Fette in Säuglingsnahrung können zu frühen Lebererkrankungen beitragen

Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass mittelkettige Fettsäuren in Säzglingsnahrung die Leber von Kindern belasten. (Foto: © dinaphoto – stock.adobe.com)

Bestimmte Fette, die in einigen Säuglingsnahrungen verwendet werden, können die sich entwickelnde Leber belasten und zu frühen Anzeichen einer steatotischen Lebererkrankung beitragen. Dies geht aus einer neuen Studie hervor, die von Forschenden der Virginia Tech in Blacksburg (USA) durchgeführt wurde.

In der Studie, die im „American Journal of Physiology-Endocrinology and Metabolism“ veröffentlicht wurde, sammelte sich bei neugeborenen Ferkeln, die mit Säuglingsnahrung mit bestimmten mittelkettigen Fetten gefüttert wurden, schneller Leberfett an als bei Ferkeln, die mit Säuglingsnahrung mit langkettigen Fetten gefüttert wurden, obwohl sie die gleiche Menge an Kalorien und Proteinen erhielten.

Die Forscher fanden außerdem heraus, dass sich eine steatotische Lebererkrankung in der frühen Lebensphase anders entwickelt als bei Erwachsenen. Bei Erwachsenen sammelt sich Fett an, wenn die Leber ihre Fettverbrennung verlangsamt. In der sich entwickelnden Leber beobachteten sie jedoch, dass sich Fett sogar dann ansammelte, wenn die Fettverbrennung zunahm.

Warum entwickeln immer mehr Kinder eine steatotische Lebererkrankung?

Eine steatotische Lebererkrankung wird mittlerweile zunehmend auch bei Kindern diagnostiziert und wurde sogar bei einigen Säuglingen festgestellt. Dies wirft die Frage auf, wie die Ernährung in der frühen Kindheit die Gesundheit der Leber beeinflussen kann.

Um diesen Zusammenhang zu untersuchen, verwendete das Forschungsteam unter der Leitung von Associate Professor Samer El-Kadi von der School of Animal Sciences ein Modell mit neugeborenen Ferkeln, um zu untersuchen, wie sich verschiedene Fette, die üblicherweise in Säuglingsnahrung verwendet werden, auf den Leberstoffwechsel in der frühen Entwicklungsphase auswirken. Neugeborene Ferkel werden häufig in der Ernährungsforschung eingesetzt, da ihre Verdauung und ihr Fettstoffwechsel denen von menschlichen Säuglingen ähneln.

Zwei Fette mit überraschend unterschiedlichen Wirkungen

Säuglingsnahrung enthält in der Regel Mischungen aus pflanzlichen Ölen, um die Fettzusammensetzung der Muttermilch nachzuahmen. Um zu verstehen, wie einzelne Fette die sich entwickelnde Leber beeinflussen, testeten die Forscher zwei vereinfachte Formeln, die sich nur in der Art des Fettes unterschieden. Die eine war reich an mittelkettigen Fettsäuren, die hauptsächlich aus Kokosnussöl stammen, einer häufigen Fettquelle, die in einigen Säuglingsnahrungen verwendet wird. Die andere war reich an langkettigen Fettsäuren aus tierischem Fett, das der natürlichen Fettzusammensetzung von Vollmilch von Sauen ähnlicher ist.

Ferkel, die mit der mittelkettigen Fettnahrung gefüttert wurden, sammelten schneller Leberfett an als Tiere, die mit der langkettigen Fettnahrung gefüttert wurden, obwohl sie die gleiche Menge an Kalorien und Proteinen erhielten.

„Schon innerhalb von sieben Tagen konnten wir sehen, wie sich Fett in der Leber anzusammeln begann“, berichtet El-Kadi. „Nach etwa zwei Wochen hatte sich die einfache Fettleber zu einer schwereren entzündlichen Form der Erkrankung entwickelt.“

Die Forscher beobachteten, dass die Leber gleichzeitig sowohl die Fettbildung als auch die Fettverbrennung aktivierte. „Trotz dieser Anpassungsreaktionen war die sich entwickelnde Leber überfordert. Das hat uns überrascht. Nach dem, was wir über Erkrankungen bei Erwachsenen wissen, hätte eine erhöhte Fettverbrennung eigentlich schützend wirken müssen“, erklärte El-Kadi.

Entwicklung besserer Säuglingsnahrung

El-Kadi betonte, dass die Studie nicht nahelege, Formulanahrung zu vermeiden. Muttermilch sei zwar nach wie vor „der Goldstandard“ für die Ernährung von Säuglingen. Säuglingsnahrung sei aber eine wichtige und oft lebensrettende Alternative, wenn Stillen nicht möglich oder nicht ausreichend ist.

„Die unmittelbaren Vorteile der Ernährung überwiegen bei weitem die potenziellen langfristigen Risiken. Unser Ziel ist es nicht, von der Verwendung von Säuglingsnahrung abzuraten. Wir möchten verstehen, wie sich die verschiedenen Bestandteile der Säuglingsnahrung auf den sich entwickelnden Körper auswirken, damit sie im Laufe der Zeit verbessert werden können.“ (ej/BIERMANN)