Neue Erkenntnisse zum Immunsystem bei Kindern könnte Wirksamkeit von Impfstoffen verbessern7. Februar 2020 In Ländern, in denen Blutarmut weit verbreitet ist, fallen die Impfergebnisse bei Kindern stark unterschiedlich aus. (Foto: ©Mayer Riccardo – adobe.stock.com) Der Aufbau des Immunsystems und die Impfantwort von Kindern hängen von einer Fülle von Faktoren ab, beispielsweise von ihrem Alter, ihrem Anämiestatus und dem Land, in dem sie aufwachsen. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts (Swiss TPH) und Partnerorganisationen. Die ForscherInnen entnahmen im Rahmen der Phase-III-Studie zum Malariaimpfstoff RTS,S über einen Zeitraum von 32 Monaten Blutproben von Kindern in Tansania und Mosambik. Gruppen von Kindern, die nach der RTS,S-Impfung bessere Antikörpertiter aufwiesen, besaßen vor der Impfung im Vergleich mehr Antikörper produzierende Zellen und follikuläre T-Helferzellen. “Diese Erkenntnisse zeigen, wie wichtig es ist, die Zusammensetzung des Immunsystems bei Kindern im Detail zu verstehen, um wirksamere Impfstoffe entwickeln zu können”, erläutert Claudia Daubenberger, Leiterin der Einheit “Clinical Immunology” am Swiss TPH. Immunsystem entwickelt sich im Lauf der Kindheit dynamisch Die Ergebnisse aus Tansania und Mosambik wurden denjenigen einer Kohortenstudie mit niederländischen Kindern vergleichbaren Alters gegenübergestellt. Dabei waren ganz eindeutige dynamische Unterschiede bei der Entwicklung des Immunsystems der beiden Gruppen von Kindern zu erkennen. “Beim Vergleich der verschiedenen geografischen Regionen haben wir feststellen können, dass einige Bestandteile des Immunsystems der tansanischen und mosambikanischen Kinder sich schneller entwickeln, als dies bei niederländischen Kindern der Fall ist. Dies hängt höchstwahrscheinlich damit zusammen, dass diese Kinder verstärkt Infektionskrankheiten ausgesetzt sind und sie in einem anderen mikrobiellen Umfeld mit anderen Ernährungsgegebenheiten aufwachsen”, erklärt Danika Hill vom Babraham Institute in Grossbritannien. “Des Weiteren sind wir zu dem Schluss gekommen, dass Immunzelltypen zwar während der Kindheit einen gemeinsamen Entwicklungsverlauf aufweisen, die entsprechenden Veränderungen jedoch auf verschiedenen Kontinenten und sogar in Tansania und Mosambik unterschiedlich schnell vonstattengehen können.” Die ForscherInnen untersuchten auch eine mögliche Verbindung zwischen dem Anämiestatus der Kinder und der Stärke ihrer Immunantwort und stellten dabei fest, dass anämische Kinder weniger gut auf die RTS,S-Impfung ansprachen. “Zum ersten Mal haben wir nachweisen können, dass die Eisen-Bioverfügbarkeit sich direkt auf die B-Zellenbiologie auswirkt. Indem wir den Anämiestatus von Kindern bei der Analyse von Impfimmunität und Impfschutz berücksichtigen, lernen wir besser zu verstehen, warum die Impfergebnisse bei Kindern in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen, wo Blutarmut weit verbreitet ist, so unterschiedlich ausfallen”, betont Daubenberger. Wirksamere Impfstoffe durch besseres Verständnis der Immunität Trotz der hohen Erfolgsquoten bei der Immunisierung von Kindern existieren immer noch viele Infektionskrankheiten, wie beispielsweise Malaria, für die es bislang keine Impfung gibt. Realisiert könnte dies durch eine Kombination aus innovativen Ansätzen zur Impfstoffentwicklung und neuen Erkenntnissen zur Immunreaktion der Kinder auf Impfungen. Ein besseres Verständnis der Faktoren wie Alter, Wohnort und Anämiestatus, die die Entwicklung eines funktionalen Immunsystems bei Kindern beeinflussen, kann die Impfstoffwirksamkeit für bestimmte Bevölkerungsgruppen überall auf der Welt erhöhen.
Mehr erfahren zu: "Antimykotika in der Schwangerschaft mit Veränderungen fetaler Hormonproduktion assoziiert" Antimykotika in der Schwangerschaft mit Veränderungen fetaler Hormonproduktion assoziiert Die Anwendung gängiger Azol-Antimykotika während der Schwangerschaft ist mit Veränderungen der fetalen Steroidhormonproduktion und der reproduktiven Entwicklung assoziiert.
Mehr erfahren zu: "Durchschnittlicher Zusatzbeitragssatz der Kassen bleibt stabil bei 2,9 Prozent" Durchschnittlicher Zusatzbeitragssatz der Kassen bleibt stabil bei 2,9 Prozent Der GKV-Schätzerkreis hat seine Prognosen für die finanziellen Rahmenbedingungen für 2027 abgegeben. Der Bundesgesundheitsminister wertet es als Erfolg des GKV-Spargesetzes, die KBV übt daran weiter Kritik.
Mehr erfahren zu: "Kinderschutz in O & U: Vom Verdacht zur Handlung – Strukturiertes Vorgehen im Alltag" Kinderschutz in O & U: Vom Verdacht zur Handlung – Strukturiertes Vorgehen im Alltag Kaum eine Fachdisziplin sieht körperliche Gewalt gegen Kinder so früh wie die Orthopädie und Unfallchirurgie – und kaum eine steht dabei so oft vor derselben Frage: Verletzung behandeln – Verdacht […]