Weltweit sterben mehr Kinder an Meningitis als bisher angenommen

In Ländern mit schlechter Gesundheitsversorgung sterben mehr Kinder an Meningitis als bislang geschätzt. (Foto: © Julian – stock.adobe.com)

Laut einer neuen Studie trägt Meningitis zu einer höheren Kindersterblichkeit bei als von der WHO bislang geschätzt wurde. Die Ergebnisse zeigen weiterhin, dass arzneimittelresistente Bakterien in Krankenhäusern weit verbreitet sind, was die Notwendigkeit einer schnelleren (Verdachts-)Diagnose und einer angemessenen Behandlung unterstreicht, um die Sterblichkeit zu verringern.

Meningitis ist insbesondere bei Kleinkindern mit hohen Sterberaten und bleibenden neurologischen Folgen bei den Überlebenden verbunden. Impfstoffe können gegen die häufigsten Arten von Meningitis verursachenden Bakterien schützen, wie Haemophilus influenzae Typ B (Hib), Streptococcus pneumoniae und Neisseria meningitidis. Um das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Meningitis bis 2030 zu eliminieren, zu erreichen, ist jedoch ein besseres Verständnis der globalen Auswirkungen dieser Krankheit und der spezifischen Erreger erforderlich.

„Meningitis stellt eine diagnostische Herausforderung dar, da die Symptome unspezifisch sind und oft denen anderer schwerer Krankheiten ähneln“, erklärte der Hauptautor Quique Bassat, Direktor des Barcelona Institute for Global Health (ISGlobal). „Die Identifizierung der spezifischen Erreger, die hinter den Meningitisfällen stecken, würde es uns ermöglichen, die Ressourcen besser zu nutzen und die Entwicklung neuer, mit Spannung erwarteter Impfstoffe zu steuern“, fügte er hinzu.

Die Studie stützt sich auf Daten des CHAMPS-Netzwerks, das die Ursachen für Todesfälle im Kindesalter in sieben Ländern eingehend untersucht: Bangladesch, Äthiopien, Kenia, Mali, Mosambik, Sierra Leone und Südafrika. Mithilfe einer Technik namens MITS (minimal-invasive Gewebeentnahme) nehmen die Forscher Biopsien vor, um Proben von wichtigen Organen oder Flüssigkeiten, einschließlich Liquor, zu gewinnen, und führen anschließend eine histopathologische Untersuchung, molekulare Tests auf 126 Krankheitserreger und mikrobiologische Kulturen durch.

Ein wichtiger Faktor für den Tod

Die Studie ergab, dass Meningitis bei sieben Prozent der 3857 untersuchten Todesfälle eine Rolle spielte. Die höchsten Anteile von Todesfällen bei Kindern aufgrund von Meningitis wurden in Südafrika (16,6 %) und Äthiopien (15,6 %) beobachtet, gefolgt von Mali und Sierra Leone. Die meisten dieser Todesfälle (66 %) traten bei Neugeborenen auf, während die übrigen Fälle bei älteren Säuglingen und Kleinkindern diagnostiziert wurden. „Die höhere Inzidenz bei Neugeborenen könnte auf die vertikale Übertragung von Erregern zurückzuführen sein, mit denen sich die Mütter infizieren, und auf das Fehlen spezifischer Strategien, um sie während der Geburt zu schützen. Auch ihr unterentwickeltes Immunsystem macht sie anfälliger“, erklärte Sara Ajanovic, ISGlobal-Forscherin und Mitautorin der Studie.

Eine Verschiebung hin zu antibiotikaresistenten Bakterien

Die Prävalenz der Erreger, die mit Meningitis-Todesfällen im Krankenhaus und in der Gemeinde in Verbindung gebracht wurden, variierte zwischen den Regionen. Die häufigsten Erreger waren jedoch Acinetobacter baumannii und Klebsiella pneumoniae, insbesondere bei Todesfällen im Gesundheitswesen. Diese multiresistenten Bakterien werden häufig im Krankenhaus erworben, was bedeutet, dass die Verbesserung der Infektionsprävention in Krankenhäusern für die Verringerung der Meningitisfälle von wesentlicher Bedeutung ist. Besorgniserregend ist auch, dass das Risiko, an einer Meningitis zu sterben, ohne die entsprechenden Antibiotika hoch bleibt.

Fast die Hälfte der Meningitis-Todesfälle ereignete sich im häuslichen Umfeld, wahrscheinlich aufgrund des begrenzten Zugangs zur Gesundheitsversorgung. Obwohl die Fälle von Streptococcus pneumoniae durch Impfungen deutlich zurückgegangen sind, verursacht dieses Bakterium immer noch viele der ambulant erworbenen Meningitisfälle.

Diese Ergebnisse deuten auf eine Verschiebung in der Landschaft der mit Meningitis assoziierten Erreger hin, mit einer Zunahme von Erregern wie K. pneumoniae und A. baumannii bei gleichzeitigem Rückgang von S. pneumoniae und Hib aufgrund der Impfbemühungen. Diese Verschiebung, so die Autoren, stelle die Grundlagen der derzeitigen empirischen Antibiotikarichtlinien infrage.

Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit

Die Ergebnisse der CHAMPS-Studie legen nahe, dass Meningitis zu einer höheren Kindersterblichkeit (7 %) beiträgt als die von der WHO geschätzten 5,1 Prozent. Kritisch ist den Forschern zufolge, dass viele dieser Fälle vor dem Tod nicht als Meningitis erkannt wurden, was die Notwendigkeit einer schnelleren Diagnose und Behandlung unterstreicht, um Todesfälle zu verhindern. „Weniger als ein Viertel aller bestätigten Meningitisfälle wurde vor dem Tod einer Lumbalpunktion unterzogen – dem Goldstandardverfahren zur Diagnose von Meningitis –, was die dringende Notwendigkeit unterstreicht, diesen diagnostischen Ansatz aktiver einzusetzen, um zu vermeiden, dass Fälle dieser lebensbedrohlichen Infektion übersehen werden“, erklärte Bassat.

„Die sich verändernde Landschaft der Erreger, die bei Kindern in diesen Gebieten tödliche Meningitis verursachen, unterstreicht die positive Wirkung der in den letzten Jahrzehnten durchgeführten Impfkampagnen, die fortgesetzt werden müssen“, fügte Ajanovic hinzu. Die Ergebnisse machen den Forschenden zufolge jedoch deutlich, dass es dringend notwendig ist, neue Impfstoffe gegen neu auftretende Erreger wie K. pneumoniae zu entwickeln und die klinischen Leitlinien zu aktualisieren. Dazu gehören Tests auf diese Erreger und ihre Resistenzmuster sowie die Anpassung von Antibiotikaregimen, um eine wirksame Behandlung zu gewährleisten.