Zirkulierende Tumor-DNA mit hoher Aussagekraft im gesamten Spektrum des Urothelkarzinoms

Die verschiedenen Stadien von Blasenkrebs. Grafik: designua – stock.adobe.com

Wie aussagekräftig ist der Nachweis von zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA) in den verschiedenen Stadien des Urothelkarzinoms (UC) in Bezug auf die Risikoklassifizierung, das Therapie-Monitoring und die Erkennung von Rezidiven? Dieser Frage hat sich ein internationales Team um Erstautor Sanchit Mehta vom B.J. Medical College and Civil Hospital in Ahmedabad (Indien) gewidmet.

In ihrem Review kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass sich stadienorientierte Strategien abzeichnen. Dazu gehörten die Risikobewertung beim nicht muskelinvasiven Blasenkarzinom (NMIBC), die Präzisierung adjuvanter Therapieentscheidungen beim muskelinvasiven Blasenkarzinom (MIBC) sowie das Behandlungsmonitoring beim metastasierten UC. Allerdings mahnen sie, dass die Integration ctDNA-gestützter Ansätze parallel zu einer prospektiven Validierung erfolgen sollte, um eine sichere und effektive Umsetzung zu gewährleisten.

Im Rahmen ihrer Übersichtsarbeit hatten systematische Recherchen in PubMed zu 390 Artikeln geführt, von denen 61 die Einschlusskriterien für die Analyse von Plasma-ctDNA beim UC erfüllten. Unabhängig voneinander screenten zwei Personen diese Artikel, bewerteten sie nach den Kriterien des Joanna Briggs Institute und stratifizierten sie nach dem Krankheitsstadium (NMIBC, MIBC, mUC und Urothelkarzinom des oberen Harntrakts [UTUC]).

Die Wissenschaftler berechneten einfache gepoolte ctDNA-Nachweisraten, die mit fortschreitendem Krankheitsstadium anstiegen: NMIBC (53,2%), MIBC (47,6%), mUC (85,9%) und UTUC (50,5%). Wie sie feststellten, dominierten Mutationen im TERT-Promotor, gefolgt von genomischen Veränderungen in TP53. Ein weiterer Befund war, dass die verwendeten Testverfahren stark zwischen den Studien variierten, wobei das Next-Generation-Sequencing (22,4%) am häufigsten zum Einsatz kam.

Starker prognostischer Marker

Der Auswertung zufolge ermöglichte ctDNA beim NMIBC eine Risikostratifizierung und die Erkennung von Rezidiven. Für das MIBC ergab die Studie IMvigor010, dass Patienten mit positivem ctDNA-Nachweis ein schlechteres Gesamtüberleben (OS) aufweisen (Hazard Ratio 6,3), während IMvigor011 belegte, dass jene mit negativem ctDNA-Befund, die keine adjuvante Therapie erhielten, hervorragende Ergebnisse erzielten (98% OS nach 18 Monaten). Hinsichtlich der Erkennung von Rezidiven erreichte die postoperative Überwachung eine Sensitivität von 94–100%, bei einer Vorlaufzeit von 96-131 Tagen. Für das mUC ergab die Studie KEYNOTE-361, dass eine Verringerung der ctDNA nach 6 Wochen ein verbessertes OS vorhersagte (p<10⁻⁴), während Mutationen des Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptors 3 (FGFR3) mit einer Therapieresistenz korrelierten. Für das UTUC stellte das Team um Korrespondenzautorin Dr. Karine Tawagi von der University of Illinois in Chicago (USA) fest, dass ein präoperativer ctDNA-Anteil von mehr als 2% prädiktiv für ein schlechteres OS war (p<10⁻³).

(sf/ms/BIERMANN)

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