Zervikales Angioleiomyom als seltene Ursache von Menorrhagie und Beckenschmerzen

Der Hämatoxylin-Eosin-Schnitt zeigt eine perivaskuläre Akzentuierung spindelförmiger glatter Muskelzellen mit umgebendem myxoidem Stroma. (Bild: © 2026 Mohapatra et al.)

Ein zervikales Angioleiomyom ist ein äußerst seltener benigner Tumor, der aufgrund ähnlicher Symptome häufig mit häufigeren gynäkologischen Erkrankungen verwechselt wird. Ein aktueller Fallbericht zeigt, welche Bedeutung eine sorgfältige Diagnostik bei persistierender Menorrhagie und Beckenschmerzen hat.

Ein zervikales Angioleiomyom ist ein äußerst seltener benigner Tumor, der von den glatten Muskelzellen der Blutgefäßwände ausgeht. Aufgrund seiner unspezifischen Symptomatik wird er jedoch häufig mit deutlich häufigeren gynäkologischen Erkrankungen wie Zervixmyomen, Polypen oder einer Adenomyose verwechselt. Ein in „Oncoscience“ veröffentlichter Fallbericht verdeutlicht, dass bei Frauen mit persistierender Menorrhagie und Beckenschmerzen auch diese seltene Differenzialdiagnose in Betracht gezogen werden sollte.

Unspezifische Symptome erschweren die Diagnose

Der Fallbericht beschreibt eine 26-jährige Patientin, die sich mit seit mehreren Monaten bestehenden unregelmäßigen Menstruationszyklen, ausgeprägten Menorrhagien und intermittierenden Beckenschmerzen vorstellte. Laborchemisch zeigte sich infolge des chronischen Blutverlusts eine mittelgradige Anämie. Bei der gynäkologischen Untersuchung wurde eine etwa 6 cm große Raumforderung der Zervix festgestellt. Die transvaginale Sonographie sprach zunächst für ein Zervixmyom oder einen Zervixpolypen und verdeutlichte damit die diagnostische Herausforderung bei dieser seltenen Tumorentität.

MRT und Histopathologie finden die Ursache

Zur weiteren Abklärung erfolgte eine Magnetresonanztomographie (MRT). Diese zeigte eine scharf begrenzte zervikale Raumforderung mit hoher Signalintensität in den T2-gewichteten Sequenzen, was auf eine ausgeprägte Vaskularisierung hindeutete. Aufgrund dieser Bildgebung vermuteten die behandelnden Ärzte ein Angioleiomyom und entschieden sich für die vollständige vaginale Exzision des Tumors.

Die histopathologische Untersuchung ergab spindelförmige glatte Muskelzellen, die konzentrisch um dickwandige Blutgefäße angeordnet waren; Hinweise auf eine Malignität fanden sich nicht. Immunhistochemisch zeigte der Tumor eine Positivität für Smooth Muscle Actin (SMA) und CD34, wodurch die Diagnose eines zervikalen Angioleiomyoms bestätigt wurde. Drei Monate nach dem Eingriff berichtete die Patientin über ein vollständiges Verschwinden der Menorrhagien und Beckenschmerzen. Postoperative Komplikationen traten nicht auf.

Histopathologie bleibt Goldstandard

Ergänzend werteten die Autoren die bislang publizierte Literatur zu dieser seltenen Tumorentität aus. Demnach machen zervikale Angioleiomyome nur einen sehr kleinen Anteil aller Angioleiomyome des weiblichen Genitaltrakts aus; weltweit sind bislang lediglich wenige Fälle beschrieben worden.

Während die Sonographie in der Regel die erste bildgebende Untersuchung darstellt, kann die MRT die vaskulären Eigenschaften des Tumors besser darstellen. Die endgültige Diagnose lässt sich jedoch nur histopathologisch in Kombination mit einer immunhistochemischen Untersuchung stellen. Dies ermöglicht zugleich die Abgrenzung gegenüber anderen benignen und malignen gynäkologischen Tumoren.

Vollständige Exzision ist kurativ

Die Autoren betonen, dass die vollständige chirurgische Entfernung die Therapie der Wahl darstellt. Da es sich um einen benignen Tumor handelt, gilt die vollständige Exzision in der Regel als kurativ. Rezidive sind äußerst selten; eine maligne Entartung wurde bislang nicht beschrieben.

Nach Einschätzung der Autoren kann eine frühzeitige Diagnose unnötige Belastungen für die Patientinnen vermeiden und – sofern klinisch möglich – ein fertilitätserhaltendes Vorgehen erleichtern.

Sie schlussfolgern, dass ein zervikales Angioleiomyom trotz seiner Seltenheit bei jungen Frauen mit persistierenden Menorrhagien und Beckenschmerzen in die Differenzialdiagnose einbezogen werden sollte. Die Kombination aus klinischer Untersuchung, moderner Bildgebung sowie histopathologischer und immunhistochemischer Diagnostik sei entscheidend, um die richtige Diagnose zu stellen und eine adäquate Therapie einzuleiten.

(lj/BIERMANN)