Zahl der Meningitis-Fälle in England steigt

Eine Infektion mit Meningokokken ist gefährlich. Schutz bietet eine Impfung, die in Deutschland allen Säuglingen ab zwei Monaten empfohlen wird. (Foto: © pix4U – stock.adobe.com)

Nach dem Meningitis-Ausbruch in Südengland steigen die Fallzahlen weiter. Zwei junge Menschen sind bereits gestorben. Ein Experte spricht von einem „ungewöhnlichen Ausbruch“, die Deutsche Gesellschaft für Neurologie erinnert an die Bedeutung der Impfung.

Nach dem Meningitis-Ausbruch in Südengland meldet Großbritannien weitere Infektionen mit Meningokokken der Untergruppe B. Die Zahl der bestätigten Fälle stieg von sechs auf neun, wie die Gesundheitsbehörde UKHSA am 19. März mitteilte. Insgesamt wurden 15 Meningokokken-Infektionen bestätigt, dazu kommen zwölf Verdachtsfälle. 

In den vergangenen Tagen waren in der Region zwei junge Menschen an Meningitis gestorben – eine 18-jährige Schülerin und ein an der University of Kent studierender junger Mensch.

Nach Angaben der Behörde mussten alle Betroffenen bis auf einen Fall ins Krankenhaus gebracht werden. Auch in Frankreich wird ein aus Kent zurückgekehrter Mann im Krankenhaus behandelt, er befindet sich jedoch in einem stabilen Zustand. „Dies ist ein sehr ungewöhnlicher Ausbruch“, betonte Robin May, Chief Scientific Officer der britischen Behörde, der BBC.

Für die Allgemeinbevölkerung in der Europäischen Union stuft das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) das Risiko einer invasiven Meningokokken-Erkrankung im Zusammenhang mit dem Ausbruch in Kent als sehr gering ein. 

Gezieltes Impfprogramm für Tausende Menschen

In Großbritannien läuft derzeit ein gezieltes Impfprogramm. Zudem bekommen Tausende Menschen vorsorglich eine Antibiotika-Behandlung. Unter anderem gilt das für die Studierenden der Universität, die Behörde rät zudem Menschen, die Anfang März einen bestimmten Nachtclub in Canterbury besuchten, sich vorbeugend behandeln zu lassen. „Was an diesem Fall besonders bemerkenswert und zugleich unerwartet ist, ist die große Anzahl von Fällen, die offenbar alle auf ein einziges Ereignis zurückzuführen sind“, erklärte May.

Bereits bei begründetem klinischem Verdacht auf eine Meningokokken-Erkrankung soll darum gemäß Meningitis-Leitlinie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) umgehend mit einer Antibiotikatherapie begonnen werden. Die Bakterien werden durch Tröpfcheninfektion übertragen. Die ersten Anzeichen einer Infektion sind oft grippeähnlich – Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit. Bei schwerem Verlauf kann es zu septischem Schock, Organversagen und Hirnschäden kommen.

Impfmüdigkeit lässt Erkrankungszahlen steigen

In Deutschland wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) in den Jahren 2023 bis 2025 jeweils über 100 Meningokokken-B-Fälle registriert. 2025 waren es 123 Erkrankungen, 2026 bislang über 20. Die Todesfallrate betrage sieben bis 15 Prozent, viele Überlebende litten an schweren Langzeitfolgen, heißt es beim RKI. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine Impfung gegen Meningokokken der Untergruppe B für alle Säuglinge ab zwei Monaten.

Grundsätzlich, aber auch angesichts der aktuellen Todesfälle in England, rät die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) zur Impfung gemäß den aktuellen RKI/STIKO-Empfehlungen. „Die Impfung schützt den Geimpften und trägt dazu bei, dass bei das Meningitisrisiko insgesamt deutlich abnimmt. Doch durch die Impfmüdigkeit der Bevölkerung haben Infektionskrankheiten leider wieder Aufwind“, bedauert Berlit. (ej/BIERMANN mit dpa)

 

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Quellen dpa, Deutsche Gesellschaft für Neurologie, European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC)