Neue Hoffnung bei T-Zell-Leukämie im Kindesalter7. Januar 2026 Prof. Gunnar Cario (r.), Direktor der Klinik für Kinderonkologie und ‑rheumatologie, Campus Kiel, und Dr. Lennart Lenk, Leiter der translationalen ALL-Forschungsgruppe der Kinderonkologie, forschen zur Verbesserung der Therapie von T-Zell-ALL im Kindesalter. (Quelle: © UKSH) Kinder und Jugendliche mit T-Zell akuter lymphoblastischer Leukämie (T-Zell-ALL) sollen künftig wirksamer behandelt werden können. Eine internationalen Studie untersucht, ob ein zusätzliches Medikament die Leukämiezellen empfindlicher für Chemotherapie machen und so deren Wirkung verstärken kann. Die akute lymphoblastische Leukämie (ALL) ist die mit Abstand häufigste Krebserkrankung im Kindesalter. In Deutschland erkranken jährlich rund 550 bis 600 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren neu an einer ALL. Durch eine monatelange intensive Chemotherapie können heute etwa 90 Prozent der Betroffenen geheilt werden. Bei bestimmten Subtypen der Erkrankung wie der T-Zell-ALL sind die Heilungschancen jedoch deutlich geringer. Behandlung an die individuelle Prognose anpassen Das von Kiel aus koordinierte internationale Studienkonsortium ALL-BFM (Acute Lymphoblastic Leukemia Berlin-Frankfurt-Münster) umfasst über 130 Studienzentren in zehn Ländern und gilt seit vielen Jahren als weltweit führend in der klinischen Forschung zur Therapieverbesserung bei ALL. Zentrales Ziel ist eine an den individuellen Subtyp und die jeweilige Prognose angepasste Behandlung: Während Betroffene mit sehr guter Heilungschance von einer Reduktion der Chemotherapie profitieren sollen, verfolgt die neue Studie einen anderen Ansatz. Für Kinder und Jugendliche mit hohem Rückfallrisiko soll die Wirksamkeit der Therapie nicht durch weitere Steigerung der Chemotherapie-Dosis, sondern durch eine gezielte Erhöhung der Empfindlichkeit der Leukämiezellen verbessert werden. Genau diesen Mechanismus adressiert die neue Studie. „Unser Ziel ist es, Leukämiezellen vom T-Zelltyp empfindlicher für die abtötende Wirkung der Chemotherapie zu machen, indem wir den Mechanismus des sogenannten programmierten Zelltods – der Apoptose – wieder aktivieren, den diese Zellen herunterreguliert haben“, erklärt Studienleiter Prof. Gunnar Cario von der Klinik für Kinderonkologie und -rheumatologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Kiel. Das Kieler Studienzentrum für Leukämie im Kindes- und Jugendalter koordiniert das Vorhaben und erhält dafür eine Förderung in Höhe von über 2,4 Millionen Euro durch die Deutsche Krebshilfe. „Ein vielversprechender Wirkstoff dafür ist das Medikament Venetoclax, das uns von der Firma Abbvie zur Verfügung gestellt wird, und wir sind weltweit die erste Studiengruppe, die diesen Ansatz in der Erstlinientherapie von Kindern mit ALL untersucht.“ Ziel: Präzisionstherapien für jedes Patientenalter Begleitend zur klinischen Studie ist ein umfangreiches internationales Forschungsprogramm geplant, das von Dr. Lennart Lenk, Leiter der translationalen ALL-Forschungsgruppe der Kinderonkologie, koordiniert wird. „Die internationale Begleitforschung ist ein zentraler Bestandteil dieses Projekts“, betont Lenk. „Durch die enge Zusammenarbeit zahlreicher nationaler und internationaler Forschungsgruppen können wir das Ansprechen der T-Zell-ALL auf Venetoclax umfassend untersuchen und darauf aufbauend neue Therapieansätze entwickeln.“ Das Projekt ist eingebettet in die Forschungsaktivitäten des Kiel Oncology Network (KON) der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und des Universitären Cancer Centers Schleswig-Holstein (UCCSH) – dem Zusammenschluss aller onkologischen Einrichtungen des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) sowie der Universitäten in Kiel und Lübeck. Darüber hinaus ist es eng mit der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Klinischen Forschungsgruppe „CATCH ALL – towards a cure for all adults and children with Acute Lymphoblastic Leukemia (ALL)“ verbunden. In diesem Rahmen entwickeln klinisch und wissenschaftlich tätige Experten neue Konzepte für Präzisionstherapien – vom Neugeborenen bis ins hohe Erwachsenenalter.
Mehr erfahren zu: "Sprachentwicklung bei Kindern mit Cochlea-Implantat: Prognose mit KI" Sprachentwicklung bei Kindern mit Cochlea-Implantat: Prognose mit KI Welche Kinder mit Cochlea-Implantat profitieren von einer frühen Intensivtherapie? Eine aktuelle Studie nutzte zur Prognose der Sprachentwicklung KI-Modelle – mit „hervorragenden Ergebnissen“.
Mehr erfahren zu: "Lebererkrankung bei Heranwachsenden: Ewigkeits-Chemikalien können Risiko um bis das Dreifache erhöhen" Lebererkrankung bei Heranwachsenden: Ewigkeits-Chemikalien können Risiko um bis das Dreifache erhöhen US-Forscher berichten, dass höhere Blutwerte zweier häufiger Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) die Wahrscheinlichkeit für eine früh im Leben beginnende Stoffwechseldysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD) steigen lassen.
Mehr erfahren zu: "Negative Einflüsse während der Schwangerschaft wirken bis ins Jugendalter" Negative Einflüsse während der Schwangerschaft wirken bis ins Jugendalter Kinder, die pränatal mehr negativen Einflüssen (APE) ausgesetzt waren, zeigen häufiger Verhaltensprobleme, eine schnellere Ausdünnung der Hirnrinde und mehr depressive Symptome. Das berichten Forschende des Mass General Brigham (USA) in […]