Weniger Frühgeburten während der Corona-Pandemie16. September 2024 Die Corona-Pandemie hatte keine negativen Auswirkungen auf die Versorgung von Schwangeren. (Foto: © serhiibobyk – stock.adobe.com) Eine Studie unter der Leitung der Justus-Liebig-Universität Gießen und des Universitätsklinikums Ulm liefert neue Erkenntnisse für die Frühgeborenenversorgung und den Umgang mit Risikoschwangerschaften während der Corona-Pandemie. Die Corona-Pandemie und die mit den Lockdown-Maßnahmen verbundenen veränderten Lebensbedingungen hatten offenbar Einfluss darauf, wie häufig Schwangerschaften mit einer Frühgeburt endeten. Eine aktuelle Studie eines Forschungsteams der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und des Universitätsklinikums Ulm zusammen mit den Perinatalzentren in Hessen zeigt, dass mit Beginn der Lockdowns die Zahlen von Frühgeburten immer weiter abgesunken sind. Die Untersuchung, die alle 184.827 Geburten in Hessen von 2017 bis 2020 erfasste, weist auf eine deutliche Reduktion auch von sehr frühen Frühgeburten (vor der 32. Schwangerschaftswoche) während der Pandemie hin, insbesondere während der beiden Lockdown-Phasen in 2020. Die Analyse, die jetzt in der Zeitschrift „JAMA Network Open“ veröffentlicht wurde, zeigte insbesondere, dass die Frühgeburtenrate bei Risikoschwangerschaften – etwa bei Müttern mit schweren Erkrankungen oder pathologischen CTG-Befunden – signifikant zurückging. Gleichzeitig blieben andere Risikofaktoren wie Mehrlingsschwangerschaften und Bluthochdruck unverändert. Allerdings sank auch die Anzahl der Frühgeburten aufgrund intrauteriner Infektionen, was die Wissenschaftler mit den verstärkten Hygienemaßnahmen in Verbindung bringen. Das Team konnte anhand der Geburts- und Behandlungsdaten, die von der Landesarbeitsgemeinschaft Qualitätssicherung Hessen (LAGQH) zur Verfügung gestellt wurden, auch nachweisen, dass die Qualität der Versorgung von Schwangeren bis zur Geburt auf unverändert hohem Niveau blieb. Der verstärkte Fokus auf die COVID-Patienten hatte demnach keine negativen Auswirkungen für Schwangere. Es kam nicht, wie bei anderen Erkrankungen und der Notfallversorgung dazu, dass Vorsorgeangebote und Perinatalzentren eher später aufgesucht wurden. Die Ergebnisse bieten wertvolle Einblicke in die Rolle von Präventionsmaßnahmen (wie strikte Hygieneregeln) bei der Reduktion von vermeidbaren Risikofaktoren für Frühgeburten. „Dies zeigt die Bedeutung von Programmen, die darauf abzielen, diese Risiken gezielt zu minimieren, um langfristig die Frühgeburtenrate zu senken“, erklärt Dr. Anita Windhorst. „Die Phase der Pandemie hat gezeigt, dass ein ganzheitlicher Ansatz in der Betreuung von Schwangeren – einschließlich des Schutzes vor Infektionen – vielversprechend sein kann“, fügte Prof. Harald Ehrhardt hinzu.
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