JAMA-Review: Wie Adipositas Krebs fördert

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In den USA werden Übergewicht und Adipositas für etwa 10% aller jährlichen Krebsneuerkrankungen und bis zu 50% bestimmter Krebsarten wie Endometrium- und hepatobiliäre Karzinome verantwortlich gemacht.

Experten gehen davon aus, dass Adipositas das Risiko für Endometriumkarzinome, Speiseröhren-, Magen-, Nieren-, Darm-, Leber-, Gallenblasen-, Bauchspeicheldrüsen-, Prostata-, postmenopausalen Brust-, Eierstock- und Schilddrüsenkrebs erhöht.

Wie amerikanische Autoren eines im „JAMA“ erschienen Reviews zu diesem Zusammenhang ausführen, sind Übergewicht und Adipositas durch eine übermäßige Ansammlung von Fettgewebe gekennzeichnet, wodurch dessen primäre Funktion der Energiespeicherung beeinträchtigt werde. Die überschüssige Energie in Form freier Fettsäuren werde auf sich entwickelnde Krebszellen übertragen und fördere deren Wachstum durch genomische Instabilität, die durch oxidativen Stress und DNA-Schäden verursacht werde, erläutern Dr. Sherry Shen vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York und ihre Kollegen.

Anstieg von Entzündungsmediatoren fördert Tumorwachstum direkt oder indirekt

Als weitere Merkmale der gestörten Fettgewebsfunktion nennt das Team Entzündungen und eine veränderte Hormonproduktion, wie z. B. erhöhte Östrogen- und Leptin-Werte sowie einen verminderten Adiponektin-Spiegel. Entzündetes Fettgewebe gehe mit einem systemischen Anstieg von Entzündungsmediatoren wie Prostaglandin E2, den Zytokinen Interleukin-1β und Interleukin-6 sowie Tumornekrosefaktor α einher. Diese Mediatoren förderten das Tumorwachstum direkt oder indirekt – fahren die Autoren fort.

So stimulierten sie die Östrogenbiosynthese, was die Proliferation hormonempfindlicher Tumoren wie Brust-, Eierstock- und Gebärmutterkrebs begünstigen könne oder unterdrückten die immunvermittelte Eliminierung sich entwickelnder Krebszellen durch die Akkumulation myeloider Suppressorzellen und die Reduktion der Anzahl und Funktion zytotoxischer T-Zellen und natürlicher Killerzellen.

Störung des Mikrobioms durch Entzündungen und oxidativen Stress

Als weiteren potenziellen Mechanismus führen Shen et al. an, dass Entzündungen und oxidativer Stress durch die mit Adipositas einhergehende Reduktion von Darmkommensalen (z.B. Akkermansia muciniphila) und die übermäßige Vermehrung von Bakterienpopulationen, die in präklinischen Modellen mit der Krebsentwicklung assoziiert sind (z.B. Bilophila), verstärkt werden.

Eine für die Praxis ganz entscheidende Frage lautet: Lässt sich das Krebsrisiko durch eine Gewichtsabnahme reduzieren? Offenbar ist dazu ein Gewichtsverlust von mindestens 10 Prozent erforderlich. Als Beleg dafür ziehen die Autoren Beobachtungsstudien heran, in denen sich bei Patienten, die durch bariatrische Eingriffe (n=30.318) oder mit GLP-1-Rezeptoragonisten (n=1.651.452) mehr als 10 Prozent ihres Körpergewichts verloren, eine moderate Reduktion der Inzidenz von Adipositas-assoziierten Krebserkrankungen zeigte (absolute Veränderung: −0,02% bis −0,5%). (sf/BIERMANN)

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