Wenn OP-Materialien im Patienten bleiben: Neue KI-Zählkontrolle soll Fehler vermeiden29. Juli 2025 Symbolfoto: ©Robert Poorten/stock.adobe.com Ein derzeit in Entwicklung befindliches Assistenzsystem soll OP-Teams bei der Vermeidung von Never Events unterstützen. Jährlich kommt es in Deutschland zu rund eintausend zusätzlichen Eingriffen, weil chirurgische Materialien wie Tupfer, Bauchtücher oder Instrumente im Körper der Patienten verbleiben. Diese Never Events verursachen schwerwiegende Komplikationen und enorme Kosten im Gesundheitswesen. Trotz bestehender Zählprozesse können Fehler auftreten – etwa durch Zeitdruck, Kommunikationsprobleme oder Personalwechsel im OP-Team. KI-unterstützte Zählkontrolle Hier setzt das Projekt DSCC (Digital Surgical Count Control) an: Ein auf Künstliche Intelligenz (KI) gestütztes System soll die manuelle Zählkontrolle digital unterstützen, Fehler vermeiden und die Dokumentation vereinfachen. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen der Fördermaßnahme „KMU-innovativ: Interaktive Technologien für Gesundheit und Lebensqualität“ für drei Jahre gefördert. Der offizielle Projektauftakt erfolgte Anfang Juli mit einem Kick-off-Meeting aller Projektpartner. Das neue Assistenzsystem wird an der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ) gemeinsam mit Medik Hospital Design GmbH und der code’n’ground AG entwickelt. Automatische Erkennung und Zählung von OP-Materialien Zentrales Element des Systems ist eine speziell entwickelte Kameraeinheit, die den Instrumententisch während der Operation erfasst. Mithilfe von KI – insbesondere eines YOLO-Algorithmus in Kombination mit einem Convolutional Neural Network (CNN) – soll das System die dort befindlichen Objekte erkennen und klassifizieren. Zur besseren Detektion textiler Materialien wie Tupfern oder Bauchtüchern wird ergänzend ein hyperspektraler Bildgebungsansatz (HSI) untersucht. Die erfassten Daten sollen in Echtzeit auf einem interaktiven Bildschirm visualisiert werden, der dem OP-Team den Soll- und Ist-Zustand für jede Objektklasse übersichtlich anzeigt und bei Diskrepanzen automatisch warnt. Digitale Assistenz für mehr Sicherheit und Effizienz Das System soll den Zählvorgang nicht nur zuverlässiger, sondern auch effizienter gestalten. Schon eine Reduktion der Zähl- und Dokumentationszeit um rund eine halbe Minute pro Eingriff könnte nach Berechnungen der WHZ bei den jährlich etwa 17 Millionen Operationen in Deutschland Einsparpotenziale von rund 500 Millionen Euro freisetzen. Gleichzeitig trage DSCC dazu bei, das OP-Personal zu entlasten und die Patientensicherheit messbar zu verbessern, hebt die Hochschule hervor. Vom Labor in den OP Nach Projektende ist die Überführung der entwickelten Lösung in ein zertifiziertes Medizinprodukt geplant. Das System soll so ausgelegt werden, dass es sich sowohl in neue als auch in bestehende Operationssäle integrieren lässt.
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