Welches Neugeborene profitiert von Hypothermie?4. März 2020 Foto: ©Sergey Novikov/Ripicts.com – stock.adobe.com Gemeinsam mit dem Unternehmen InfanDx suchen Wissenschaftler des Universitätsklinikums Essen und der Hochschule Furtwangen nach einem begleitenden Diagnostikum zur Identifizierung von Neugeborenen, die von einer neuroprotektiven Hypothermie-Behandlung profitieren könnten. Sie erhalten hierfür Fördermittel des BMBF. Säuglinge, die während der Geburt einen Sauerstoffmangel erlitten haben (Asphyxia neonatorum, kurz Asphyxie), können neonatale Enzephalopathie entwickeln. Dies kann zu dauerhaften Hirnschäden und lebenslanger Behinderung führen. Es gibt eine wirksame Behandlung mittels Hypothermie, die dauerhafte Hirnschäden begrenzen oder sogar verhindern kann. Allerdings profitieren nur etwa 50 Prozent der Säuglinge, die von neonataler Enzephalopathie betroffen sind, eindeutig von dieser belastenden Therapie. Durch die Entwicklung eines diagnostischen Tests auf der Grundlage von metabolischen Biomarkern könnte Kindern, die wahrscheinlich nicht auf eine Hypothermie-Behandlung ansprechen, eine unwirksame Therapie erspart werden. Diese Säuglinge können in Zukunft eine geeignete alternative Behandlung erhalten, um eine maximale Neuroprotektion zu erreichen. Die Wissenschaftler des Universitätsklinikums Essen werden sich auf die präklinische Entwicklung fokussieren und somit die zugrundeliegende Hypothese vorqualifizieren. Die Hochschule Furtwangen wird ihre Expertise in der Identifizierung und Überprüfung metabolischer Biomarker beisteuern. InfanDx wird bereits existierende Proben aus der klinischen Forschung nutzen, um die Validierung metabolischer Ergebnisse direkt am Menschen zu ermöglichen. Ferner wird InfanDx klinische Nachuntersuchungen mit ehemaligen Studienteilnehmern durchführen, um deren tatsächlichen Gesundheitsstatus nach der Hypothermie-Behandlung zu evaluieren. Prof. Hans-Peter Deigner, Dekan der Fakultät Medical and Life Sciences an der Hochschule Furtwangen und Mitgründer von InfanDx, kommentierte: „Die Anwendung von Metaboliten ist ein innovativer Ansatz, um Hirnschäden zu erkennen und Behandlungsentscheidungen zu treffen. Dies unterstreicht auch die breite Anwendbarkeit von Metaboliten in der modernen Diagnostik. Ich freue mich, dass das BMBF die Wichtigkeit der Entwicklung von neuen Diagnoseinstrumenten für Säuglinge, die von perinataler Asphyxie betroffen sein könnten, anerkennt. Unser engagiertes und kompetentes Forschungsteam treibt die Arbeiten zur Identifizierung von neuen metabolischen Biomarkern mit einem hohen prädiktiven Wert voran, damit Neugeborene die bestmögliche Versorgung erhalten können.“ Prof. Ursula Felderhoff-Müser, Direktorin der Klink für Kinderheilkunde I am Universitätsklinikum Essen, fügte hinzu: „In der Klinik stehen wir oft vor der großen Herausforderung, schwierige Behandlungsentscheidungen für Neugeborene zu treffen, die eventuell von perinataler Asphyxie betroffen sind. Selbst wenn bei einem Säugling eine wahrscheinliche neonatale Enzephalopathie diagnostiziert wird, können wir derzeit nicht wissen, ob die Standardbehandlung Hypothermie bei diesem speziellen kleinen Patienten wirksam sein wird. Durch die Entwicklung einer benutzerfreundlichen Point-of-Care-Diagnostik zum voraussichtlichen Therapieansprechen sind wir optimistisch, gemeinsam eine wichtige Lücke in der klinischen Versorgung von Säuglingen schließen zu können.“
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