Kein Benefit durch VA-ECMO nach kardiogenem Schock – Anpassung internationaler Leitlinien ist wahrscheinlich5. September 2023 Symbolbild: ©Pijitra/adobe.stock.com Die kürzlich auf dem ESC 2023 präsentierten Ergebnisse der Studie ECLS-SHOCK und einer Metaanalyse sprechen gegen die Annahme, dass der Einsatz aktiver mechanischer Herz-Kreislauf-Unterstützung das Überleben von Patienten nach kardiogenem Schock verbessert. Auf Grundlage dessen halten Experten von DGK und DGIIN die Anpassung internationaler Leitlinien für wahrscheinlich. Bislang gab es nur unzureichende Evidenz für den Einsatz einer veno-arteriellen extrakorporalen Membranoxygenierung (VA-ECMO) bei einem akuten Infarkt-bedingten Herzversagen. Die von Prof. Holger Thiele, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e. V. (DGK) auf dem europäischen Kardiologenkongress (ESC 2023) vorgestellten und hochrangig publizierten Ergebnisse von ECLS-SHOCK und einer Metaanalyse (wir berichteten) belegen jedoch, dass ein hohes Komplikationsrisiko die Behandlung zum Nullsummenspiel macht. „Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass das Verfahren der VA-ECMO zwar den möglichen Vorteil einer kompletten Übernahme der Zirkulation bietet. Allerdings ist es auch häufig mit Komplikationen vergesellschaftet und der gewollte Benefit ist möglicherweise gar nicht vorhanden“, erklärt Thiele. Die zurzeit mit Abstand weltweit größte Studie zeigt, dass der Einsatz dieses sowohl in Deutschland als auch weltweit verbreiteten Verfahrens keinen statistisch signifikanten Vorteil in der Behandlung in Bezug auf die Sterblichkeit vorweisen kann. Zusammen mit Prof. Matthias Kochanek, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin e. V. (DGIIN), unterstreicht der DGK-Präsident, wie wichtig die Durchführung dieser Studie und Metaanalyse war, um mehr Evidenz in der Behandlung bei der VA-ECMO zu bekommen. „Die Ergebnisse werden sicher dazu führen, dass man die Empfehlungen internationaler Leitlinien zum Einsatz der VA-ECMO beim Infarkt-assoziierten kardiogenen Schock herunterstufen wird“, sagt Kochanek. Prof. Michael Böhm, Pressesprecher der DGK ergänzt: „Die neuen Schwerpunkte sollten einerseits auf der Prävention aber auch Beherrschung der zum Teil schwerwiegenden Blutungen liegen, die durch die mechanischen Systeme und Zugangswege ausgelöst werden. Andererseits muss der zusätzliche Entzündungsstimulus abgeschwächt werden. In einer Situation, in der sich ein kardiogener Schock entwickelt hat, ist weniger wahrscheinlich mehr.“ DGK und DGIIN betonen, dass unter Berücksichtigung dieser Studienergebnisse die Indikation zu einer Therapie mit VA-ECMO in Deutschland und auch international mit großer Zurückhaltung gestellt werden sollte. Es mag Einzelfälle und ausgewählte Patientenpopulationen geben, die in dieser spezifischen klinischen Situation von einer VA-ECMO profitieren könnten, heben die Fachgesellschaften hervor. Hierzu müssten aber klare klinische Prädiktoren identifiziert werden. Das Thema wird ihrer Ansicht nach zukünftig weiter wissenschaftlich untersucht und Ergebnisse entsprechend interpretiert werden müssen.
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