Weinen vermutlich ohne schmerzlindernden Effekt7. November 2022 © pololia – stock.adobe.com (Symbolbild) Während frühere Studien positive Auswirkungen von Gefühlsäußerungen wie Fluchen und Lachen auf akute Schmerzen aufgezeigt haben, fehlt es weitgehend an systematischen Untersuchungen, die diesen Zusammenhang in Bezug auf Weinen bestätigen. Bislang war man allgemein von einer positiven Wirkung des Weinens bei Schmerzen ausgegangen. Der Grundgedanke einer neuen Studie war, dass entweder eine bloße emotionale Ablenkung oder Veränderungen des Oxytocin- und Opioidspiegels einen Mechanismus darstellen, durch den Weinen den Schmerz moduliert, wobei der Zeitpunkt der Stimmungsänderung entscheidend für die Differenzierung der Mechanismen ist. Daher führten die Forscher um Asmir Gračanin von der University of Rijeka (Kroatien) 2 Experimente durch, an denen je 57 und 70 Probanden teilnahmen. Im Rahmen des 1. Experimentes wurde bei den Teilnehmern mittels Elektroschocks bzw. Kaltwassertest ein Schmerzreiz ausgelöst bevor und unmittelbar nachdem sie einen traurigen Film angeschaut hatten. Die Forscher maßen sowohl die Stimmung der Probanden als auch abhängige Variablen wie Schmerzschwelle, -toleranz und -intensität. Im 2. Experiment wurden diese Testreihen zusätzlich nach 20 und 50 min wiederholt, um die mögliche Rolle neurobiologischer Substanzen und der Ablenkung zu untersuchen. Der traurige Film löste Weinen bei 28 (49,1%) bzw. 49 (70%) Teilnehmern in Experiment 1 und 2 aus. Im Vergleich zu Personen, die durch den Film nicht zu weinen begannen, führte das Weinen zu keinen systematischen Unterschieden in den Schmerz- und Stimmungsänderungen. Zudem konnten die Forscher keine systematische Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen Weinen und Schmerzreaktionen und Stimmung feststellen. Die einzigen signifikanten Effekte liefen den Hypothesen der Forscher zuwider und zeigten im Gegenteil sogar nachteilige Auswirkungen des Weinens (Studie 1) und der Häufigkeit des Weinens (beide Studien) auf die Schmerzschwelle. Fazit Weinen hat vermutlich keinen schmerzlindernden Effekt – weder durch Ablenkung noch durch direkte biologische Mechanismen. So lautet das Fazit der kroatisch-niederländischen Studiengruppe, die sich dem Thema anhand zweier Experimente widmete. (ah) Autoren: Gračanin A et al. Korrespondenz: Asmir Gračanin; [email protected] Studie: Crying does not alleviate acute pain perception: Evidence from an experimental study Quelle: Eur J Pain 2022;26(6):1380–1394. Web: https://doi.org/10.1002/ejp.1970
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