Wie viele Menschen wirklich Linkshänder sind8. April 2020 Foto: ©Matthias Lindner – stock.adobe.com Alle bisherigen Daten zur Händigkeit beruhten auf Schätzungen. Jetzt bringt eine Analyse sehr vieler Daten verlässliche Informationen. Eines war schon immer klar: Linkshänder sind seltener als Rechtshänder. Aber wie viele Menschen wirklich die linke Hand bevorzugen, ist erst jetzt geklärt: 10,6 Prozent. Das ergab die weltgrößte Untersuchung zu diesem Thema, in der ein Forschungsteam der Universitäten St. Andrews, Athen, Oxford, Bristol und Bochum Studien zur Händigkeit von insgesamt mehr als zwei Millionen Menschen auswertete. Strenge der Kriterien beeinflusst die Quote Die Häufigkeit der Linkshändigkeit beschäftigt verschiedenste Forschungsbereiche von der kognitiven Neurowissenschaft bis hin zur Evolutionsforschung. Hunderte empirische Untersuchungen drehten sich um diese Frage; eine groß angelegte, umfassende Überprüfung der Häufigkeit gab es aber nie. Für die aktuelle Studie zogen die ForscherInnen, zu denen PD Dr. Sebastian Ocklenburg von der Fakultät für Psychologie der Ruhr-Universität Bochum (RUB) gehörte, fünf Meta-Analysen heran, in die die Daten von fast 2,4 Millionen Personen eingingen, die in Studien verschiedene manuelle Aufgaben hatten erledigen müssen. “Wie häufig Links- und Rechtshändigkeit jeweils sind, hängt dabei auch davon ab, wie streng die Kriterien dafür sind, die die Autoren anlegen”, erklärt Ocklenburg. Bei Verwendung der strengsten Kriterien sind 9,34 Prozent der ProbandInnen linkshändig. Bei Verwendung weniger strikter Kriterien sind 18,1 Prozent nicht rechtshändig. “Die beste Gesamtschätzung liegt bei 10,6 Prozent Linkshändigkeit”, so Ocklenburg. Schreiben ist nicht alles Normalerweise wird die Händigkeit davon abhängig gemacht, mit welcher Hand jemand schreibt. Bei der aktuellen Studie berücksichtigte das Forschungsteam aber die Tatsache, dass etwa neun Prozent der Menschen verschiedene Hände für verschiedene Aufgaben verwenden. Das sorgte für genauere Ergebnisse. “Der Anteil der Menschen, die verschiedene Hände für unterschiedliche Aufgaben nutzen, ist den Daten zufolge fast genauso groß wie der Anteil linkshändiger Menschen”, unterstreicht Autorin Dr. Silvia Paracchini von der School of Medicine in St. Andrews. Genaue Einsichten in das Phänomen der Händigkeit tragen dem Forschungsteam zufolge auch zum Verständnis der Evolution bei. Rechtshändigkeit gilt gemeinsam mit den Fähigkeiten, Werkzeuge zu nutzen und sich mittels einer Sprache zu verständigen, sowie mit der funktionellen und anatomischen Spezialisierung des Gehirns als ein spezifisches Merkmal des Menschen: In diesen Dingen unterscheidet sich unsere Evolution von der der Affen. Originalpublikation: Papadatou-Pastou M et al.: Human handedness: A meta-analysis. Psychological Bulletin, 2. April 2020
Mehr erfahren zu: "DGN: Hitze macht krank" DGN: Hitze macht krank Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) unterstützt das Positionspapier der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit und fordert die Umsetzung der darin aufgeführten Maßnahmen, um insbesondere Menschen mit neurologischen Krankheiten wirksam […]
Mehr erfahren zu: "Kommunikation in Akutbehandlung und Nachsorge bei der Querschnittlähmung" Kommunikation in Akutbehandlung und Nachsorge bei der Querschnittlähmung Mit dem Motto „Wir sind ein Team“ für die 39. Jahrestagung der Deutschsprachigen medizinischen Gesellschaft für Paraplegiologie (DMGP) legt die DMGP den Fokus auf die Kommunikation bei der Versorgung von […]
Mehr erfahren zu: "Hormon als Booster: Hilft DHEA bei Depressionen?" Hormon als Booster: Hilft DHEA bei Depressionen? Forschende der Charité wollen in einer groß angelegten klinischen Studie herausfinden, ob das körpereigene Hormon DHEA die antidepressive Behandlung unterstützen kann.