ASCO 2026: Adjuvantes Selpercatinib verlängert ereignisfreies Überleben beim RET-positiven NSCLC1. Juni 2026 Selpercatinib-Molekül, die Atome sind als Kugeln mit konventioneller Farbcodierung dargestellt: Wasserstoff (weiß), Kohlenstoff (grau), Stickstoff (blau), Sauerstoff (rot). Bild: ©molekuul.be – stock.adobe.com Eine adjuvante Behandlung mit Selpercatinib kann dazu beitragen, das Risiko zu senken, dass der Krebs bei Patienten mit frühem RET-positiven Nichtkleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC) zurückkehrt, fortschreitet oder zum Tod führt. Diese Ergebnisse der LIBRETTO-432-Studie wurden auf der Jahrestagung 2026 der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt, die vom 29. Mai bis 2. Juni in Chicago stattfindet. „Obwohl sie sich einer Operation oder Bestrahlung unterzogen haben – gefolgt von einer adjuvanten Chemo- oder Immuntherapie –, erleiden bis zu zwei Drittel der Patienten mit NSCLC im Frühstadium ein Rezidiv und versterben letztlich möglicherweise an der metastasierten Erkrankung. Für die Untergruppe von Patienten, deren Tumoren RET-Fusionen aufweisen, ist bislang keine adjuvante zielgerichtete Therapie zugelassen; dies hinterlässt eine bedeutende Versorgungslücke für diese Patientengruppe“, führte der leitende Studienautor Dr. Jonathan Goldman von der University of California, Los Angeles, aus. LIBRETTO-432 testet Selpercatinib in einem früheren Stadium Selpercatinib ist ein zielgerichtetes Therapeutikum, dessen Wirkmechanismus auf der Blockierung des abnormalen RET-Proteins beruht, das infolge einer RET-Fusion gebildet wird. Für die Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem RET-positiven NSCLC ist es bereits zugelassen. Im Rahmen dieser Studie wollten die Forscher untersuchen, ob das Medikament auch die Behandlungsergebnisse bei Patienten mit einer Erkrankung im früheren Stadium verbessern kann. In der klinischen Phase-III-Studie LIBRETTO-432 wurden 151 Teilnehmer aus 22 verschiedenen Ländern, die an einem RET-positiven NSCLC im Stadium IB-IIIA litten und bereits eine Vorbehandlung erhalten hatten, nach dem Zufallsprinzip einer von zwei Gruppen zugeteilt: Sie erhielten entweder adjuvantes Selpercatinib (75 Teilnehmer) oder ein Placebo (76 Teilnehmer) über einen Zeitraum von bis zu drei Jahren im Anschluss an ihre Primärbehandlung. Primäre Analyse von stärker gefährdeten Patienten Die primäre Analyse umfasste 109 Teilnehmer mit einer Erkrankung im Stadium II bis IIIA. Diese Teilnehmer wiesen ein fortgeschritteneres Frühstadium der Erkrankung sowie ein höheres Rezidivrisiko auf. Die mediane Nachbeobachtung betrug 24 Monate für die Teilnehmer der Selpercatinib-Gruppe und 27 Monate für jene in der Placebo-Gruppe. Der geplante dreijährige Nachbeobachtungszeitraum war zum Zeitpunkt dieser Analyse noch nicht erreicht, und die Studie läuft weiterhin. Bei den Studienteilnehmern mit einer Erkrankung im Stadium II-IIIA zeigte sich unter der Gabe von Selpercatinib ein signifikant verbessertes EFS – das mediane EFS wurde bei ihnen nicht erreicht, während es in der Placebo-Gruppe bei 31,8 Monaten lag. Nach zwei Jahren betrug die EFS-Rate 91,5 Prozent vs. 61,1 in der Placebo-Gruppe. Insgesamt senkte Selpercatinib das Risiko für ein Rezidiv oder Tod im Vergleich zum Placebo um etwa 83 Prozent. Unter Berücksichtigung aller Studienteilnehmer wurde das EFS in keiner der beiden Behandlungsgruppen erreicht. Die häufigsten schwerwiegenden Nebenwirkungen in der Selpercatinib-Gruppe waren erhöhte Werte der Alanin-Aminotransferase sowie der Aspartat-Aminotransferase – beides Indikatoren für mögliche Leberschäden. Zu den weiteren häufigen Nebenwirkungen von Selpercatinib zählten Mundtrockenheit, Durchfall und Bluthochdruck; die meisten dieser Nebenwirkungen waren leichter Natur und ließen sich durch eine Anpassung der Behandlungsdosis beherrschen. Insgesamt verstarben drei Studienteilnehmer an Lungenkrebs; alle drei gehörten der Placebogruppe an. ASCO-Perspektive: Ergebnisse verändern die Praxis unmittelbar „Dies ist die erste und einzige randomisierte Phase-III-Studie, die einen RET-Kinase-Inhibitor als adjuvante Therapie beim NSCLC im Frühstadium mit RET-Alterationen untersucht. Diese überzeugenden Ergebnisse etablieren einen neuen Behandlungsstandard für eine seltene Subgruppe des Lungenkrebses und sind unmittelbar praxisverändernd. LIBRETTO-432 unterstreicht die Notwendigkeit umfassender Biomarker-Tests in allen Stadien des NSCLC“, erklärte Dr. David R. Spigel, Präsident und Chief Medical Officer am Sarah Cannon Research Institute sowie ASCO-Experte für Lungenkrebs. Die Forscher planen eine längere Nachbeobachtungsphase, um eine fundiertere Bewertung der sekundären Endpunkte – einschließlich des Gesamtüberlebens – zu ermöglichen, zusätzliche Erkenntnisse zu verschiedenen Subgruppen (wie etwa Patienten im Stadium IB der Erkrankung) zu gewinnen und die Gesamtdatenbasis weiter zu festigen. Diese Studie wurde von Eli Lilly and Company finanziert. Lesen Sie mehr zu Lungenkrebs: Zweimal hinschauen: Eignung rauchender Lungenkrebspatienten für eine chirurgische Resektion Lungenkrebs-Screening: Intervention kann Teilnahme an Folgeuntersuchungen fördern, wichtig für zunächst unauffällige Raucher
Mehr erfahren zu: "Darmkrebs: Wie BRAF-mutierte Tumoren dem Immunsystem entkommen" Darmkrebs: Wie BRAF-mutierte Tumoren dem Immunsystem entkommen Heidelberger Wissenschaftler haben einen Mechanismus identifiziert, mit dem eine besonders aggressive Form von Darmkrebs der Immunabwehr entkommt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Aktivierung des WNT-Signalwegs den Krebszellen dabei hilft, das […]
Mehr erfahren zu: "Anzahl vermeidbarer Behandlungsfehler leicht gestiegen" Anzahl vermeidbarer Behandlungsfehler leicht gestiegen Auch bei medizinischen Eingriffen kommen Pannen vor – und die Folgen können gravierend sein. Besonderes Augenmerk liegt auf Fehlern, die eigentlich nicht vorkommen sollten. Die Dunkelziffer ist hoch.
Mehr erfahren zu: "Gebärmutterhalskrebs-Screening: Bundesweite Krebsregisterdaten zeigen erste positive Effekte" Gebärmutterhalskrebs-Screening: Bundesweite Krebsregisterdaten zeigen erste positive Effekte Eine neue Analyse der deutschen Krebsregister deutet darauf hin, dass das Gebärmutterhalskrebs-Screening Wirkung zeigt: In den Daten zeichnen sich eine verbesserte Früherkennung und ein Rückgang invasiver Adenokarzinome ab.