Fokussierung auf Traumata als Therapie hilft Jugendlichen13. März 2023 Dr. Thole Hoppen (Foto: privat) Bei Kindern und Jugendlichen, die mehrfache traumatische Ereignisse wie sexuellen Missbrauch, körperliche Misshandlungen oder psychische Gewalterfahrungen erfahren haben, ist die psychotherapeutische Behandlung mit einer traumafokussierten Therapie sehr wirksam. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsteam der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster. Infolge einer Traumatisierung entwickeln etwa 25 Prozent der betroffenen Kinder und Jugendlichen eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Insbesondere zwischenmenschliche und wiederholte Traumatisierungen bergen ein hohes PTBS-Risiko. Dazu zählen neben Gewalterfahrungen auch Erfahrungen körperlicher beziehungsweise emotionaler Vernachlässigung in der Kindheit. Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche und der russische Angriffskrieg auf die Ukraine sind zwei aktuelle Beispiele für die gesellschaftliche Relevanz. „Die PTBS ist eine schwere, meist chronisch verlaufende psychische Erkrankung, die die Lebensqualität der Betroffenen im Alltag stark einschränkt“, beschreibt Erstautor Dr. Thole Hoppen, der die Studie mit Psychologen der Universitäten von East Anglia in England und Oslo in Norwegen erstellt hat. Bislang gibt es in der klinischen Praxis große Vorbehalte, mehrfach traumatisierte Kinder und Jugendliche, die unter einer PTBS leiden, mit einer traumafokussierten Psychotherapie zu behandeln. Bei der Therapieform geht es darum, Denk- und Verhaltensmuster der Patienten zu verändern, die durch das Trauma entstanden sind. Ziel ist es, durch eine von einem Therapeuten begleitete Konfrontation mit dem traumatischen Erlebten die Erinnerungen und deren Konsequenzen zu verarbeiten. „Es wird vielerorts argumentiert, dass die Therapie überfordernd, wenig vielversprechend, unangemessen oder gar gefährlich sei“, betont Hoppen. „Mit unserer Analyse belegen wir das Gegenteil.“ In einer Metaanalyse haben die Forscher die Ergebnisse aller bislang publizierten Psychotherapiestudien zum Thema PTBS bei Kindern und Jugendlichen ausgewertet. Dabei haben die Wissenschaftler nach eigenen Angaben erstmals in einer Metaanalyse zwischen einzelnen und multiplen Traumatisierungen von Kindern und Jugendlichen unterschieden. „Nicht nur nach singulärer Traumatisierung ist die Psychotherapie von Kindern und Jugendlichen mit PTBS sehr wirksam“, erläutert Hoppen. „Wir zeigen, dass dies auch nach einer multiplen Traumatisierung der Fall ist.“ Die Studienergebnisse sind sowohl für die ambulante Psychotherapie als auch für die stationäre Behandlung in Psychiatrien sowie für Ausbildung von Psychotherapeuten von Bedeutung.
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