Was bewirken Antihistaminika bei Atopischer Dermatitis?24. August 2026 Symbolbild: © Soni’s – stock.adobe.com Orale Antihistaminika haben bei Atopischer Dermatitis nur einen begrenzten Nutzen. Ältere Wirkstoffe der ersten Generation können zudem kognitive Beeinträchtigungen verursachen. Orale Antihistaminika gehören weltweit zur Standardausstattung vieler Haushalte. Sie werden auch angewendet, um Juckreiz und durch Ekzeme bedingte Schlafstörungen zu lindern. Wegen der unzureichenden Evidenz unterscheiden sich jedoch klinische Praxis und Leitlinien darin, ob ein potenzieller Nutzen empfohlen oder von der Anwendung abgeraten wird. Wie eine Arbeitsgruppe aus Kanada und den USA im „British Medical Journal“ dargelegt hat, verbessern Antihistaminika die wichtigsten Endpunkte zur Kontrolle des Ekzems jedoch nicht in relevantem Maße. Darüber hinaus könnten sie das Risiko kognitiver Beeinträchtigungen erhöhen. Zu diesem Ergebnis gelangten sie im Rahmen einer systematischen Übersichtsarbeit mit 47 randomisierten Studien. Darin waren 6230 Kinder und Erwachsene mit überwiegend moderater bis schwerer Atopischer Dermatitis eingeschlossen. Abwägung von Nutzen und Schaden „Die Versorgung des Ekzems konzentriert sich zunehmend auf die Kontrolle kutaner und immunologischer Entzündung durch eine Basistherapie mit Feuchtigkeitspräparaten, topische antientzündliche Behandlungen sowie systemische Therapien wie Phototherapie, Biologika und orale Januskinase-Inhibitoren. Daher ist es wichtig zu wissen, ob Antihistaminika einen relevanten Zusatznutzen bieten oder überwiegend die Therapielast und das Schadenspotenzial erhöhen“, erklärt Seniorautor Dr. Derek Chu, außerordentlicher Professor am Department of Medicine der McMaster University, Canada Research Chair in Allergy. Die Übersichtsarbeit untersuchte zwei Arzneimittelgruppen: moderne Antihistaminika der zweiten Generation sowie ältere Antihistaminika der ersten Generation. Antihistaminika der zweiten Generation führten zu geringfügigen Veränderungen des Schweregrads der Atopischen Dermatitis und des Juckreizes. Die beobachtete Linderung blieb jedoch unterhalb der Schwelle, die Patienten und Behandler als relevante Verbesserung bewerten würden. Unterschiede zwischen der ersten und zweiten Generation Antihistaminika der ersten Generation brachten keine erkennbaren Verbesserungen. Diese älteren Arzneimittel erhöhen jedoch wahrscheinlich das Risiko kognitiver Beeinträchtigungen, wobei sich die kognitiven Effekte zwischen den einzelnen Wirkstoffen unterschieden. Zunehmend wird erkannt, dass solche Beeinträchtigungen noch an den auf die Einnahme folgenden Tagen fortbestehen können. Bei den neueren Antihistaminika der zweiten Generation waren kognitive Effekte deutlich geringer und substanzabhängig unterschiedlich ausgeprägt. „Die Ergebnisse sprechen dafür, von einer routinemäßigen Anwendung von Antihistaminika bei Atopischer Dermatitis abzurücken und Therapien den Vorrang zu geben, die wirksamer sind, mit geringerer Wahrscheinlichkeit Schäden verursachen und die Ekzementzündung mit größerer Sicherheit kontrollieren. Dies kann zudem dazu beitragen, die Kontrolle des Ekzems möglichst einfach und übersichtlich zu gestalten, indem sich Patienten auf Behandlungen mit hohem Nutzen konzentrieren“, so Chu. Die Forschenden betonen, dass orale Antihistaminika weiterhin einen Stellenwert in der Behandlung allergischer Erkrankungen wie Allergischer Rhinitis, saisonaler Allergien und Urtikaria haben. (ins)
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