Zusammenhang zwischen Atopie und Fehlbesiedelung des Dünndarms

Mann mit Darmproblemen
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Allergien werden üblicherweise mit dem Immunsystem, genetischen Faktoren und Umweltfaktoren in Verbindung gebracht. Zunehmend rückt ein weiteres Element in diesem Puzzle in den Fokus: die Darmmikrobiota.

Ein aktuelles Review, veröffentlicht im „International Journal of Molecular Sciences“, legt nahe, dass eine bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms (Small Intestinal Bacterial Overgrowth, SIBO) mit einer Verschlechterung der Symptome bei atopischen Erkrankungen wie bronchialem Asthma, Nahrungsmittelallergien oder chronischer Urtikaria assoziiert sein kann.

Vermehrt positiver Atemtest auf SIBO

SIBO bezeichnet eine übermäßige bakterielle Vermehrung im Dünndarm. Sie kann gastrointestinale Symptome wie Blähungen, Diarrhö oder abdominelle Schmerzen verursachen. Eine wachsende Zahl von Studien weist jedoch darauf hin, dass ihre Auswirkungen über den Verdauungstrakt hinausreichen. Störungen der Darmmikrobiota können das Immunsystem über die sogenannte Darm–Immun-Achse beeinflussen. In der Folge kann eine intestinale Dysbiose zur Exazerbation atopischer Erkrankungen beitragen, die die Atemwege, die Haut oder den Gastrointestinaltrakt betreffen.

Die Analyse der verfügbaren Studien zeigt, dass positive Atemtestergebnisse auf SIBO bei Patienten mit folgenden Erkrankungen häufiger beobachtet werden:

  • Asthma bronchiale
  • Nahrungsmittelallergien
  • Mastzellaktivierungssyndrom
  • chronische spontane Urtikaria.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass SIBO eine direkte Ursache dieser Erkrankungen ist.

„Es wird geschätzt, dass in der Allgemeinbevölkerung SIBO bei bis zu etwa 20 Prozent gesunder Personen vorkommt, während es für Allergiker keine belastbaren Daten gibt. Die meisten Studien weisen jedoch auf eine Korrelation zwischen einem positiven Atemtestergebnis und Allergiesymptomen hin“, erklärt Dr. Krzysztof Gomułka von der Medizinischen Universität Breslau (Polen). Wie der Forscher betont, beziehen sich viele der verfügbaren Daten auf Kinder. Daher sind weitere Studien bei Erwachsenen erforderlich.

Kann eine SIBO-Behandlung die Symptome bessern?

Die Beziehung zwischen SIBO und Allergien kann praktische Implikationen für die Behandlung bestimmter Patienten haben. „Die größte Chance auf eine Symptomverbesserung nach der Diagnostik und Behandlung von SIBO besteht möglicherweise bei Patienten mit bronchialem Asthma, Nahrungsmittelallergien und chronischer spontaner Urtikaria“, sagt Gomułka.

Der Mechanismus dieser Beziehung kann in beide Richtungen wirken. Einerseits kann SIBO zu einem sogenannten Leaky Gut, also zu einer erhöhten intestinalen Permeabilität, führen, die Entzündungen und allergische Reaktionen begünstigt. Andererseits kann die mit Atopie assoziierte chronische Entzündung die Darmfunktion stören und das bakterielle Überwachstum fördern.

Weiterführende Diagnostik bei klinischen Warnsignalen

Die Diagnostik auf SIBO gehört bei Patienten mit Allergien bislang nicht zur Standardversorgung. Es gibt jedoch Situationen, in denen sie in Betracht gezogen werden sollte. „Ein Warnsignal kann eine plötzliche Verschlechterung des Verlaufs einer allergischen Erkrankung oder das Auftreten neuer Symptome trotz laufender Behandlung sein“, betont Gomułka. In solchen Fällen kann eine gründlichere Beurteilung des Zustands des Patienten und eine Erweiterung der Diagnostik, einschließlich einer Abklärung auf SIBO, erforderlich sein.

Die Forschenden betonen, dass weitere Studien notwendig sind, um die Beziehung zwischen SIBO und atopischen Erkrankungen besser zu verstehen. Sollten zukünftige Ergebnisse diese Assoziation bestätigen, könnten die Diagnostik und Behandlung von Störungen der Darmmikrobiota zu einem wichtigen Bestandteil der Therapie für einige Patienten mit Allergien werden. (ins)