Welchen Einfluss haben Probiotika auf die Darmflora von Frühgeborenen?

Frühgeborene sind für die Entwicklung einer dysbiotischen Darmflora besonders empfänglich. (Foto: © Tobilander – Fotolia.com)

Das BMBF fördert eine klinische Studie zur Wirksamkeit von Probiotika bei frühgeborenen Kindern unter der Leitung der Universitätsmedizin Mainz.


Die Erstbesiedelung mit Bakterien unmittelbar nach der Geburt könnte von besonderer Bedeutung für die Entwicklung einer Darmflora sein, die uns durch das gesamte Leben begleitet. Kann die Gabe von probiotischen Bakterien (wie Laktobacillus oder Bifidobakterium) im ersten Lebensmonat die Entwicklung der Darmflora von Neugeborenen positiv beeinflussen? Das ist die zentrale Frage einer neuen bundesweiten Klinischen Studie unter der Leitung von Prof. Stephan Gehring vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsmedizin Mainz, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) über einen Zeitraum von vier Jahren mit 400.000 Euro fördert.

Die Mikroflora und insbesondere eine gesunde Darmflora hat auf eine Vielzahl an Organfunktionen einen regelnden Einfluss. Zudem zeichnen sich Verbindungen zwischen der Darmflora und vielen Krankheiten ab. Ist die Darmflora gestört (dysbiotisch), kann das die Entwicklung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen, von Fettleibigkeit, von Diabetes, oder chronischem Asthma fördern.

Besonders empfänglich für die Entwicklung einer dysbiotischen Darmflora sind Frühgeborene, die in Deutschland einen steigenden Anteil von 20 bis 25 Prozent bei den Neugeborenen ausmachen. Es ist davon auszugehen, dass sich gerade bei Frühgeborenen äußere Einflüsse, wie chirurgische Eingriffe, Babynahrung oder Antibiotika negativ auf die Darmbesiedelung auswirken. Ein Großteil der Frühgeborenen erhält mittelbar oder unmittelbar Antibiotika, die als „Nebenwirkung“ die Darmflora grundlegend zerstören.

Im Zuge der Studie verabreichen die Wissenschaftler zunächst probiotische Bakterien an Frühgeborene. In einem Folgeschritt analysieren sie deren Stuhlproben mittels der sogenannten 16S-rRNA-Sequenzierung. Bei einem kleineren Teil der Studiengruppe machen sie zudem von dem als sehr aufwendig geltenden „deep metagenomic sequencing“-Verfahren Gebrauch. Anhand der Vergleiche der Stuhlproben wollen sie herausfinden, ob die Gabe von probiotischen Bakterien tatsächlich einen positiven Effekt auf die Entwicklung der Darmflora von Neugeborenen hat.

„Die Wiederherstellung einer gesunden Darmflora ist für eine gesunde Entwicklung der Frühgeborenen von großer Bedeutung erklärte Gehring. „Die Chancen, mit diesem Projekt einen tiefen Einblick in die Entwicklung und Therapiemöglichkeiten der Darmflora zu erhalten, sind äußerst viel versprechend. Keine klinische Studie hat in den zurückliegenden Jahren die Möglichkeiten der Verabreichung von probiotischen Bakterienstämmen in dieser wissenschaftlichen Breite erarbeitet. Diese Studie hat das Potenzial, Frühgeborenen einen besseren Start in ein gesundes Leben zu ermöglichen.“