Welche Betreuung erhalten minderjährige unbegleitete Flüchtlinge?30. November 2018 Foto: © ruslanshug – Fotolia.com Projekt der Universitätsmedizin Halle (Saale) untersucht Zugang zu psychosozialer Versorgung von unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten. In Deutschland haben in den Jahren 2016 und 2017 etwa 45.000 unbegleitete minderjährige Geflüchtete einen Asylantrag gestellt. Die Gruppe der sogenannten „unaccompanied minor refugees (UMRs)“ gilt Studien zufolge als besonders risikobelastet für traumatische Erfahrungen aufgrund des Erlebten. Gleichzeitig spielt das Alter eine besondere Rolle. Denn es sind Kindheit und Pubertät und damit besondere Lebensphasen, in denen die Geflüchteten stecken und die sie zusätzlich zum Erlebten allein bewältigen müssen. Die eigene Familie kann nicht helfen, der fehlende Schutz befördert posttraumatische Belastungsstörungen, Depressionen, Ängste und mitunter auch Substanzkonsum. Hier setzt ein neues Projekt der Medizinsoziologen Hanna-Sophie Ulrich und Dr. Martin Mlinarić der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und dem Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Daniel Clauß von der Universitätsklinik und Poliklinik für Pädiatrie I des Universitätsklinikums Halle (Saale) an, das aus dem fakultätseigenen Wilhelm-Roux-Programm gefördert wird und noch bis Herbst 2021 läuft. „Unser UMR-Projekt mit dem Titel „Healthcare needs among unaccompanied minor refugees: A qualitative study explaining access and utilization across place and gender (UMR)“ untersucht an den Schnittstellen von Migrations-, Jugend- und Versorgungsforschung die kontextuellen Umstände, Mechanismen und Auswirkungen bei Zugang und Inanspruchnahme psychosozialer Versorgung von unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten“, erklärt Mlinarić, Projektleiter des UMR-Projekts. Das sei ein bisher kaum untersuchtes Forschungsfeld. Bislang sei nicht bekannt, ob und wie sich räumliche und geschlechtsspezifische Aspekte und die individuelle Lebenssituation von UMRs auf ihre psychosoziale Situation auswirken. „In Deutschland erfolgt die psychosoziale Gesundheitsversorgung noch unter weitgehend provisorischen – je nach Ort uneinheitlichen – Bedingungen und weist multiple und oft miteinander verbundene rechtliche, kulturelle und sprachliche Hürden auf. Die sozialwissenschaftliche Untersuchung dieser Bedingungen fand bisher vor allem aus Expertensicht oder auf Grundlage epidemiologischer Daten und Studien statt“, sagt Ulrich, Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt. Der Bedarf an qualitativen Untersuchungen, die die Sicht der betroffenen minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge einbeziehen und praxisnahe aber auch politikorientierte Handlungsempfehlungen übermitteln können, sei groß und bislang kaum gedeckt worden. Die nun gestartete explorative qualitative Studie fokussiert auf die psychosoziale Versorgung, wie etwa den Zugang und die Inanspruchnahme von psychologischen Betreuungsangeboten bei UMRs, vor allem syrischer Herkunft. Zur Datenerhebung werden unterschiedliche urbane Ballungsräume, zum Beispiel Nordrhein-Westfalen und Mitteldeutschland, verglichen. Nach einer Übersichtsarbeit zu Bedarf, Zugang und Inanspruchnahme psychosozialer Versorgung von UMRs sollen später leitfadengestützten Experten- und Laieninterviews geführt werden, um vorhandene Strategien, insbesondere deren Spezifika, Barrieren, Herausforderungen, Chancen und Potenziale zu evaluieren und letztendlich optimieren zu können.
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