Was die chirurgische Komplikation vom Behandlungsfehler unterscheidet10. Februar 2020 Thomas A. Schildhauer (l., Bergmannsheil Bochum) mit Bertil Bouillon (Kliniken Köln), Foto: Bergmannsheil Seit 33 Jahren gibt es den “Bochum Treff” an der Chirurgischen Klinik des BG Universitätsklinikums Bergmannsheil. Zum zweitägigen Fachaustausch trafen sich Ende Januar Chirurgen, um über Herausforderungen der Komplikations- und Revisionschirurgie zu diskutieren. Nach Angaben des Klinikums nahmen über 120 Experten – darunter fast 30 Referenten und führende Meinungsbildner der chirurgischen Fachgesellschaften – an der zweitägigen Veranstaltung teil. Diese bot neben dem wissenschaftlichen Hauptprogramm Workshops zu den Themen Endoprothetik und Instrumentation, eine Industrieausstellung sowie Gelegenheit zum persönlichen Austausch. Wenn Behandlungsstandards und Lehrbuchwissen nicht mehr reichen „Komplikationen und schlechte Heilungsverläufe sind zum Glück nicht alltäglich, sie können aber zum Beispiel bei komplizierten Brüchen oder Folgeproblemen erhebliche Herausforderungen an den behandelnden Chirurgen stellen“, erklärt Prof. Thomas A. Schildhauer, Wissenschaftlicher Leiter des „Bochum Treffs“. „Umso wichtiger ist es, sich im Kollegenkreis über praktische Lösungsmöglichkeiten auszutauschen und natürlich gegenseitig von der individuellen Erfahrung zu profitieren – denn komplexe Behandlungssituationen erfordern eine Herangehensweise, die oft von üblichen Standards und vom Lehrbuchwissen abweicht.“ Offen und transparent berichteten die Referenten von eigenen Erfahrungen und diskutierten über die notwendige Abgrenzung der Begriffe Komplikation und Behandlungsfehler. Denn nicht jede Komplikation sei auf einen Behandlungsfehler zurückzuführen, sondern könne Folge einer besonders anspruchsvollen und ungewöhnlichen Behandlungssituation sein. Genaueste OP-Planung mit Checklisten und Vier-Augen-Prinzip Je besser die Planung im Vorfeld der OP, je besser der Operateur schon vorbeugend mögliche Risikoszenarien antizipiert, desto besser ließen sich problematische OP- und Behandlungsverläufe vermeiden, lautet ein Fazit des „Bochum Treffs“. Standardisierte Checklisten, das Vier-Augen-Prinzip in der OP-Vorbereitung, die genaue Planung von Material, Implantaten, Zugangswegen und Abläufen, aber auch die stetig verbesserten Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie würden dem Chirurgen wichtige Hilfestellungen leisten, so Dr. Jan Geßmann, Leitender Oberarzt der Chirurgischen Klinik Bergmannsheil: „Mit modernster intraoperativer Bilddiagnostik können wir den Behandlungserfolg im OP in Echtzeit überprüfen, dazu geben uns hochinnovative minimalinvasive OP-Techniken immer bessere und genauere Therapiemöglichkeiten. Sowohl technische als auch organisatorische Verbesserungen sind wesentlich, das Risiko für mögliche Komplikationen so gering wie möglich zu halten.“ Anhand verschiedener Fallsituationen zeigten die Referenten beim „Bochum Treff“ typische oder unerwartete Komplikationen auf und diskutierten Lösungsmöglichkeiten.Im Vordergrund standen Gliedmaßen und die großen Gelenke, wie Knie und Sprunggelenk, Schulter und Ellenbogen sowie das Handgelenk. Leitendes Motiv war die Frage, wann und unter welchen Bedingungen ein Revisionseingriff erfolgen sollte, und wann nicht. Ein besonderer Schwerpunkt widmete sich dem Thema Infektionen bei Osteosynthesen. In praktischen Workshops konnten Teilnehmer außerdem verschiedene Techniken in der Frakturversorgung älterer Patienten erproben und Revisionsverfahren in der Knieendoprothetik trainieren. „Bochum Treff“ in neuen Räumen „In diesem Jahr konnten wir unseren Bochum Treff erstmals im rundum erneuerten Bergmannsheil und in unseren neuen Veranstaltungsräumen durchführen“, so Schildhauer. „Wir freuen uns über die sehr gute Resonanz und fühlen uns in besonderer Weise geehrt, dass mit Prof. Dr. Michael Raschke und Prof. Dr. Dieter Wirtz gleich zwei unserer Präsidenten ihre Teilnahme ermöglicht haben.“ Raschke (Münster) ist Präsident der DGU, Wirtz (Bonn) Präsident der DGOOC und DGOU.
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