Was ist eigentlich das Physikum?25. September 2026 Symbolbild © FryArt/stock.adobe.com Eine Kolumne von Fine Lammert. DAS PHYSIKUM. Wahrscheinlich die gefürchtetste Prüfung im ganzen Medizinstudium – auf die man während der gesamten Vorklinik hinarbeitet. Kaum im vierten Semester (und die Zeit bis dahin verging wirklich wie im Flug), hört man fast nichts anderes mehr. Welchen Physikums-Lernplan machst du? Wann fängst du an für das Physikum zu lernen? Welche Unterlagen brauchen wir alles für den Physikums-Antrag? Physikum hier, Physikum dort. So viel, dass es einem schnell zum Hals heraushing und auch die Angst immer größer wurde, obwohl das „Schlimmste“ ja eigentlich noch bevorstand. Aber gerade weil ständig darüber gesprochen wurde, wuchs das Physikum zu etwas immer Größerem heran. Es war allgegenwärtig, schwebte permanent über allem, und doch wusste niemand so richtig, was einen am Ende tatsächlich erwarten würde. Diese Mischung aus Dauerpräsenz und Ungewissheit machte es so bedrohlich: eine Prüfung, die als die große, gefürchtete Hürde des Medizinstudiums galt, über die alle redeten, die aber kaum jemand konkret beschreiben konnte. Ich versuche dabei jetzt mal ein bisschen Licht ins Dunkle zu bringen. Das Physikum ist das erste Staatsexamen des Medizinstudiums und wird nach dem vierten Semester geschrieben. Um daran teilnehmen zu können, muss man einen Antrag beim Landesprüfungsamt stellen, was auf deren Website auch alles erklärt ist. An der Universität Münster wurden wir zusätzlich sehr gut organisatorisch begleitet: Wir haben alle Informationen auch nochmal mehrfach per E-Mail bekommen. Das Physikum besteht aus zwei schriftlichen Prüfungen, die an zwei Tagen hintereinander absolviert werden, sowie einer mündlichen Prüfung. Am ersten schriftlichen Prüfungstag werden die Fächer Physik, Chemie, Biochemie und Physiologie geprüft. Am zweiten Tag sind es Psychologie, Soziologie, Biologie und Anatomie. Pro Tag handelt es sich um 160 Multiple-Choice-Fragen, die in vier Stunden beantwortet werden müssen; das heißt, man hat circa anderthalb Minuten pro Frage Zeit. Am ersten Prüfungstag war dies für mich ein wenig eng berechnet, da man zum Teil auch rechnen musste und ich natürlich das eine oder andere Mal auch eine Weile über die Frage nachdenken musste. Grundsätzlich ist die Zeit aber ein eher geringes Problem. Dieses Prinzip mit den Multiple-Choice-Fragen kannte ich so auch schon aus allen anderen Klausuren, die ich bisher im Medizinstudium geschrieben habe. Diese hatte ich aber immer am Computer geschrieben, während man nun ein ganzes Aufgabenheft und einen einzelnen Lösungsbogen hatte, auf den man seine Kreuzchen setzen musste. Während die Termine für das schriftliche Physikum schon lange im Voraus veröffentlicht werden, erhält man seinen Termin für die mündliche Prüfung und seine Prüfer erst ein paar Wochen vorher in einem Brief vom Landesprüfungsamt. Meist ist der Termin in den zwei Wochen nach dem schriftlichen Teil, wobei sich das von Uni zu Uni auch nochmal unterscheidet.. Im mündlichen Physikum wird man dann nur noch in den drei großen Fächern Biochemie, Physiologie und Anatomie geprüft. Pro Fach ist ein Prüfer in der Prüfungskommission (für jeweils vier Prüflinge) anwesend, einer davon hat zusätzlich den Prüfungsvorsitz inne. Wie das Ganze dann konkret abläuft, habe ich in meiner eigenen Prüfung so erlebt: Es beginnt mit der sogenannten vorterminlichen Aufgabe, also einer halbstündigen schriftlichen Aufgabe, die von einem der drei Fächer gestellt wird. Hier gilt es beispielsweise zwei Abbildungen zu beschriften, meistens handelt es sich dabei um sehr dankbare Aufgaben, und auch wenn man sie nicht perfekt bearbeiten kann, ist das nicht weiter tragisch. Anschließend findet man sich in seiner Prüfungsgruppe zusammen. In