt: „Wer sich unsicher ist, ob ein Nährstoffmangel vorliegt, sollte sich ärztlich beraten lassen, um einen Mangel gezielt auszugleichen. Es ist davon abzuraten, einen Blumenstrauß an Vitaminen und Mineralstoffen zu sich nehmen. Diese sind meist kostspielig und haben darüber hinaus in den meisten Fällen keinen gesundheitlichen Nutzen.“

NEM seien keine Ersatztherapie – sie können eine ausgewogene Ernährung und eine leitliniengerechte Behandlung nicht ersetzen, betont der VDBD abschließend. Der Verband empfiehlt, sich von Fachkräften beraten zu lassen, entweder in einer spezialisierten Diabetespraxis oder durch eine qualifizierte Ernährungsberatung.