Zöliakie: Übertriebene Vorsicht beim Küssen ist wohl unnötig13. April 2026 Foto: Drobot Dean/stock.adobe.com Für Menschen mit Zöliakie kann die Angst vor einer Gluten-Exposition über die Ernährung hinausgehen und auch den Austausch von Intimitäten betreffen. Autoren einer neuen Studie berichten nun Beruhigendes. von Britta Achenbach Laut einer gerade in „Gastroenterology“ publizierten Arbeit kann Gluten zwar beim Küssen übertragen werden, doch die übertragene Menge sei in der Regel sehr gering und lasse sich mit einer einfachen Maßnahme auf ein unbedenkliches Maß reduzieren, schreiben Erstautorin Anne R. Lee vom Celiac Disease Center des Columbia University Medical Center und Koautoren. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Angst vor versehentlichem Kontakt zu Ängsten, übermäßiger Wachsamkeit und sozialer Vermeidung führen kann, insbesondere im Zusammenhang mit intimen Beziehungen. In der ersten Studie, die die Gluten-Exposition beim Küssen quantifiziert, untersuchten die Autoren den Sachverhalt anhand von zehn Paaren. Diese bestanden aus jeweils einem Partner mit und einem ohne Zöliakie. In der zweiteiligen Studie untersuchten die Forschenden, ob Gluten, das vom Partner ohne Zöliakie aufgenommen wurde, durch einen Kuss mit geöffnetem Mund und Speichelaustausch übertragen werden kann – und falls ja, ob die Menge ein relevantes Risiko für den Partner mit Zöliakie darstellt. In zwei unterschiedlichen Kuss-Protokollen aß der nicht von Zöliakie betroffene Proband zehn Salz-Cracker und küsste anschließend den Partner mit Zöliakie. In einem anderen Szenario – durchgeführt an einem anderen Tag – trank der Studienteilnehmer ohne Zöliakie unmittelbar nach dem Verzehr der Cracker 120 ml Wasser und küsste den Partner mit Zöliakie erst dann. Die wichtigsten Ergebnisse: Der Glutengehalt im Speichel lag in 90 Prozent aller Proben unter 20 ppm – dem Grenzwert, der für glutenfreie Produkte als für Menschen mit Zöliakie sicher gilt. Nur in zwei von 20 Fällen wurde der Wert von 20 ppm überschritten. Und: Selbst in diesen Fällen war die insgesamt aufgenommene Menge von Gluten verschwindend gering und konnte vernachlässigt werden. Keine Speichelprobe überschritt den Wert von 20 ppm, wenn der Partner ohne Zöliakie vor dem Küssen Wasser getrunken hatte. Tatsächlich enthielten 60 Prozent der Speichelproben nach dem Trinken überhaupt kein nachweisbares Gluten (unter 5 ppm). Angst kann Dating-Verhalten deutlich beeinträchtigen Dass die Sorge um eine Übertragung relevanter Glutenmengen beim Küssen für Zöliakiepatienten durchaus ein größeres Problem beim Knüpfen romantischer Bande ist, hatte in der jüngeren Vergangenheit eine andere Untersuchung gezeigt, die ebenfalls am Celiac Disease Center des Columbia University Medical Center durchgeführt wurde. Zur Teilnahme hatten damals Erstautorin Jessica Lebovitz und Kollegen Personen eingeladen, die an einer mittels Biopsie bestätigen Zöliakie litten. Insgesamt 538 Patienten füllten einen Online-Fragebogen vollständig aus. Dabei machten sie Angaben zu Verhaltensweisen beim Dating im Zusammenhang mit ihrer Zöliakie, füllten einen Fragebogen zur sozialen Angst (SAQ) aus und lieferten Informationen für die Anwendung eines Instruments, mit dem sich die Lebensqualität im Zusammenhang mit Zöliakie erfassen lässt (CD-QOL). Bereits Erfahrungen mit Dates, bei denen Zöliakie eine Rolle spielte, hatten 44,3 Prozent der Befragten, und 68,4 Prozent dieser Betroffenen stufte den Einfluss der Zöliakie auf ihr Dating-Leben als mittelstark bis stark ein. Mit 39,3 Prozent mehr als ein Drittel fühlte sich bei romantischen Verabredungen unwohl und fast ebenso viele (39%) zögerten aufgrund ihrer Zöliakie, den Dating-Partner zu küssen. Bei Frauen war dies deutlich häufiger der Fall als bei Männern (41,1% vs. 22,7%).
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