Mutter- und Neugeborenen-Virom: Risiko für kindlichen Gastrointestinaltrakt durch pathogene Viren vaginalen Ursprungs25. Oktober 2022 Foto: © kieferpix/stock.adobe.com Mit einer neuen Studie stellen deren Autoren die herkömmliche Vorstellung infrage, dass eine vaginale Entbindung definitiv besser ist als eine Entbindung per Kaiserschnitt. Die Forschenden haben diese Erkenntnis aus der Analyse von Viromdaten einer großen Mutter-Kind-Population gezogen. Sowohl das Darmmikrobiom als auch das Darmvirom im Säuglingsalter stehen in engem Zusammenhang mit der Gesundheit im späteren Leben. Das Darmvirom, bestehend aus Phagen und eukaryotischen Viren, wirkt sich direkt oder indirekt auf die Gesundheit von Säuglingen und Kindern aus. Als dominierende Komponente im Darmvirom formen Phagen die Mikrobiota im frühen Leben, indem sie Jagd auf Bakterien machen. Eine kumulative Wirkung von Enteroviren und der Aufnahme von Gluten auf das Risiko einer Zöliakie-Autoimmunität bei Säuglingen unterstreicht laut einer chinesischen Arbeitsgruppe die Bedeutung der Virusexposition früh im Leben für die Gesundheit von Kindern. „Pathogene Viren können zu einem früheren Zeitpunkt auf die Nachkommen übertragen werden“, erklärt Dr. Jinfeng Wang, Erstautor einer aktuellen Studie. „Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen, in deren Vagina solche Viren vorkommen, ihre Babys bereits zum Zeitpunkt der Geburt infiziert haben.“ Das Team von Prof. Fangqing Zhao von den Beijing Institutes of Life Science an der Chinese Academy of Sciences (China) rekrutierte 99 Mutter-Neugeborenen-Paare (32 vaginale Entbindungen, 67 Kaiserschnitte) und sammelte 486 Proben aus sechs Körperregionen bzw. -flüssigkeiten: Speichel, Stuhl, Vagina und Haut der Mütter sowie aus dem Mundraum und dem Mekonium der Neugeborenen. Die Wissenschaftler führten metagenomische Sequenzierungen durch und erhielten insgesamt 3,85 Terabyte metagenomischer Sequenzierungsdaten. Anhand von Sequenzierungs-Reads als auch mithilfe von Metagenom-Assemblierungen identifizierten die Forschenden eukaryotische Viren und Phagen, analysierten das Mutter-Kind-Virom und verglichen die Ereignisse einer Viren-Übertragung von Müttern auf Nachkommen bei unterschiedlichen Übertragungsarten. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass vaginal entbundene Neugeborene Sekunden nach der Geburt ein ähnlicheres orales Virom und mehr Viren vaginalen Ursprungs aufwiesen als Neugeborene nach einem Kaiserschnitt (56,9% vs. 5,8%). Zhao: „Neugeborene sind Vaginalviren ausgesetzt, wenn sie den Fortpflanzungstrakt passieren, und Viren vaginalen Ursprungs können ihre Gesundheit bedrohen.“ Wie die Wissenschaftler betonen, könnte es notwendig sein, vor einer Entbindung ein Verfahren zum Screening des Vaginalviroms einzusetzen, um „das Risiko für eine generationenübergreifende Übertragung pathogener Viren auf den Gastrointestinaltrakt des Nachwuchses zu vermeiden.“
Mehr erfahren zu: "Klappt die Vier-Wochen-Operation für stabile Kassenbeiträge?" Klappt die Vier-Wochen-Operation für stabile Kassenbeiträge? Die stark steigenden Kosten für die medizinische Versorgung sollen gebremst werden. Dafür macht sich die Koalition jetzt konkret an ein Gesetz. Kommt es durch und im straffen Zeitplan ans Ziel?
Mehr erfahren zu: "Neues Kontinenz- und Beckenbodenzentrum am Universitätsklinikum Dresden" Neues Kontinenz- und Beckenbodenzentrum am Universitätsklinikum Dresden Ein neues Beckenbodenzentrum am Universitätsklinikum Dresden (UKD) vereint mehrere medizinische Disziplinen für die Behandlung von Kontinenzstörungen.
Mehr erfahren zu: "Gesundheitsministerkonferenz: Impulse für Bürokratieabbau, Fachkräftesicherung und Gesundheitsschutz" Gesundheitsministerkonferenz: Impulse für Bürokratieabbau, Fachkräftesicherung und Gesundheitsschutz Unter Leitung des Vorsitzenden Dr. Andreas Philippi sind auf der diesjährigen Gesundheitsministerkonferenz mehr als 50 Anträge beraten und entsprechende Beschlüsse gefasst worden. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken nahm als Gast an den Beratungen teil.