Zwangserkrankungen erfolgreich online therapieren20. Mai 2025 In Kooperation mit dem Karolinska-Institut in Stockholm, Schweden, wurde am UKL eine onlinebasierte kognitive Verhaltenstherapie als spezielles Behandlungsprogramm für Zwangserkrankungen etabliert. (Quelle: Julia Scholl) Eine aktuelle Studie der Psychiatrischen Institutsambulanz des Universitätsklinikums Leipzig (UKL) hat die Wirksamkeit einer extra für Patienten mit Zwangserkrankungen entwickelten Onlinetherapie bestätigt. Wenn Menschen immer wieder Hände waschen, weil sie befürchten, dass sie sonst Krankheiten übertragen, oder ihre Wohnung nur verlassen können, wenn sie mehrfach kontrolliert haben, dass alle Fenster und Türen verschlossen sind, leiden sie wahrscheinlich an einer Zwangserkrankung. Über die Ursachen dieser Form der psychischen Störung ist bisher wenig bekannt. Auch wird sie laut Experten wie Prof. Christine Rummel-Kluge vom Universitätsklinikum Leipzig häufig nicht richtig erkannt. In der Folge und weil psychische Erkrankungen nach wie vor mit großer Scham behaftet sind, kommen Betroffene erst mit großer Verzögerung in Behandlung. „Wir sprechen hier von zehn Jahren und mehr, was uns vor große Herausforderungen stellt. Denn je länger eine Erkrankung dauert, desto schwieriger lässt sie sich behandeln.“ Um dem entgegenzuwirken, hat die Leiterin der Psychiatrischen Institutsambulanz des UKL in Kooperation mit dem schwedischen Karolinska-Institut in Stockholm 2020 ein spezielles Behandlungsprogramm ans UKL geholt: eine onlinebasierte kognitive Verhaltenstherapie (OCD-NET). Laut der Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie ein Novum auf dem Gebiet der Zwangserkrankungen in Deutschland. Entsprechend groß sei die Nachfrage. „Viele Menschen motiviert der Gedanke, dass sie das Programm an ihren Alltag anpassen können und sie sich keine Gedanken darüber machen müssen, wie sie die Behandlung mit Arbeit, Kinderversorgung und Haushalt in Einklang bringen.“ Voraussetzung dafür ist, dass sich die Patienten einmal persönlich im UKL vorgestellt und eine ausführliche Diagnostik durchlaufen haben. Letztere ist für den Erfolg der Therapie entscheidend – und immer wieder eine Gratwanderung. „Für Menschen mit schwerer Zwangsstörung wäre eine stationären Behandlung oftmals die bessere Option“, erklärt Rummel-Kluge, „allerdings wissen wir, dass es Patienten, die Angst haben, Krankheiten zu übertragen, zum Beispiel nur sehr schlecht in medizinischen Einrichtungen aushalten.“ Ist die Entscheidung für die Online-Therapie gefallen, absolvieren die Teilnehmer zehn Wochen lang ein Curriculum von zehn Modulen. Dabei lernen sie, von den Mitarbeitern der Psychiatrischen Institutsambulanz begleitet, mit ihrer Erkrankung umzugehen. Die Rückmeldungen der Patienten sowie die anhaltend hohe Nachfrage bestätigen Rummel-Kluge und Kollegen in der Entscheidung, die Therapie nach Leipzig geholt zu haben – und bestärkt sie, das Angebot weiter auszubauen.
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