Im Jugendalter Single zu sein, schadet dem Selbstwert nicht12. September 2022 Foto: © bdcbethebest – Pixabay Etwa die Hälfte aller Deutschen hat bis zum 16. Geburtstag eine erste partnerschaftliche Beziehung begonnen. Doch was macht es mit denjenigen, die sich in Liebesdingen (unfreiwillig) mehr Zeit lassen? Psychologen der Universität Jena haben diese Frage genauer untersucht und herausgefunden: Single zu sein, stellt im Jugendalter kein Risiko für einen geringeren Selbstwert dar. „Die erste Beziehung ist ein sehr normatives Ereignis – sie markiert einen Schritt in der Persönlichkeitsentwicklung. Aus wissenschaftlichen Studien wissen wir, dass Personen, die ihre erste romantische Beziehung eingehen, beispielsweise eine Zunahme in emotionaler Stabilität und im Selbstwertgefühl erleben. Was aber das Ausbleiben oder Verzögern der ersten romantischen Beziehung mit dem Selbstwert macht, ist unklar. Rund 22 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland bleiben bis zum Alter von 20 nämlich Single“, fasst Tita Gonzalez Avilés von der Universität Jena, die die Studie im Rahmen ihrer Dissertation durchgeführt hat, die Ausgangssituation ihrer Forschung zusammen. „Wir haben nun herausgefunden, dass sich das Selbstwertgefühl nicht verschlechtert, wenn man erst später die erste romantische Beziehung eingeht. Während der späten Adoleszenz oder im frühen Erwachsenenalter Single zu sein und erst später die erste romantische Beziehung zu führen, stellt kein Risiko für das Selbstwertgefühl von Jugendlichen und frühen Erwachsenen dar.“ Zufriedenheit ist wichtiger als Beziehung Für ihre Untersuchungen werteten die Jenaer Forschenden Daten von rund 1400 Personen aus. Die Probandinnen und Probanden hatten bis zum 16. Lebensjahr noch keine Beziehung geführt und wurden im Rahmen der Langzeitstudie „pairfam“ zehn Jahre lang regelmäßig nach ihrem Selbstwert gefragt. Im Schnitt begannen die Mitglieder dieser Kohorte eine erste Beziehung mit 18 Jahren, 108 von ihnen waren sogar zum Befragungsende immer noch Single. Bei Letzteren sank das Selbstwertgefühl gegen Ende der Zeitspanne durchaus. „Doch wir konnten in unserer Studie zeigen, dass nicht etwa das Vorhandensein einer Beziehung ausschlaggebend für einen positiven Selbstwert ist, sondern vielmehr die eigene Zufriedenheit mit dem jeweiligen Beziehungsstatus – egal ob man sich in einer Partnerschaft befindet oder ein glückliches Singleleben führt“, sagt Gonzalez Avilés. Ein positiver Anstieg im Selbstwert konnte nicht gezeigt werden, als die Probandinnen und Probanden ihre ersten Beziehungen begonnen hatten. Das führt die Jenaer Expertin darauf zurück, dass im Jugendalter womöglich andere Faktoren wie etwa schulische beziehungsweise akademische Leistungen oder Freundschaften bedeutsamer für die Selbstwertentwicklung sind als das Eingehen einer romantischen Beziehung. Für die Jenaer Psychologin geht von diesem Forschungsergebnis eine positive Botschaft aus: „Ich finde es wichtig, dass sich die jungen Leute in Beziehungsdingen nicht unter Druck gesetzt fühlen. Es ist absolut in Ordnung, länger Single zu sein und sich Zeit zu nehmen.“ Gleichzeitig betont sie, wie wichtig es sei, die Alleinstehenden stärker in den Fokus der Wissenschaft zu nehmen. Singles seien in der Beziehungsforschung lange kaum betrachtet worden, aber nahezu jede Person habe inzwischen Phasen ohne partnerschaftliche Beziehungen. Deshalb sollte man auch diesen Status genauer erforschen. Sie selbst untersucht derzeit, ob Singles heute eine größere Lebenszufriedenheit aufweisen als früher und vergleicht dazu die Erfahrungen drei verschiedener Altersgruppen.
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