COVID-19 erhöht das Anfallsrisiko21. November 2022 Nach einer COVID-Erkrankung steigt das Anfalls- und Epilepsie-Risiko – bei Kindern stärker als bei Erwachsenen. (Foto: © lagom – stock.adobe.com) In den ersten sechs Monaten nach einer COVID-19-Erkrankung ist das Risiko für Krampfanfälle zwar insgesamt niedrig, aber höher als nach einer Grippeerkrankung. Dies betrifft vor allem Kinder. Menschen mit einer COVID-19-Infektion haben ein höheres Risiko, innerhalb der nächsten sechs Monate Krampfanfälle oder Epilepsie zu entwickeln als Menschen mit Influenza. Der Studie in „Neurology“ zufolge ist dieser Zusammenhang bei Kindern stärker ausgeprägt als bei Erwachsenen. „Obwohl das Gesamtrisiko, in Folge von COVID-19 Krampfanfälle oder Epilepsie zu entwickeln, weniger als ein Prozent beträgt, könnte dies angesichts der großen Zahl von Menschen, die mit COVID-19 infiziert waren, zu einem Anstieg der Zahl der Menschen mit Krampfanfällen und Epilepsie führen“, sagte Studienautor Dr. Arjune Sen von der Universität Oxford in England. „Das erhöhte Risiko von Krampfanfällen und Epilepsie bei Kindern ist ein weiteres Argument, COVID-19-Infektionen bei Kindern möglichst zu verhindern.“ Für die Studie analysierten die Forscher 860.934 elektronische Krankenakten und extrahierten daraus zwei Kohorten mit jeweils 152.754 Patienten, die entweder an COVID-19 oder Influenza erkrankt waren. Dabei zeigte sich, dass bei Personen, die sich mit dem Corona-Virus infiziert hatten, die Wahrscheinlichkeit, in den folgenden sechs Monaten Epilepsie oder Krampfanfälle zu entwickeln, um 55 Prozent höher war als bei Personen, die an Influenza erkrankt waren (HR im Vergleich zur Influenza 1,55; 95 %-KI 1,39-1,74). Die Inzidenz von Krampfanfällen innerhalb von sechs Monaten nach einer COVID-19-Erkrankung betrug 0,81 Prozent (95 %-Konfidenzintervall [KI] 0,75-0,88). Die Inzidenz von Epilepsie lag bei 0,30 Prozent (95 %-KI 0,26–0,34; HR im Vergleich zur Influenza 1,87 (95 %-KI 1,54-2,28). Die HR für Epilepsie nach COVID-19 war im Vergleich zur Influenza höher bei Personen, die mit COVID-19 nicht im Krankenhaus waren, und bei Personen unter 16 Jahren. Der Zeitpunkt des höchsten HR-Wertes nach der Infektion unterschied sich nach Alter und Hospitalisierungsstatus. „Diese Ergebnisse sollten mit Vorsicht interpretiert werden, da das Gesamtrisiko gering ist“, sagte Sen. „Wir empfehlen jedoch, dass Angehörige der Gesundheitsberufe besonders auf Personen achten sollten, die möglicherweise subtilere Merkmale von Anfällen aufweisen, beispielsweise fokale Anfälle ohne Bewusstseinsstörung – insbesondere in den drei Monaten nach einer weniger schweren COVID-19-Infektion.” (ej)
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