Wie gut schützen schulische Präventionsprogramme vor Computerspielsucht?9. September 2026 Wie lernen Jugendliche am besten, kontrolliert mit Computerspielen und dem Internet umzugehen? Dieser Frage sind Forschende der Universität Heidelberg nachgegangen. (Foto: © 24K-Production) Um bei stark suchtgefährdeten Jugendlichen einen kontrollierten Umgang mit Computerspielen und dem Internet zu erzielen, eignet sich ein schulbasiertes verhaltenstherapeutisches Programm besser als ein Medienbildungsprogramm. Dies zeigt ein Forschungsteam der Universität Heidelberg. Schulische Präventionsprogramme sollen helfen, Jugendliche vor Computerspielsucht und problematischen Onlinegewohnheiten zu schützen. Doch wie wirksam sind diese Interventionen, wenn es um einen kontrollierten Umgang mit Computerspielen und dem Internet geht? Dieser Frage ist ein Forschungsteam unter Leitung von Prof. Katajun Lindenberg vom Psychologischen Institut der Universität Heidelberg im Rahmen einer landesweiten Studie nachgegangen. Daran teilgenommen haben insgesamt rund 1800 Jugendliche an 44 weiterführenden Schulen in Baden-Württemberg. Die Ergebnisse zeigen, dass mit einem über vier Wochen laufenden verhaltenstherapeutischen Programm bei stark suchtgefährdeten Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf längere Sicht stärkere Effekte erzielt wurden als mit einem Medienbildungsprogramm.„Vor dem Hintergrund laufender Debatten über wirksame Maßnahmen zum Schutz der psychischen Gesundheit junger Menschen im digitalen Zeitalter ist die Frage nach wirksamen Interventionen hochaktuell“, betont Lindenberg, die an der Universität Heidelberg die Professur für Klinische Psychologie des Kindes- und Jugendalters innehat und die Psychotherapeutische Hochschulambulanz für Kinder und Jugendliche leitet. Neben viel diskutierten regulativen Maßnahmen wie Altersbeschränkungen werden parallel Maßnahmen gefordert, die Jugendliche zu einem kompetenten Umgang mit Computerspielen sowie mit dem Internet befähigen sollen. Dazu gehören auch Präventionsprogramme mit einem verhaltenstherapeutischen Ansatz oder mit dem Ansatz der Medienbildung. „Unsere Untersuchungen liefern wichtige empirische Erkenntnisse zu der Frage, welche Programme und Inhalte besonders wirksam sind und welche Zielgruppen am stärksten profitieren“, betont Lindenberg. Die Wissenschaftler verglichen dazu das verhaltenstherapeutische Programm PROTECTtraining und das auf Medienbildung basierende Programm PROTECTinfo – zwei für den schulischen Kontext entwickelte Interventionen, die in zeitlichem Umfang und Durchführungsaufwand identisch sind, sich aber in ihren Inhalten unterscheiden. Verhaltentherapeutischer Ansatz ist wirksamer und ressourcenschonender Um herauszufinden, wie wirksam schulbasierte Interventionen bei der Prävention von onlinebasiertem Suchtverhalten sind, führte das Forschungsteam eine randomisierte, auf vier Jahre angelegte Untersuchung mit Jugendlichen im Alter von 11 bis 18 Jahren durch. Dazu nahmen 1793 Schülerinnen und Schüler an einer vierwöchigen Intervention mit insgesamt vier 90-minütigen Einheiten teil. Eine Hälfte der Jugendlichen absolvierte das verhaltenstherapeutische Programm PROTECTtraining, bei dem unter anderem der „Teufelskreis“ der Sucht erklärt sowie Verhaltensänderung und Emotionsregulation trainiert wurden. Eine zweite Kontrollgruppe durchlief das Medienbildungsprogramm PROTECTinfo zu Themen wie Medienkompetenz, Gaming, Cybermobbing und den rechtlichen Aspekten digitalen Handelns.Im Rahmen der Präventionsstudie überprüfte das Forschungsteam das Online-Suchtverhalten und das psychische Wohlbefinden der Teilnehmer zu Beginn und Ende der Programme sowie nach vier und zwölf Monaten. Eine gesonderte Auswertung führten die Wissenschaftler für Jugendliche durch, bei denen zu Beginn der Studie ein vergleichsweise hohes Suchtrisiko ermittelt worden war. Die Abschlussbefragung nach einem Jahr ergab, dass bei Heranwachsenden ohne Risiko für ein Suchverhalten – die Mehrheit der Studienteilnehmer – ein Effekt auf die Symptomatik kaum messbar war. Bei Jugendlichen mit hohem Suchtrisiko hingegen erwiesen sich beide Interventionen als wirksam, signifikant effektiver war jedoch die verhaltenstherapeutische Maßnahme.„Im direkten Vergleich ist das verhaltenstherapeutische Programm um die Hälfte wirksamer gegen Computerspielsucht und anderes problematisches Onlineverhalten als das Medienbildungsprogramm“, betont Lindenberg. Nach den Worten der Heidelberger Wissenschaftlerin zeigen die Ergebnisse darüber hinaus, dass gezielte, auf Risikogruppen zugeschnittene Maßnahmen im schulischen Kontext wesentlich bessere Resultate erreichen und ressourcenschonender sind als flächendeckend implementierte Ansätze der Prävention.
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