DDW 2019: Fäkaler Mikrobiomtransfer bei Adipositas14. Mai 2019 Foto: © F16-ISO100/Adobe Stock Mithilfe von Kapseln, die Darmmikrobiom eines schlanken Spenders enthalten, lässt sich die Zusammensetzung der Darmflora von adipösen Menschen teilweise verändern. Dieser Ansatz stellt somit einen möglichen Schritt hin zu einer neuen therapeutischen Möglichkeit der Gewichtsreduktion dar. Das berichteten Wissenschaftler auf der diesjährigen Digestive Disease Week (DDW). Es handelt sich nach Angaben der Forscher um die erste randomisierte, kontrollierte Studie zum fäkalen Mikrobiom-Transfer (FMT) bei stoffwechselgesunden, adipösen Personen zum Zwecke der Gewichtsreduktion. „In unserer Klinik sehen wir Patienten, die tatsächlich keine weiteren medizinischen Probleme haben, aber einfach nicht abnehmen können. Es handelt sich um eine sehr wichtige Patientenpopulation, die wir einmal in den Mittelpunkt stellen und und zu deren Verständnis wir beitragen wollten“, sagte Dr. Jessica Allegretti , Hauptautorin der Studie und Leiterin des FMT-Programms am Brigham and Women’s Hospital in Boston. Die Pilotstudie umfasste 22 fettleibige Patienten, die aber keine der Begleiterkrankungen aufwiesen, die häufig mit Adipositas assoziiert sind, wie Diabetes oder Lebererkrankungen. Während der 12-wöchigen Studie erhielt eine Hälfte der Patienten FMT-Kapseln, die Mikrobiom von einem schlanken Spender enthielten, die andere Hälfte bekam Placebo-Kapseln mit identischem Aussehen. Die Forscher suchten dann nach Veränderungen des Darmhormons Glucagon-ähnlichen Peptid 1 (GLP1), das mit dem Sättigungsreflex assoziiert ist und mit Gewichtszu und -abnahme zusammenhängt. Ein potenzieller Gewichtsverlust war ein sekundärer Endpunkt der Studie. Zwar deuteten erste Studienergebnisse nicht auf Veränderungen des GLP-1 hin, doch beobachteten die Forscher andere Veränderungen bei den Mikrobiota der FMT-Empfänger. Diese bestanden in einer Abnahme einer bestimmten Gallensäure und in Veränderungen in Stuhlproben, die auf eine diesbezügliche größere Ähnlichkeit mit dem Mikrobiom der Spender hindeuteten als zuvor. „Unsere Studie ist ein ermutigender erster Schritt hin zum Verständnis der Rolle des Darmmikrobioms bei metabolisch gesunden Menschen mit Adipositas“, sagt Allegretti. Das werde hoffentlich in Zukunft auch bei gezielteren Therapien helfen. Die Forscher wollen nun nach empfindlicheren GLP1-Maßen forschen und verschiedene Dosierungen von fäkalem Material untersuchen, um die Rolle des Mikrobioms bei Adipositas besser zu verstehen. „Die Daten zur Gallensäure sind zweifellos sehr interessant und legen nahe, dass möglicherweise ein oder mehrere unterschiedliche Übertragungsbahnen beteiligt sind“, fügt Allegretti hinzu. „Adipositas ist eine sehr komplexe Erkrankung, und ein multifaktorieller Prozess steht wahrscheinlich im Mittelpunkt ihrer Entwicklung.“ Allegretti J. Fecal microbiota transplantation for the treatment of obesity: a randomized, placebo-controlled pilot Trial. Abstract 620.
Mehr erfahren zu: "Pankreaskarzinom: Eine mögliche neue Strategie zur Überwindung der Immuntherapieresistenz" Pankreaskarzinom: Eine mögliche neue Strategie zur Überwindung der Immuntherapieresistenz Zelluläre und Immuntherapien funktionieren derzeit bei Bauchspeicheldrüsenkrebs leider nicht oder nur unzureichend. Nun zeigen neue Forschungsergebnisse, dass dies unter anderem an einem speziellen Botenstoff liegt.
Mehr erfahren zu: "„MeinLogbuch“: Ein innovativer Wegbegleiter für kranke Kinder und Jugendliche" „MeinLogbuch“: Ein innovativer Wegbegleiter für kranke Kinder und Jugendliche Um junge Patienten mit einer schweren oder chronischen Erkrankung auf ihrem Weg von der Erstdiagnose bis zur Nachsorge bestmöglich zu unterstützen, wurde an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der […]
Mehr erfahren zu: "Große Studie belegt: Krebsrisiko ist für unverheiratete Erwachsene deutlich höher" Große Studie belegt: Krebsrisiko ist für unverheiratete Erwachsene deutlich höher Laut einer großen US-amerikanischen Studie haben unverheiratete Erwachsene ein deutlich höheres Krebsrisiko als Verheiratete. Das erhöhte Risiko betrifft nahezu alle wichtigen Krebsarten und ist besonders ausgeprägt bei vermeidbaren Krebsarten – […]