Ein gängiges Cholesterinmedikament könnte Eierstockkrebs angreifbarer machen14. Mai 2026 Symbolbild © tashatuvango/stock.adobe.com Die Flüssigkeit, die viele Ovarialtumoren umgibt, hilft ihnen beim Überleben, indem sie sie vor Ferroptose schützt. Ein weit verbreitetes Medikament könnte jedoch dabei helfen, diese Abwehr zu zerschlagen und den Eierstockkrebs angreifbarer zu machen. Eine Flüssigkeit, die Frauen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs nur allzu gut kennen – der Aszites, eine Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum –, könnte mehr bewirken, als lediglich Beschwerden zu verursachen. Eine staatlich geförderte Studie der Duke University School of Medicine (USA) hat ergeben, dass diese Flüssigkeit Krebszellen dabei unterstützt, zu überleben und sich auszubreiten – und dass ein jahrzehntealtes Cholesterinmedikament diesen Schutzmechanismus möglicherweise unterbinden kann. Die Ergebnisse, die auf Laborexperimenten und der Analyse von Patientenproben basieren, belegen zwar nicht, dass das Medikament Eierstockkrebs heilt. Sie legen jedoch nahe, dass eine Veränderung der Umgebung, auf die der Krebs angewiesen ist, ihn für bestehende Krebstherapien angreifbarer machen könnte. „Ärzte haben Aszites bislang meist eher als Symptom denn als aktiven Treiber der Erkrankung betrachtet“, erklärt der leitende Studienautor Jen-Tsan Chi, PhD, Professor am Fachbereich für Molekulargenetik und Mikrobiologie sowie Co-Leiter des Programms für Krebsbiologie am Duke Cancer Institute. „Wir haben nun gelernt, dass er dem Krebs einen Überlebensvorteil verschafft – eine Erkenntnis, die eine wesentliche Lücke im Verständnis der Ausbreitung von Eierstockkrebs schließt.“ Ärzte punktieren den Aszites, um Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und die Atmung zu erleichtern; dies verschafft den Patienten Erleichterung, auch wenn es die Krankheit selbst nicht aufhält. Diese Flüssigkeit tritt bei 90 Prozent aller Patientinnen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs auf. Der neuen Studie zufolge fungiert sie zudem als Schutzschild, das den Krebszellen hilft, einer spezifischen Form des Zelltods – der Ferroptose – zu entgehen. Aszites blockiert Ferroptose in Krebszellen Ferroptose lässt sich als eine Art zellulärer Rostprozess beschreiben. Sie tritt auf, wenn Eisen im Zellinneren mit bestimmten Fetten reagiert und dadurch die Zellmembran zum Zerfall bringt. Viele metastasierende Krebszellen – also jene, die frei durch den Bauchraum schweben und nach neuen Orten für ihr Wachstum suchen – sind von Natur aus anfällig für diese Art von Schädigung. Die neue Studie, die in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht wurde, zeigt nun auf, wie es ihnen dennoch gelingt, zu überleben. Die Wissenschaftler kultivierten Krebszelllinien sowie aus Patientenproben gewonnene Tumorzellen in echtem Aszites, der zuvor von Patienten entnommen worden war, und beobachteten, wie die Zellen auf Auslöser der Ferroptose reagierten. Die Flüssigkeit schützte die Krebszellen, indem sie deren Art der Fettspeicherung sowie die Regulation des Eisenspiegels veränderte und so den Zelltod effektiv blockierte. Für diesen Schutz waren lediglich Spurenmengen der Flüssigkeit erforderlich: Schon ein Anteil von nur zwei Prozent Aszites genügte, um die Krebszellen vor der Zerstörung zu bewahren – und das, obwohl diese Zellen im Körper der Patienten vollständig von der Flüssigkeit umschlossen sind. „Was uns dabei überraschte, war die hohe Selektivität dieses Effekts“, berichtet die Erstautorin der Studie, Yasaman Setayeshpour, Doktorandin der Molekulargenetik und Mikrobiologie an der Duke University School of Medicine. „Aszites schützte die Krebszellen nicht vor anderen bekannten Arten des Zelltods – wie Apoptose oder Nekrose –, sondern blockierte lediglich die Ferroptose. Um herauszufinden, woran das lag, zerlegten wir den Aszites in seine Hauptbestandteile – wie Lipide, Proteine und kleine Moleküle – und untersuchten, was geschah, wenn wir die einzelnen Komponenten entfernten. Als wir die Lipide entfernten, verschwand die schützende Wirkung. Das zeigte uns, dass die Lipide der entscheidende Grund dafür sind, dass Aszites diesen Krebszellen beim Überleben hilft“, erläutert sie. Bezafibrat stellt die Empfindlichkeit gegenüber Ferroptose wieder her Doch die Forscher stießen auf einen unerwarteten Helfer: Bezafibrat – ein älteres Cholesterinmedikament, das zur Senkung der Triglyceridwerte eingesetzt wird, indem es die Art und Weise verändert, wie der Körper Fette verstoffwechselt. „Die Idee hinter der Erprobung lipidsenkender Medikamente bestand darin, die Vorgänge nachzuahmen, die ablaufen, wenn Lipide aus dem Aszites entfernt werden“, erklärt Setayeshpour. Das Cholesterinmedikament stellte die Empfindlichkeit gegenüber Ferroptose wieder her – allerdings nur dann, wenn Aszites vorhanden war. Als alleinige Therapie löste das Medikament weder einen Zelltod aus, noch verlangsamte es das Tumorwachstum bei Mäusen. Die Wirkung des Medikaments hing somit maßgeblich von der Umgebung des Tumors ab – in diesem Fall von der fettreichen Flüssigkeit, in der der Tumor eingebettet war. Die Forscher stellten fest, dass ein gezielter Eingriff in dieses Tumormilieu – etwa durch die Umwidmung bereits zugelassener Medikamente wie Bezafibrat – dazu führen könnte, dass Krebszellen für bestehende Krebstherapien wieder angreifbarer werden. Chi merkt an, dass diese Erkenntnisse auch über das Ovarialkarzinom hinaus von Bedeutung sein könnten. Denn auch andere Krebsarten – darunter Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs – können sich innerhalb der Bauchhöhle ausbreiten. „Diese Studie verdeutlicht, welch entscheidende Rolle das Tumormilieu spielt“, so Chi. „Biologische Flüssigkeiten wie Aszites bieten den Krebszellen nicht bloß einen Raum, in dem sie sich bewegen können; sie tragen vielmehr aktiv dazu bei, die Ausbreitung des Krebses voranzutreiben.“ (lj/BIERMANN) Auch interessant zum Thema Eierstockkrebs: Einfluss der Wartezeit bis zur Diagnose auf die Überlebensrate bei Eierstockkrebs Eierstockkrebs: Fettgewebe beeinflusst Wirksamkeit der Immuntherapie
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