Energydrink-Konsum unter Kindern und Jugendlichen nimmt zu30. September 2026 Jeder dritte Jugendliche greift mindestens einmal im Monat zu einem Energydrink. (Foto: © Monkey Business – stock.adobe.com) Fast jedes zweite Kind und rund sieben von zehn Jugendlichen haben bereits Energydrinks konsumiert. Bei der Regulierung hinkt Deutschland anderen Ländern deutlich hinterher, kritisieren Experten. Immer mehr Kinder und Jugendliche in Deutschland konsumieren Umfragedaten zufolge Energydrinks. Vor allem monatlicher Konsum nahm in den vergangenen Jahren zu, wie die im „Deutschen Ärzteblatt International“ vorgestellte Auswertung ergab. Häufig solche Produkte zu trinken, könne gravierende gesundheitliche Folgen haben, warnen Experten. Angepriesen werden die Getränke, die mit Koffein und anderen Inhaltsstoffen wie Taurin und Glucuronolacton versetzt sind, häufig von Influencern, von denen einige eigene Produkte bewerben. „Energydrinks enthalten hohe Koffein- und Zuckerkonzentrationen, die in großen Mengen schädlich für unser Herz-Kreislauf-System sind“, erklärte Felix Oberhoffer vom Klinikum der Universität München (LMU). „Ein regelmäßiger und hoher Konsum kann langfristig die Entstehung von Bluthochdruck, Übergewicht und Zuckerstoffwechselstörungen befördern.“ Gesetzliche Obergrenze wird ausgenutzt Die Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränkeverordnung sieht eine Maximalgrenze von 320 Milligramm Koffein pro Liter vor. Eine marktübliche 500-Milliliter-Dose enthält den „Ärzteblatt“-Autoren zufolge häufig die gesetzliche Obergrenze von 160 Milligramm Koffein sowie etwa 55 Gramm Zucker. Nach Einschätzung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist bei Kindern ein Konsum von maximal drei Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag wahrscheinlich unbedenklich – bei 50 Kilogramm Gewicht wären das 150 Milligramm. Julia Hansen, Clemens Neumann und Reiner Hanewinkel von der Forschungseinrichtung IFT-Nord in Kiel hatten Daten des vom Institut jährlich erhobenen „Präventionsradars“ für die Schuljahre 2020/21 bis 2025/26 ausgewertet. Insgesamt wurden Angaben von mehr als 107.000 Schülerinnen und Schülern unter 16 Jahren aus 15 Bundesländern ausgewertet. Zu bedenken ist dabei, dass Fragebogendaten durch sozial erwünschte Antworten verzerrt sein können. Die tatsächlich konsumierte Menge wurde nicht erfasst. Gefährlicher Mischkonsum Den Angaben zufolge haben 46 Prozent der Neun- bis Zwölfjährigen und 72 Prozent der 13- bis 15-Jährigen bereits Energydrinks konsumiert. Bei den Kindern tranken zuletzt 13 Prozent mindestens einmal im Monat Energydrinks, in der ersten berücksichtigten Erhebung 2020/21 waren es knapp zehn Prozent. Bei den Jugendlichen stieg der Anteil von 25 auf 33 Prozent. Mindestens einmal pro Woche konsumierten zuletzt sechs Prozent der Kinder – der Wert blieb nahezu unverändert – sowie 19 Prozent der Jugendlichen nach knapp 16 Prozent im Schuljahr 2020/21. Kaum Veränderung gab es beim Prozentsatz täglich konsumierender Kinder: rund zwei Prozent der Kinder und etwa sechs Prozent der Jugendlichen. Täglicher Energydrink-Konsum war der Befragung zufolge eng mit dem Konsum von Nikotin verbunden. Jugendliche, die im vergangenen Monat geraucht oder E-Zigaretten genutzt hatten, wiesen eine 2,4-fach höhere Rate täglichen Energydrink-Konsums auf als Jugendliche ohne Nikotinkonsum. Auch Alkohol- und Cannabiskonsum, höhere Risikobereitschaft, mehr Bildschirmzeit sowie Aufmerksamkeits- und emotionale Probleme standen mit täglichem Konsum in Zusammenhang. Gerade der Mischkonsum mit Alkohol sei gefährlich, erklärte Katharina Rathmann von der Hochschule Fulda. „Koffein kann die Müdigkeit durch Alkohol überdecken, ohne die tatsächliche Beeinträchtigung von Reaktion, Urteilsvermögen und Koordination zu verringern. Dadurch kann man sich nüchterner fühlen, als man tatsächlich ist, und eher mehr Alkohol trinken oder die Risiken unterschätzen.“ Zusammenhänge gehen auf sozioökonomische Faktoren zurück Dass Energydrink-Konsum häufig zusammen mit Nikotin-, Alkohol- und Cannabiskonsum auftrete, bedeute nicht, dass die Drinks diese Verhaltensweisen verursachen, so Rathmann. „Auch Unterschiede nach Schulform sollten eher als Hinweis auf soziale Unterschiede im Konsum verstanden werden.“ Täglicher Energydrink-Konsum war der Auswertung zufolge bei Schülerinnen und Schülern an Gymnasien seltener. Auch stärkeres elterliches Monitoring und eine höhere Risikowahrnehmung gegenüber Substanzen gingen mit niedrigeren Konsumraten einher. Ein statistisch bedeutsamer Unterschied zwischen den Geschlechtern zeigte sich nicht. Auch die Autoren verweisen auf die gesundheitlichen Risiken. Hohe Koffeinmengen könnten unter anderem Schlafprobleme, Angstzustände und eine akute Belastung des Herz-Kreislauf-Systems begünstigen. Der hohe Zuckergehalt erhöhe das Risiko für Übergewicht und Zahnschäden. Verkaufs- und Werbeeinschränkungen Hansen, Neumann und Hanewinkel empfehlen neben Maßnahmen zur Verhaltensprävention strengere Regeln für den Verkauf und das Bewerben von Energydrinks. Besonders die Vermarktung über Influencer und soziale Medien könne den Konsum bei Jugendlichen fördern. In anderen Ländern wurden Energydrinks bereits stärker reguliert: In Litauen, Lettland und Polen dürfen sie nur noch an Kunden ab 18 Jahren verkauft werden. In Norwegen gilt ein Verkaufsverbot an unter 16-Jährige. „Kardiovaskuläre Erkrankungen sind schon heute die Todesursache Nummer Eins in Europa und verursachen direkte sowie indirekte Gesundheitskosten in Milliardenhöhe“, mahnte LMU-Mediziner Oberhoffer. „Es ist nun höchste Zeit, dass unsere Bundesregierung hier nachbessert, denn Prävention beginnt im Kindesalter und nicht erst nach dem ersten Herzinfarkt.“
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