Wie steht es in Deutschland um die frühe Alzheimer-Diagnostik?23. Juli 2024 Arzt entnimmt einem Patienten Rückenmarksflüssigkeit (Symbolbild). (Quelle: © DZNE/Frommann) Ein Rostocker Forschungsteam führt gemeinsam mit dem Pharmaunternehmen Lilly Deutschland eine bundesweite Online-Befragung unter Gedächtnisambulanzen sowie neurologischen und psychiatrischen Arztpraxen durch. Ziel ist es herauszufinden, ob und wie in Deutschland bisher eine Biomarker-basierte Alzheimer-Diagnostik erfolgt. Die Früherkennung anhand von Biomarkern ist eine Voraussetzung für den Einsatz neuer Wirkstoffe gegen Alzheimer, die in der EU derzeit im Zulassungsverfahren sind. Zudem können nichtmedikamentöse Behandlungen den Verlauf einer Alzheimer-Erkrankung positiv beeinflussen, wenn sie frühzeitig diagnostiziert wird. Vor diesem Hintergrund führt das DZNE eine bundesweite Online-Befragung unter Gedächtnisambulanzen sowie neurologischen und psychiatrischen Arztpraxen durch, um die derzeitige Praxis der Alzheimer-Diagnostik zu evaluieren. Das Projekt hat eine Laufzeit von anderthalb Jahren, das Pharmaunternehmen Lilly trägt die Kosten in Höhe von rund 150.000 Euro. Amyloid gilt schon lange als möglicher Ansatzpunkt für eine Behandlung der Alzheimer-Demenz und diagnostischer Marker. In der Tat wird die Biomarker-basierte frühe Diagnostik seit Ende 2023 in der neu erarbeiteten „S3-Leitlinie Demenzen“ empfohlen. „Diese spezifische Diagnostik ist aber noch nicht überall medizinischer Standard in Deutschland, da sie aufwendig umzusetzen ist“, erklärt Dr. Ingo Kilimann, Wissenschaftler am DZNE-Standort Rostock/Greifswald und Neurologe an der Universitätsmedizin Rostock. Er leitet die aktuelle Studie, für die das DZNE eine Kooperationsvereinbarung mit Lilly unterzeichnet hat. „Biomarker ermöglichen eine hohe Diagnosesicherheit und dadurch einen frühen Zugang zu Beratung, nichtmedikamentöser und medikamentöser Therapie“, führt Kilimann weiter aus. Medikamente im Zulassungsverfahren Amyloid-Antikörper versprechen neue Behandlungsmöglichkeiten der Alzheimer-Erkrankung. In der EU sind sie noch nicht auf dem Markt, doch zwei solcher Wirkstoffe befinden sich derzeit im Zulassungsverfahren bei der Europäischen Arzneimittelbehörde. „Wenn die Zulassung erfolgt, werden die Biomarker eine wichtige Rolle in der Therapieentscheidung einnehmen. Denn die Antikörpertherapie hat relevante Nebenwirkungen und ist nur für einen Teil der Patienten geeignet und erfolgsversprechend, darum ist eine sorgfältige Auswahl der Patienten wichtig“, erklärt Kilimann. Durch eine im Sommer startende Online-Umfrage in Gedächtnisambulanzen sowie neurologischen und psychiatrischen Praxen will sich das Forschungsteam um Kilimann daher ein detailliertes Bild der Anwendung von Biomarkern in der Alzheimer-Diagnostik verschaffen. „Wir wollen herausfinden, inwieweit das Gesundheitssystem in Deutschland auf eine mögliche Einführung von Anti-Amyloid-Therapien überhaupt vorbereitet ist“, erklärt Stefanie Köhler, Gesundheitswissenschaftlerin am DZNE und Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt. „Dafür erfassen wir, ob und unter welchen Bedingungen die Biomarker-gestützte Frühdiagnostik bei Alzheimer hierzulande im ärztlichen Alltag bereits zum Einsatz kommt. Auf diese Weise wollen wir Hindernisse und Chancen für die Anwendung von Biomarker-gestützter Diagnostik und Antikörpertherapien in der Versorgungspraxis identifizieren.“
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