meiner Prüfung waren wir zu viert. Es werden nochmal alle Personalien und Unterlagen überprüft, um auch allen Formalitäten gerecht zu werden. Außerdem wird die Reihenfolge erfragt, in der die Studierenden geprüft werden wollen. Dies konnten wir uns im Vorhinein überlegen. Richtig los geht es dann erst mit der Anatomieprüfung, welche im Präpariersaal stattfindet. Als Erstes setzt man sich vor das Mikroskop und bekommt ein Präparat vorgelegt. Hier ist es wichtig, alle erkennbaren Strukturen zu benennen und zu beschreiben sowie eine Organdiagnose zu stellen – was durchaus knifflig sein kann. Bei uns in Münster ist es aber so, dass wir Präparatkästen mit 100 Präparaten haben, die man sich auch bei der Vorbereitung in den Wochen vorher alle schon anschauen konnte. So war also auch das Mikroskopieren, vor dem ich früher mal Bedenken hatte (da wir im Histologie-Kurs viel am Computer gearbeitet haben) letztlich auch gar kein Problem – meine Sorge also unbegründet. Wenn ein Drittel der zwanzig Minuten, die ein Prüfling pro Fach Zeit hat, vorbei ist, geht man über zur Makroskopie – also zu einer Körperspende, an der noch zwei weitere Themen geprüft werden. Dabei kann wirklich alles – vom aktiven Bewegungsapparat über Situs bis hin zum zentralen Nervensystem – drankommen. Wenn alle Prüflinge in Anatomie fertig sind, geht es in einen Seminarraum, um mit den beiden weiteren Fächern fortzufahren. Wir durften uns hier sogar aussuchen, welches wir als erstes haben wollen. In meiner Prüfung haben wir mit Biochemie gestartet. Mein Prüfer hat vier Themenbereiche abgefragt, die alles abdecken sollten – von Strukturen über Stoffwechselwege inklusive deren Regulation und Methoden aus dem Praktikum bis hin zu Verknüpfungen mit anderen Fächern. In Physiologie wurde jeder von uns zu einem Thema aus der Neurophysiologie und einem aus der vegetativen Physiologie geprüft. Das ist aber nur ein Beispiel, wie es ablaufen kann, denn diese Aufteilung ist wirklich bei jedem Prüfer unterschiedlich. Von Freunden habe ich mitbekommen, dass ihre Prüfer ganz anders daran gegangen sind und die Prüfung anders strukturiert war. Hier zeigen sich bereits deutliche Unterschiede. Schließlich unterscheiden sich je nach Prüfer nicht nur die Art der Prüfung, sondern auch die Inhalte. Mal wird bei dem einen Thema mehr in die Tiefe gegangen, mal bei einem anderen, mal wird alles recht oberflächlich abgefragt oder der Prüfer will ganz viele Details hören. Im Gegensatz zu der schriftlichen Prüfung, die ja zentral bundesweit gleich ist, können bei der mündlichen Prüfung enorme Unterschiede entstehen. Ähnlich wie man es ja auch schon vom Abitur kennt. Damit muss man sich einfach abfinden. Wenn alle durch sind, setzen sich die Prüfer zusammen und beratschlagen sich für die Notengebung. Die Entscheidung kriegt man dann direkt im Anschluss mitgeteilt. Man kann nur ganze Noten bekommen, also Sehr gut (1), Gut (2), etc. und erhält auch nur eine Gesamtnote für alle Fächer. Damit hat man das Physikum dann auch schon hinter sich gebracht und es heißt warten (und hoffen), bis der Brief mit den Ergebnissen des schriftlichen Physikums kommt. Was das Physikum und die Vorbereitung aber wirklich mit einem macht und wie überhaupt die ganze Vorbereitungszeit bei mir ausgesehen hat, erfahrt ihr in meinem nächsten Text. Fine Lammert studiert seit dem Sommersemester 2024 an der Universität Münster Humanmedizin. Die gebürtige Düsseldorferin begeistert sich vor allem für die Kindermedizin, liebt aber die vielseitigen Erfahrungen aus dem Studium, so zum Beispiel die Präparation, und ist daher noch für alle Fachrichtungen offen. Ihre (tatsächlich wenige) freie Zeit verbringt sie am liebsten mit ihren Freunden an der frischen Luft, am See oder in Cafés.
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