Wie Zuckerstrukturen die Schwere von Erdnussallergien bestimmen10. März 2026 Zuckerketten am IgE-Molekül beeinflussen, wie schwer die allergische Reaktion auf Ernussallergene ausfällt. (Foto: © Corona Borealis – stock.adobe.com) Warum verlaufen allergische Reaktionen bei manchen Menschen schwerer als bei anderen, die auf dieselben Allergene reagieren? Dieser Frage sind Carolin Steinert vom Institut für Allergieforschung der Charité und ihr Team erfolgreich nachgegangen und dafür mit dem ADF/ECARF Award for European Allergy Research ausgezeichnet worden. Im Fokus der Berliner Arbeitsgruppe stand das Antikörpermolekül Immunglobulin E (IgE), das eine zentrale Rolle bei allergischen Reaktionen spielt – insbesondere bei Nahrungsmittelallergien wie der Erdnussallergie. Entscheidend ist dabei nicht nur das Vorhandensein von IgE, sondern dessen molekulare Feinstruktur. IgE ist ein stark glykosyliertes Protein – es trägt also Zuckerstrukturen (Glykane) an bestimmten Bindungsstellen. Die Forschenden konnten zeigen, dass die genaue Zusammensetzung dieser Zuckerketten bei Allergikern, die auf eine geringe Dosis Allergen reagieren, anders ist als bei solchen, die erst bei einer hohen Dosis reagieren. Insbesondere ein Zucker, die Sialinsäure, beeinflusst maßgeblich, wie effektiv IgE Mastzellen aktivieren kann. IgE mit einem hohen Sialinsäureanteil führen zu einer deutlich schwächeren Aktivierung von Mastzellen nach Bindung des Antigens als IgE mit einem geringen Anteil. IgE ist nicht gleich IgE Die zentrale Erkenntnis: Unterschiedliche Zuckerstrukturen können die „Schlagkraft“ des Antikörpers – und damit die Schwere der allergischen Reaktion – entscheidend modulieren. Diese Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven für die Allergiediagnostik und möglicherweise auch für therapeutische Ansätze. Langfristig könnten individuelle Unterschiede in der IgE-Glykosylierung helfen, das Risiko schwerer allergischer Reaktionen besser vorherzusagen und personalisierte Behandlungsstrategien zu entwickeln. „Die ausgezeichnete Forschungsarbeit greift ein zentrales Thema der Allergologie auf und liefert wichtige Impulse für das Verständnis allergischer Erkrankungen. Ich gratuliere den Preisträgerinnen und Preisträgern herzlich und ermutige sie, ihre hervorragende Arbeit fortzusetzen“, erklärte Prof. Torsten Zuberbier, Vorstandsvorsitzender der Stiftung ECARF. Über den ADF/ECARF Award Der mit 5000 Euro dotierte ADF/ECARF Award wird seit 2005 gemeinsam von der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Forschung (ADF) und dem European Centre for Allergy Research Foundation (ECARF) vergeben. Ziel ist es, europäische Forschung im Bereich der Allergologie sichtbar zu machen und weitere wissenschaftliche Arbeiten zu fördern. Die Auswahl erfolgt durch eine Jury im Rahmen der ADF-Jahrestagung. Ausgezeichnet wird jeweils eine Arbeitsgruppe oder ein Kollaborationsteam, das den prämierten Beitrag gemeinsam erarbeitet hat.
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