DGHNO-KHC-Jahresversammlung 2026, was morgen Standard sein kann

DGHNO-KHC-Jahresversammlung 2026. Foto: Susann Bargas-Gomez/DGHNO-KHC

Wie faszinierend Kopf-Hals-Chirurgie sein kann, konnten über 3.000 Teilnehmende bei der 97. DGHNO-KHC-Jahresversammlung erleben. Weitere Themen waren etwa Antibiotikatherapie in der HNO-Heilkunde, Gentherapie oder die Notfallreform.

Engagiert führte Prof. Thomas Hoffmann, Kongresspräsident und amtierender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC), durch interdisziplinären Kongress. Wissenschaftlich auf hohem Niveau und in entspannter Atmosphäre präsentierten und diskutierten Experten aus 41 Nationen alle Bereiche der HNO in einem umfassenden Programm.

Kongresspräsident Thomas Hoffmann bei der
feierlichen Eröffnung. Foto: Susann Bargas-Gomez/DGHNO-KHC

Mit dem Motto „Faszination Kopf-Hals-Chirurgie“ brachte es Hoffmann bei der feierlichen Eröffnung der DGHNO-KHC-Jahresversammlung 2026 auf den Punkt. Das in der Verbindung von Heilkunde mit chirurgischen Eingriffen breit aufgestellte Fach bleibe angesichts der aktuellen rasanten Entwicklungen hochspannend. „Qualitätskontrollen können das hohe Niveau halten“, betonte der Kongresspräsident.

DGHNO-KHC-Jahresversammlung mit über 800 Vorträgen

„Hochqualifiziertes Training und Weiterbildung eröffnen neue Perspektiven personalisierter Medizin. Präzision und Sicherheit werden immer weiter erhöht, um die Prognose für unsere Patienten zu verbessern“, so Hoffmann weiter. Ein lebenslanger Ausbildungsprozess mit begleitender Fehlerkultur und der richtige Umgang mit Komplikationen seien wichtige Zwischenstufen zum Erfolg. Entscheidend sei es, die Faszination für das besonders herausfordernde Fach schon jungen Ärzten frühzeitig in ihrer Ausbildung zu vermitteln.

In über 850 nationalen und internationalen Vorträgen und 12 gut besuchten Joint Meetings präsentierten die Vortragenden neueste Entwicklungen. Themen waren Kopf-Hals-Onkologie, der Schädelbasis-, Orbita- und Mittelohrchirurgie sowie der Versorgung mit Cochlea-Implantaten. Die hohe Zahl der aktiv beteiligten HNO-Expertinnen und -Experten zeigte welche enorme Bandbreite das komplexe Fach interdisziplinär zu bieten hat.

Die versammelten Experten erarbeiteten interdisziplinär neue diagnostische und therapeutische Strategien zu übergreifenden Krankheitsbildern. Wichtige Diskussionsschwerpunkte lagen in der grundlagenwissenschaftlichen und translationalen Forschung, in hochqualitativen, prospektiven Studienergebnissen und dem aktuellen Stand evidenzbasierter Medizin zu HNO-Fragestellungen. 

Neue Strategien zur Antibiotikatherapie

Ein weiteres vieldiskutiertes Thema DGHNO-KHC-Jahresversammlung waren neue Strategien zur Antibiotikatherapie in der HNO-Heilkunde. Prof. Bernhard Olzowy, Landsberg stellte Leitlinie und Integration der perioperativen Abdeckung vor. Olzowy betonte, dass rund 85 Prozent aller Antibiotikaverordnungen im ambulanten Bereich erfolgen, viele davon bei typischen HNO-Infektionen. Umso wichtiger sei eine präzise Diagnostik als Grundlage jeder Therapieentscheidung.

Mit den 2025 aktualisierten Leitlinien zur perioperativen Prophylaxe und zur Antibiotikatherapie von HNO-Infektionen liegt hierfür eine evidenzbasierte Basis vor. Kernaussage: Antibiotika sollten gezielt, möglichst schmal wirksam und nur so kurz wie nötig eingesetzt werden, um Resistenzen und Nebenwirkungen zu reduzieren.

Entwicklung der OTOF-Gentherapie bei Ertaubung

Gentherapeutische Ansätze zur Behandlung genetisch bedingter Schwerhörigkeit haben mit klinischen Studien in Deutschland und der ersten FDA-Zulassung im April 2026 eine neue Phase erreicht. Im Fokus steht unter anderem die Therapie von Otoferlin-bedingter Taubheit. Hier soll durch das Einbringen einer funktionierenden Genkopie direkt im Innenohr die Ursache der Erkrankung behandelt werden. Prof. Hubert Löwenheim, Tübingen, betont, dass die Gentherapie das Cochlea-Implantat nicht ersetzt, sondern künftig als zusätzliche, individualisierte Behandlungsoption etabliert werden könnte. Noch werden deren Chancen und Grenzen intensiv diskutiert werden – auch auf der DGHNO-KHC-Jahresversammlung.

Notfallreform – Auswirkungen auf die Versorgung der HNO-Heilkunde

Die DGHNO-KHC sieht in der geplanten Reform der Notfallversorgung mit Integrierten Notfallzentren (INZ) sowohl Chancen als auch Risiken für die HNO-Versorgung. Sie warnt insbesondere davor, dass HNO-Notfälle im bisherigen Konzept nicht ausreichend berücksichtigt werden. Dabei sind sie häufig und potenziell lebensbedrohlich. Ohne klare Leitwege und ausreichende HNO-Expertise in der Ersteinschätzung drohten Fehlsteuerungen und Versorgungsverzögerungen, betont Prof.  Janina Hahn, Ulm. Die Fachgesellschaft fordert daher eine bessere fachliche Integration, klare Abstimmungsprozesse sowie gezielte Schulungen. Dann könne die Reform patientensicher und effektiv umgesetzt werden.

DGHNO-KHC-Jahresversammlung: Weiterbildungsprogramm der Akademie gut besucht

Das strukturierte Weiterbildungsprogramm der Deutschen Akademie für HNO-Heilkunde und ein spezielles Programm für Berufsgruppen aus den Pflege- und Gesundheitsbereichen und niedergelassenen Praxisteams waren gut besucht. Ziel ist es, mit dem weiteren Erwerb zertifizierter Kompetenzen, die über die reguläre Weiterbildung hinausgehen, die hohe Qualität des Fachbereichs zu sichern.

Angesichts von über 800 nationalen und internationalen Rednern sowie der guten Kongress-Resonanz gerade auch unter jungen Medizinerinnen und Medizinern zog Hoffmanns ein positives Resümee. Mit seiner ansteckenden Begeisterung ist er dem erklärten Ziel der Fachgesellschaft, die Faszination für das Fach mit der „einzigartigen Komplexität der zentralen Sinnesorgane“ an die nächste Generation weiterzugeben, ein gutes Stück nähergekommen.

Ausblick: DGHNO-Kongress 2027 in Dresden

Die 98. Jahresversammlung der DGHNO-KHC findet im nächsten Jahr in Dresden statt. Dann lädt Kongresspräsident Prof. Thomas Zahnert, Dresden, vom 5. bis 8. Mai 2027 herzlich zu einer Fortführung der spannenden fachlichen Diskussionen ein.